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Startseite»Betrugsmaschen»Nachrichten ohne Algorithmus: In 20 Minuten eingerichtet
Betrugsmaschen

Nachrichten ohne Algorithmus: In 20 Minuten eingerichtet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 13, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Du liest wahrscheinlich mehr Nachrichten als je zuvor. Und du weißt trotzdem oft nicht, was stimmt. Das liegt nicht an dir. Es liegt daran, wie die Nachrichten zu dir kommen.

Wenn du dich über Facebook, Instagram, TikTok oder X informierst, entscheidest nicht du, was du siehst. Das entscheidet der Feed. Und der Feed hat ein einziges Ziel: dass du bleibst. Was dich aufregt, hält dich länger. Was dich ruhig informiert, scrollst du weg. Also bekommst du mehr Aufregung. Nicht, weil jemand böse ist. Weil es so gebaut ist.

Die Lösung ist nicht, weniger zu lesen. Die Lösung ist, anders zu empfangen. Du kannst dir einmal, in etwa zwanzig Minuten, drei Dinge einrichten. Danach kommen die Quellen zu dir, die du ausgesucht hast. Nicht die, die ein Algorithmus für dich ausgesucht hat.

Kurz gesagt

Das solltest du mitnehmen

  • Im Feed entscheidet der Algorithmus, was dich erreicht. Und der bevorzugt, was dich aufregt. Nicht, was dich informiert.
  • Drei Dinge einrichten, einmal, zwanzig Minuten: ein Feedreader mit zehn Quellen, zwei Newsletter, eine Liste auf Bluesky oder X.
  • Danach bestimmst du, was ankommt. Du musst nicht mehr lesen. Du musst nur das lesen, was du selbst ausgewählt hast.

Was ein Feed wirklich macht

Ein Feed ist keine Zeitung. Eine Zeitung zeigt allen dasselbe. Ein Feed zeigt dir, was dich am längsten hält. Dafür schaut er, wo du stehen bleibst, was du kommentierst, was du teilst. Ein wütender Kommentar zählt genauso wie ein zustimmender. Ein Video, das du zweimal anschaust, weil du es nicht glauben kannst, zählt doppelt.

Das heißt: Der Feed lernt nicht, was du wissen willst. Er lernt, was dich packt. Und das ist selten die ruhige Einordnung. Das ist die Schlagzeile, die Empörung, der angebliche Skandal. Wer sich nur so informiert, bekommt ein verzerrtes Bild. Nicht, weil die einzelnen Beiträge falsch sein müssen. Sondern weil die Auswahl schief ist.

Dazu kommt, dass ein Feed nie fertig ist. Unter jedem Beitrag wartet der nächste. Es gibt keinen Moment, in dem du sagen kannst: So, jetzt bin ich informiert. Du bist immer nur unterbrochen.

Drei Werkzeuge, die den Feed ersetzen

Es gibt drei Wege, Nachrichten zu bekommen, ohne dass ein Algorithmus dazwischensteht. Alle drei sind alt, alle drei sind kostenlos, und alle drei funktionieren noch.

Ein Feedreader ist eine App oder Website, in die du Quellen einträgst. Zeitungen, Faktenchecker, Behörden, Blogs. Der Reader holt sich alle neuen Artikel und zeigt sie dir in einer Liste, in der Reihenfolge, in der sie erschienen sind. Kein Algorithmus, keine Werbung dazwischen, keine Kommentare. Was du eingetragen hast, siehst du. Was nicht, siehst du nicht. Bekannte Beispiele sind Feedly und Inoreader, beide in der Grundversion kostenlos. Es gibt viele andere.

Ein Newsletter kommt per E-Mail. Du meldest dich einmal an, und die Redaktion schickt dir, was sie für wichtig hält. Ein Newsletter hat einen Anfang und ein Ende. Wenn du ihn gelesen hast, bist du fertig. Das klingt banal. Nach Jahren im Feed ist es eine Erleichterung. Viele Zeitungen, Wissenschaftsredaktionen und Faktenchecker bieten das an. Auch wir.

Eine Liste gibt es auf Bluesky und auf X. Du legst sie an, trägst Menschen oder Redaktionen ein, und siehst dann nur deren Beiträge. Chronologisch, ohne Vorschläge, ohne „Das könnte dich interessieren“. Es ist derselbe Dienst, aber ohne den Feed.

