Mitten in Hauptstadt der UkraineRussische Drohne trifft Geheimdienst-Quartier in Kiew
Dichter Rauch steigt auf, zahlreiche Rettungswagen sind im Einsatz: In der Hauptstadt Kiew trifft eine russische Drohne den Sitz des ukrainischen Sicherheitsdienstes. Laut Bürgermeister Klitschko gibt es mehrere Verletzte. Präsident Selenskyj kündigt eine „spürbare“ Reaktion an.
Eine russische Drohne hat am Freitag das Hauptquartier des ukrainischen Geheimdienstes SBU im Zentrum von Kiew getroffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte daraufhin Vergeltung an. Er habe den Befehl erteilt, eine angemessene und spürbare Antwort vorzubereiten, die dem Angriff möglichst entspreche, teilte Selenskyj in sozialen Netzwerken mit. Die Drohne sei direkt auf das Büro des SBU-Chefs in dem Gebäude in der Wolodymyrska-Straße gerichtet gewesen. Über dem historischen Stadtteil nahe der Sophienkathedrale stieg dichter schwarzer Rauch auf.
Zahlreiche Rettungswagen und Einsatzkräfte eilten zum Einsatzort. Nach Angaben des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko wurden fünf Menschen verletzt. Auch eine gegenüberliegende Bäckerei wurde zerstört.
Kiew steht seit zehn Tagen unter ununterbrochenem russischen Drohnenbeschuss. Am Mittwoch war eine Universität im Stadtzentrum getroffen worden, wobei mindestens sieben Menschen verletzt wurden. Dass Regierungsgebäude beschädigt werden, ist in dem seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden Krieg jedoch selten. Ein 33-jähriger Kiewer namens Oleh äußerte die Befürchtung, dass sich die Menschen an solche Angriffe im Zentrum von Kiew und Moskau gewöhnen müssten und sich die Lage weiter verschlechtern werde.
Der SBU gilt als zentraler Akteur im ukrainischen Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg. Der Geheimdienst zeichnet immer wieder für folgenschwere Angriffe tief im russischen Hinterland verantwortlich, um die dortige Militärmaschinerie und Energieinfrastruktur zu schwächen. Zu den bekanntesten Operationen gehören die Sprengung der Brücke zur besetzten Halbinsel Krim im Jahr 2022 sowie ein Drohnenangriff unter dem Codenamen „Spinnennetz“ auf strategische russische Bomber im Jahr 2025. Zudem wird dem SBU eine Schlüsselrolle bei verdeckten Tötungen hochrangiger russischer Militärs zugeschrieben, denen die Ukraine Kriegsverbrechen vorwirft. Russland verurteilt diese Tötungen als Terroranschläge.
