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Startseite»Nachrichten»Neues Album, anderes Image: Wie Popstar Charli XCX als „Brat“ die Musikwelt aufmischt
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Neues Album, anderes Image: Wie Popstar Charli XCX als „Brat“ die Musikwelt aufmischt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 24, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Neues Album, anderes ImageWie Popstar Charli XCX als „Brat“ die Musikwelt aufmischt

Im Film „The Moment“ nimmt sich Charli XCX ironisch selbst aufs Korn. (Foto: IMAGO/ABACAPRESS)

Sie ist Partygirl, Cineastin und spielt gerne ironisch mit Popstar-Klischees: Jetzt veröffentlicht Charli XCX ihr neues Album „Music, Fashion, Film“. Und zeigt dabei, wie gut sie die Kunst der Selbstinszenierung beherrscht.

Kürzlich sorgte Madonna für Spekulationen unter Fans, als sie auf Instagram schrieb: „If your Dance floor feels dead/ Maybe you’re playing the wrong music“. Auf Deutsch: „Wenn sich deine Tanzfläche tot anfühlt, spielst du vielleicht die falsche Musik“. Sofort waren sich einige sicher: Die Sängerin, die gerade einen Nachfolger ihres gehypten Albums „Confessions on a Dance Floor“ nachgelegt hat, teilt gegen Popstar-Kollegin Charli XCX aus, die zuvor in einem neuen Song den Tod des „Dancefloors“ ausgerufen hatte.

Doch ob Madonna nun wirklich auf die britische Sängerin angespielt hat oder nicht: Charli XCX dürften solche Gerüchte vermutlich sogar in die Karten spielen. Es gibt wohl kaum einen Popstar, der das Spiel von Selbstinszenierung zwischen Internet-Hype, Ironie und künstlerischem Anspruch so beherrscht wie die 33-Jährige.

Mit ihrem 2024 erschienenen Album „Brat“ hat Charli XCX einen Sommer lang die Pop- und Internetkultur geprägt. Gleichzeitig wirkt sie mit ihrer coolen Art manchmal wie ein Anti-Popstar fernab des Hochglanz-Glamours à la Taylor Swift. Sie inszeniert sich als exzessives Partygirl, kommentiert dieses Image aber immer wieder auf einer Meta-Ebene selbst.

Jetzt bringt die Sängerin ihr neues Album „Music, Fashion, Film“ heraus. Passenderweise hat sie auf dem Cover den Musiker John Cale, Designer Marc Jacobs und Regie-Größe Martin Scorsese versammelt, wohl auch als Anspielung auf ihre Interessen fernab der Popmusik. Doch dazu später mehr.

Charli XCX ist Anfang der 2010er-Jahre mit Hits wie „Break the Rules“ und „Boom Clap“ bekannt geworden. Zuletzt stand sie vor allem für einen Mix aus Hyperpop und tanzbarem Electro. Die bislang veröffentlichten Songs aus dem neuen Album klingen dagegen rockiger und lauter mit rauen Gitarren-Sounds.

Charli XCX als das „menschgewordene Internet“

Doch das überrascht nicht. Es reiht sich ein in eine Gewohnheit der Sängerin, ihren Sound neu zu erfinden und so auch die (virale) Diskussion über sich selbst am Laufen zu halten. Der „Spiegel“ schrieb vor zwei Jahren, Charli XCX sei seit dem Anfang ihrer Karriere das „menschgewordene Internet“, sie beherrsche die Kunst, „das Netz ins echte Leben zu übersetzen und für sich zu nutzen“.

Wie sehr das zutrifft, zeigt der Trubel rund um das „Brat“-Album. Kurzer Rückblick: Die Britin, die mit dem Schlagzeuger George Daniel der Band The 1975 verheiratet ist, hatte damals mit dem Titel ihres sechsten Studioalbums einen Trend ausgelöst.

„Brat“ bedeutet so viel wie „Göre“. Die Idee dahinter: Machen, was man will, egal, was andere denken. Eine Art Gegentrend zur übertriebenen „Clean-Girl-Ästhetik“. In einem BBC-Interview sagte sie dazu, man brauche eigentlich nur ein Top ohne BH, ein Feuerzeug und eine Packung Zigaretten, um „Brat“ zu sein.