In zwanzig Minuten eingerichtet

Einmal machen, dann läuft es. Du kannst jederzeit Quellen dazunehmen oder rauswerfen.

15 Min.

Feedreader anlegen

Kostenlose App oder Website aussuchen, Konto anlegen. Fertig.

210 Min.

Zehn Quellen eintragen

Zwei Tageszeitungen, ein öffentlich-rechtliches Angebot, ein Faktenchecker, eine Behörde, eine Wissenschaftsseite, der Rest nach Interesse. Einfach die Adresse der Website eingeben, der Reader findet den Feed.

33 Min.

Zwei Newsletter abonnieren

Einen für den Überblick am Morgen, einen für ein Thema, das dir wichtig ist. Nicht mehr. Sonst liest du sie nicht.

42 Min.

Eine Liste anlegen

Auf Bluesky oder X eine Liste „Nachrichten“ erstellen, zehn Konten eintragen, die Liste als Lesezeichen speichern. Den normalen Feed brauchst du dann nicht mehr.

Ab jetzt kommt zu dir, was du ausgesucht hast. Nicht, was dich am längsten hält.

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Welche Quellen da hineingehören

Die Werkzeuge sind nur so gut wie das, was du eintragst. Ein Feedreader voller Empörungsseiten ist auch nur ein Feed, nur ohne Algorithmus. Deshalb ist die wichtigere Frage: Woran erkennst du eine Quelle, die den Platz verdient?

Es geht dabei nicht um die politische Richtung. Es geht um Handwerk. Eine gute Quelle kann konservativ sein oder links, das ist eine andere Frage. Sie muss vier Dinge tun, die man von außen prüfen kann.

Vier Fragen an jede Quelle

Zwei Minuten pro Website. Wer alle vier besteht, kommt rein.

  • 1

    Steht drauf, wer das macht?

    Impressum mit Namen und Adresse. Eine Redaktion, die man anschreiben kann. Wer sich versteckt, hat meist einen Grund.

  • 2

    Gibt sie Fehler zu?

    Jede Redaktion macht Fehler. Die Frage ist, ob sie sie korrigiert und die Korrektur sichtbar macht. Wer nie etwas zurücknimmt, hat entweder nie geirrt oder verschweigt es.

  • 3

    Sagt sie, woher sie es weiß?

    Quellen, Links, Namen, Dokumente. „Experten sagen“ und „wie bekannt wurde“ sind keine Quellen. Das gilt auch für uns.

  • 4

    Trennt sie Meinung von Nachricht?

    Ein Kommentar darf alles. Eine Nachricht muss belegen. Wenn du beim Lesen nicht erkennst, was gerade welches ist, ist das Absicht.

Eine Quelle, die alle vier besteht, kann trotzdem irren. Aber du kannst dann nachvollziehen, wo – und das ist der ganze Unterschied.

Und dann trage bewusst etwas ein, das dir nicht gefällt. Eine Zeitung, deren Richtung nicht deine ist, die aber die vier Fragen besteht. Nicht, um dich zu ärgern. Sondern damit du merkst, wenn deine Seite etwas weglässt.

Was sich dadurch ändert

Nach einer Woche mit Feedreader, Newsletter und Liste passiert etwas, das viele überrascht: Du liest weniger und weißt mehr. Weil das, was ankommt, nicht mehr darum kämpfen muss, dich zu halten. Es muss nur informieren.

Du wirst auch merken, was fehlt. Die Empörung von gestern, die dir im Feed dreimal begegnet wäre, kommt in deinem Reader gar nicht vor, weil keine deiner Quellen sie für wichtig hielt. Das ist kein Verlust. Das ist der Unterschied zwischen einer Nachricht und einem Reiz.

Den Feed musst du dafür nicht löschen. Du kannst ihn behalten, für Freunde, Familie, Katzenvideos. Er ist nur nicht mehr der Ort, an dem du erfährst, was in der Welt passiert. Das entscheidest ab jetzt du.

Fazit

Der Feed ist nicht dein Feind. Er ist nur nicht dafür gebaut, dich zu informieren. Dafür gibt es andere Werkzeuge, und sie kosten dich einmal zwanzig Minuten.

Danach kommt zu dir, was du ausgesucht hast. Und wenn beim nächsten Skandal alle schreien, bist du der, der zuerst nachschaut, was seine Quellen dazu sagen. Meistens: erstaunlich wenig.

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Dr. Heinrich Krämer
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