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Nach dem mutmaßlichen Anschlagsversuch mit einer Drohne am Flughafen Leipzig/Halle entdeckten Ermittler nach Recherchen von NDR, WDR und SZ sogar mehrere DNA-Spuren – und eine verdächtige Antenne.
Bei ihrer Spurensuche im Fall des mutmaßlichen Anschlagversuchs auf den Leipziger Flughafen machten Ermittler bereits in der vergangenen Woche eine vielversprechende Entdeckung: Sie fanden an einem Baum eine kleine Antenne, die noch sehr relevant bei der Jagd nach den Saboteuren werden könnte.
Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) gehen die Sicherheitsbehörden inzwischen davon aus, dass die Antenne von den Tätern installiert wurde. Sie könnte nach Einschätzung von Experten als Signalverstärker gedient haben, um die mit Sprengstoff beladene Drohne auf den Flughafen zu steuern.
Die Antenne ist nur eine von inzwischen mehreren Beweismitteln, die die Polizei derzeit in dem Fall von mutmaßlicher Sabotage auswertet. Weitere mögliche Hinweise auf die Täter erhoffen sich die Sicherheitsbehörden durch DNA-Spuren, die an der Drohne festgestellt wurden. Am späten Abend des 4. August war die Drohne auf dem Vorfeld neben mehreren ukrainischen Frachtflugzeugen entdeckt worden.
Verdächtige Drohne war offenbar modifiziert
Dabei soll es sich nach Angaben aus Ermittlerkreisen um ein speziell konstruiertes Modell handeln, das mit einem Zusatzakku für eine sehr lange Flugdauer ausgestattet war. Die Drohne hatte demnach keine Positionslichter und soll über eine Kamera verfügt haben. An der Drohne waren außerdem ein 5G-Router befestigt sowie zwei SIM-Karten verbaut.
Nach bisherigem Ermittlungsstand geht das Bundeskriminalamt (BKA) davon aus, dass die Drohne über das Mobilfunknetz gesteuert wurde, möglicherweise aus großer Entfernung. Die technische Ausstattung hätte es wohl theoretisch ermöglicht, das Fluggerät von jedem Ort der Erde zu steuern.
Der Fund der Antenne an einem Baum nahe des Flughafens, so heißt es in Sicherheitskreisen, sei ein Hinweis darauf, dass die Täter wohl ein möglichst störungsfreies und starkes Steuerungssignal für die Drohne erzeugen wollten.
Selbstgebauter Sprengsatz zündete nicht
Die Drohne soll am Dienstagabend, gegen 19:30 Uhr, zunächst auf einer Tragfläche einer der geparkten ukrainischen Antonov-Frachtflugzeuge aufgeschlagen sein. Das habe die Auswertung der Überwachungskameras am Flughafen ergeben, wie die „Zeit“ berichtet. Der Sprengsatz aber zündete offensichtlich nicht.
Statt zu explodieren, prallte die Drohne offenbar von der mit Treibstoff gefüllten Tragfläche ab, fiel zu Boden, landete auf der Rückseite und war wohl nicht mehr startfähig. Mehrere Stunden später wurde sie den Ermittlungen zufolge von einem Flughafenmitarbeiter entdeckt.
Einige Meter neben der Drohne, berichten Fahnder, wurde der selbstgebaute Sprengsatz gefunden: eine Konservendose, die mit rund 600 Gramm des hochexplosiven Sprengstoffs Semtex gefüllt war. Beim Zusammenstoß mit dem geparkten Flugzeug hatte sie sich wohl von der Drohne gelöst. Nur ein defekter Zünder verhinderte wohl die Detonation, und damit eine Katastrophe.
Ermittler finden DNA-Spuren am Sprengsatz
Die Täter hinterließen offenbar unfreiwillig Spuren für die Forensik: An der mit Sprengstoff gefüllten Dose sollen Experten DNA-Material sichergestellt haben. Weitere verdächtige DNA-Spuren unterschiedlicher Qualität sollen laut Sicherheitskreisen sowohl an der Drohne als auch im Umfeld des Tatorts entdeckt worden sein.
Nach Informationen von WDR, NDR und SZ soll es sich unter anderem um einen sogenannten Spur-zu-Spur-Treffer handeln, der mit einem anderen Fall in Zusammenhang stehen könnte, in denen die gleiche DNA aufgetaucht war. Eine weitere DNA-Spur führt zudem offenbar nach Litauen.
Parallelen zu weiteren Sabotage-Fällen
Anders als gestern unter anderem von der „Bild“-Zeitung berichtet, sollen diese DNA-Spuren aber nicht mit dem früheren, sogenannten DHL-Plot in Verbindung stehen. Zwischen den beiden Sabotage-Fällen gibt es allerdings auffällige Parallelen, die Sicherheitskreise zurzeit genauer betrachten.
Vor zwei Jahren hatte ein Netzwerk aus angeworbenen sogenannten Wegwerf-Agenten, das sich von Litauen über Polen bis nach Deutschland erstreckte, Brandsätze zum Teil per Luftfracht verschickt. Gesteuert wurde es den Ermittlungen zufolge wohl vom russischen Militärgeheimdienst GRU. Am Flughafen Leipzig, in Birmingham und in Warschau gingen Pakete in Flammen auf. Mehrere Personen müssen sich für die Anschlagsserie derzeit in Polen und Litauen vor Gericht verantworten.
Damals hatten die umfangreichen Ermittlungen in mehreren europäischen Ländern ergeben, dass ein junger Ukrainer, der für die Anschläge angeworben war, offenbar auch nach Deutschland gereist war. Er soll im Auftrag des russischen Geheimdienstes Gegenstände abgeholt haben, die auch für einen Sprengstoff-Anschlag mit Drohnen genutzt werden könnten. Darunter Drohnenteile, spezielle Halterungen – und Konservendosen.