Der Begriff wurde in ihrer Heimat Großbritannien damals vom Collins Dictionary zum Wort des Jahres gekürt. Das giftgrüne Cover wurde zum Vorbild für Memes und Mode. Sogar das Team um die damalige US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris sprang auf die virale Welle auf.

Natürlich hätte Charli XCX, die mit bürgerlichem Namen Charlotte Emma Aitchison heißt, den „Brat“-Sommer einfach noch weiter laufenlassen oder gar ihr neues Album in der Tradition fortsetzen können. Doch: Stattdessen inszenierte sie das Ende des Hypes gleich selbst. In der selbstironischen Satire „The Moment“, in der sie eine überzeichnete Version von sich selbst spielt – einen Popstar in der Sinnkrise -, erklärte sie „Brat“ dieses Jahr für beendet.

Dem „Rolling Stone“-Magazin sagte sie, es sei für sie kreativ nicht befriedigend, zweimal dasselbe zu machen. „Alle meine Alben spielen mit Gegensätzen“. Sie stünden im Widerspruch zueinander. Genau das sei das verbindende Element. Nun also ein Rockalbum? Obwohl der erste ausgekoppelte Song „Rock Music“ heißt, erklärte sie im „Rolling Stone“-Interview weiter, sie habe nie behauptet, ein Rockalbum zu machen – und dass sie es sehr altmodisch findet, Musik auf Genres festzulegen.

„Ich denke, die Tanzfläche ist tot“

Doch jener Song, der auch Madonnas besagten Instagram-Post inspiriert haben könnte, hat unbestreitbar einen rockigeren Sound mit Drums und verzerrten Gitarren. Das Musikvideo spielt mit Rock-’n‘-Roll-Klischees. Charli XCX wirft zum Beispiel einen Fernseher aus dem Fenster oder steht inmitten von Bergen aus Zigarettenstummeln.

Dort beschwört sie auch das Ende der Tanzfläche: „I think the dance floor is dead/ So now we’re making rock music“ („Ich denke, die Tanzfläche ist tot, also machen wir jetzt Rockmusik“). Dem „Rolling Stone“ sagte sie, die vieldiskutierte Zeile befasse sich sehr viel mit ihrer Beziehung zu „Brat“ und ihrer persönlichen Erfahrung mit dem Album, sei aber nicht als Kritik an Dance-Musik gemeint.

Der Albumtitel „Music, Fashion, Film“ klingt jedenfalls wie eine Art Selbstporträt und beschreibt eigentlich ziemlich treffend das, was die Künstlerin abseits ihrer Musik interessant macht. Sie ist nicht nur eine versierte Songwriterin, die unter anderem Songs für Camila Cabello und Selena Gomez geschrieben hat oder den Soundtrack zum Film „Wuthering Heights“ beisteuerte.

Charli-xcx-and-Madonna-at-the-Saint-Laurent-fashion-show-as-part-of-Paris-Men-s-Spring-Summer-2027-fashion-week-held-at-Bourse-de-Commerce-on-June-23-2026-in-Paris-France
Sieht doch ganz friedlich aus: Charli XCX und Madonna bei der Fashionshow von Saint Laurent in Paris. (Foto: WWD via Getty Images)

Sie ist auch leidenschaftliche Cineastin, etwa ein großer Fan des deutschen Filmemachers Werner Herzog und aktive Nutzerin der Plattform Letterboxd, bei der man Filme bewerten kann. Beim Thema Mode redet sie ebenfalls gerne mit. Ihre eigenwilligen, edgy Outfits sind für viele ein Stil-Vorbild.

Apropos Mode: Die Gerüchte um einen Streit zwischen dem Popstar und Madonna haben sich dann übrigens wieder erledigt. Bei der Modenschau von Saint Laurent bei der Paris Fashion Week saßen die beiden jüngst nebeneinander – und umarmten sich herzlich.

Quelle: ntv.de, Sabrina Szameitat, dpa

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