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Startseite»Politik»Neuer Bluttest weckt Hoffnung auf Früherkennung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Politik

Neuer Bluttest weckt Hoffnung auf Früherkennung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 16, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.09.2026 • 15:22 Uhr

Tumore der Bauchspeicheldrüse sind meist erst erkennbar, wenn man sie kaum noch behandeln kann. Ein neuer Bluttest kann bei der Früherkennung helfen. Hoffnung weckt auch ein neuer Wirkstoff.

Ein neuer Bluttest macht Hoffnung für die Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ein internationales Forschungsteam hat ihn kürzlich im Fachmagazin Nature Medicine vorgestellt. Bis er tatsächlich zum Einsatz kommt, dürften allerdings noch Jahre vergehen. So lange könnte es dauern, bis weitere Studien zeigen, ob der Test tatsächlich hält, was er verspricht. Das schreiben die Autoren selbst.

Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs haben die schlechteste Prognose aller Krebspatienten. Etwa 85 Prozent sterben innerhalb von fünf Jahren nach Entdeckung der bösartigen Veränderungen. Das liegt daran, dass dieser Krebs meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird, oft also, wenn er bereits in andere Bereiche des Körpers gestreut hat. Dann kommen Operationen meist zu spät. Lange galten Tumore der Pankreas als nicht behandelbar.

Der neue Test sucht im Blut nach drei sogenannten Markern – nach zwei sogenannten Mikro-RNAs und einem Protein. Die kurzen RNA-Moleküle steuern Vorgänge in Zellen und können sich bei Krebs verändern. Die Forschenden messen frei zirkulierende Mikro-RNA und solche in winzigen Zellbläschen, sogenannten Exosomen. Zusätzlich schauen sie sich das Protein CA19-9 an. Diesen Marker kennt die Medizin schon länger, er ist aber für sich allein genommen zu unzuverlässig. Ein Computerprogramm errechnet aus den Biomarkern einen Risikowert.

Pankreaskarzinome bleiben auch im Blut sehr unauffällig

Geeignete Biomarker zu finden und zu untersuchen, ist beim Pankreaskarzinom anspruchsvoll. Die Tumore geben nur wenig Material ins Blut ab, erklärt Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Ulm. Er war nicht an der Arbeit beteiligt.

Forschende haben nach Biomarkern im Blut von Menschen gesucht, bei denen ein Bauchspeicheldrüsenkarzinom diagnostiziert worden war. In einem zweiten Schritt haben sie diese Marker bei Menschen mit Karzinom und mit erhöhtem Risiko von Pankreaskrebs getestet. Bei letzteren schlug der Bluttest zu häufig an, obwohl die Patienten gar keinen Krebs hatten. Diese Rate sogenannter falsch positiver Befunde lag bei dieser Gruppe bei fast 16 Prozent.

Experte bemängelt Zuverlässigkeit des Tests

Darum sieht Seufferlein bei der Zuverlässigkeit eine Begrenzung der Studie. Bei so einer hohen Falsch-Positiv-Quote bleiben herkömmliche Untersuchungen im MRT oder mit endoskopischem Ultraschall weiterhin notwendig. Es wäre also nichts gewonnen.

Es kann allerdings sein, dass diese Patienten noch ein Pankreaskarzinom entwickeln. Denn für die Studie konnten die Forschenden die Teilnehmenden nur kurze Zeit beobachten. Es ist also noch völlig unklar, wie früh der neue Test Tumore der Bauchspeicheldrüse tatsächlich aufspüren kann. Zwar erkennt der Test auch auffällige Zysten in der Bauchspeicheldrüse, die Fachleute als Vorstufen von Geschwüren bewerten. Allerdings ist die Zuverlässigkeit dann noch deutlich schwächer.

Bei allen Einschränkungen sieht Seufferlein in dem Test dennoch einen großen Schritt nach vorn: „Das ist wirklich eine spannende Studie, die die Biomarkerforschung deutlich beflügeln wird.“ Ohnehin ist der Test nicht für breite Screenings der Allgemeinbevölkerung gedacht. Denkbar wäre ein Einsatz bei Menschen mit deutlich erhöhtem Risiko: etwa bei familiärer Vorbelastung, bestimmten Genveränderungen, chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder den auffälligen Zysten.

Neuer Wirkstoff greift erstmals Krebszellen direkt an

Parallel gibt es Fortschritte bei der Behandlung. Die Aufsichtsbehörden in den USA haben gerade einen neuen Wirkstoff namens Daraxonrasib für den Einsatz bei Menschen mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs zugelassen.

Auch in diesem Medikament sehen Fachleute einen großen Fortschritt. Denn der neue Wirkstoff füllt eine Lücke. Er ist ein sogenannter RAS-Inhibitor. Er hemmt ein Protein, das in etwa 90 Prozent der Tumore verändert ist und die Tumore treibt.

„Das ist die erste Therapie, die wirklich an einer Schlüsselstelle angreift“, sagt Dieter Saur vom Institut für Experimentelle Tumortherapie der Technischen Universität München. Er war nicht an der Entwicklung von Daraxonrasib beteiligt. Bislang können Ärztinnen und Ärzte den Krebs lediglich mit einer Chemotherapie bekämpfen, die aber auch gesunde Zellen im Körper angreift.

Hoffnung mit Einschränkungen

Nach Einschätzung der medizinischen Fachgesellschaften könnte Daraxonrasib künftig einen neuen Standard für Patientinnen und Patienten darstellen, bei denen eine erste Chemotherapie nicht erfolgreich war, wie sie in einer Pressemitteilung schreiben. Auch für andere Krebsarten zeichnet sich eine Wirksamkeit ab.

Doch auch bei Daraxonrasib bleiben Einschränkungen. Bei etwa der Hälfte der Erkrankten ist der Tumor gegen den RAS-Inhibitor resistent. Bei ihnen kann der Wirkstoff nicht eingesetzt werden. Und auch bei geeigneten Tumoren ist der Einsatz nur einige Monate lang möglich. Denn dann sind auch diese Tumore gegen das Medikament resistent.

Zulassung auch in Europa beantragt

Auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA hat der Hersteller die Zulassung für Daraxonrasib beantragt. Saur erwartet eine Zulassung für Europa binnen weniger Monate. Der Gastroenterologe warnt Patientinnen und Patienten aber dringend davor, auf den Wirkstoff zu warten und andere Therapien auszusetzen: „Das Pankreaskarzinom schreitet dann so schnell fort, dass man das wahrscheinlich nicht erleben wird“, sagt Saur.

Und wenn die Zulassung da ist, müssen die Krankenkassen noch mit den Herstellern über den Preis verhandeln. Eines zeichnet sich schon jetzt ab: Daraxonrasib dürfte sehr teuer werden.

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Dr. Heinrich Krämer
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