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Startseite»Nachrichten»NFL: Führt ein Tabubruch zur Zeitenwende im amerikanischen Sport?
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NFL: Führt ein Tabubruch zur Zeitenwende im amerikanischen Sport?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 24, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Wer im amerikanischen Sport das College verlässt und einen professionellen Vertrag unterschreibt, macht einen endgültigen Schritt und kann nicht mehr zurück. Oder doch? Ein NFL-Spieler versucht nun dieses Tabu zu brechen, was einer Revolution gleichkäme.

Dae’Quan Wright war nach vier Jahren am College im NFL Draft 2026 nicht gezogen worden und schloss sich anschließend als Undrafted Free Agent den Cleveland Browns an. Diese haben ihn entlassen, nachdem bekannt wurde, dass er sich im Transfer Portal im College Football angemeldet hat. Der Plan: Er will nun doch wieder ans College zurück und ein fünftes Jahr dort spielen.

Allgemein gilt, dass College-Athleten nur vier Jahre lang an Sportprogrammen teilnehmen und spielen dürfen. Das jedenfalls war die bisherige Regel, die eigentlich auch noch für die neue Saison, die am kommenden Wochenende losgeht, gilt. Ein bahnbrechendes Gerichtsurteil vor wenigen Monaten sorgte nun dafür, dass man sogar fünf reguläre Jahre am College aktiv sein kann. Doch das soll erst im kommenden Jahr in Kraft treten.

Das wiederum fanden einige Spieler der Recruiting-Klasse von 2022 unfair und reichten daher in diversen Bundesstaaten Klagen ein, mit dem Ziel, schon 2026 auch noch ein Extra-Jahr am College spielen zu dürfen. Im Bundesstaat Louisiana klagten 30 Sportler, darunter 16 Footballer – Wright ist einer davon – und ein Richter gewährte den Klägern zunächst mal eine einstweilige Verfügung, während die Klage ihren Lauf nimmt. Wright könnte der erste NFL-Spieler sein, der von dieser Regeländerung Gebrauch machen würde.

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Wright will zur LSU wechseln

Zunächst muss Wright als Spieler in seinem ersten Jahr jedoch die Waiver Wire durchlaufen. Spieler, die weniger als vier angerechnete Jahre in der NFL sind, werden nicht einfach Free Agents, wenn sie entlassen werden. Das heißt nun, dass jedes andere Team einen Waiver Claim für Wright abgeben kann. Tut das niemand, wäre er frei. Und in diesem Fall ginge es dann tatsächlich zurück ans College, wie seine Agenten Drew Rosenhaus und Kyle Lincoln gegenüber Adam Schefter von ESPN bereits bestätigt haben.

„Mann, ist das nicht verdammt verrückt?“, sagte Browns-Head-Coach Todd Monken am Samstag auf die Frage nach Wrights Situation. „Ich weiß nicht einmal, was ich dazu sagen soll.“ Monken ergänzte: „Ich habe mich schon gewundert, warum Lane Kiffin mich vor einer Woche kontaktiert hat – jetzt weiß ich es. Ich habe ihn nicht zurückgerufen. Hätte ich wohl besser tun sollen.“ Monken ergänzte, dass Wright bislang verletzungsbedingt nicht gespielt hat, er stand jedoch am Samstag immerhin erstmals im Spieltagskader in der Preseason gegen Buffalo, auch wenn er nicht eingesetzt wurde.

Konkret will er zur LSU (Louisiana State University). Nicht, weil das seine Alma Mater wäre. Vielmehr ist dort Lane Kiffin seit diesem Jahr der Head Coach. Unter Kiffin spielte Wright, der zunächst zwei Jahre für Virginia Tech gespielt hatte, in den vergangenen zwei Jahren bei OIe Miss (University of Mississippi) Football und hatte 2025 seine beste Saison. Nun will er daran unter Kiffin anknüpfen – und sicherlich mehr Geld abgreifen, als er im kommenden Jahr und womöglich auch über seinen gesamten Rookie-Vertrag hinweg verdient hätte. Wright hätte in dieser Saison als NFL-Spieler 885.000 Dollar verdient und sein Vertrag hatte eine Gesamtsumme von 3,1 Millionen Dollar über drei Jahre. Garantiert und bereits ausgezahlt waren davon aber nur 25.000 Dollar.

Letzteres ist aber auch schon die nächste Hürde für Wright und jeden anderen Spieler in seiner Lage. Laut Regeln der NCAA, also dem Dachverband des Collegesports in den USA, ist es studentischen Athleten untersagt, aus dem Profisport zurück ans College zu gehen, wenn man bereits einen Profivertrag unterschrieben hat und einen Agenten beschäftigt. Der Anwalt der Gruppe der betroffenen Kläger geht jedoch davon aus, dass man dies umgehen kann, wenn der Spieler das an ihn gezahlte Geld wieder zurückzahlt.

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Rechtsgrundlage noch ungeklärt

Wie valide diese Rechtsinterpretation ist, würden im Fall der Fälle wohl weitere Gerichte entscheiden. Nicht weniger kompliziert ist aber auch der Umstand, dass die Conferences unter dem Dach der NCAA im Football noch ihre ganz eigenen Regeln haben. Collegesport im Allgemeinen und College Football im Speziellen muss man sich dieser Tage wie den wilden Westen vorstellen, denn jeder macht irgendwie, was er will und wie es ihm gefällt. Und die hier zuständige Conference, die SEC (Southeastern Conference) hat Regeln, die besagen, dass ein Athlet nur einmal via Transfer Portal zu einer Schule dieser Conference wechseln darf.

Wright hat dies bereits zur Saison 2024 getan, als er zu Ole Miss ging. Wie streng man diese Regel nun auslegen würde, bleibt aber zunächst offen. The Athletic hat dazu auf Nachfrage weder von der NCAA noch der SEC eine Reaktion erhalten. Und ausgestanden ist diese Sache ohnehin noch nicht. Die NCAA hält nämlich an sich herzlich wenig davon, diese Gerichtsbeschlüsse hinzunehmen. Erst am Freitag hat sie vor einem Berufungsgericht eine einstweilige Verfügung zumindest vorübergehend außer Kraft gesetzt, die ein Richter in Colorado erlassen hatte. Dadurch wäre nämlich die komplette High-School-Abschlussklasse von 2022 für ein fünftes College-Jahr in jeglichen Sportarten spielberechtigt gewesen. Beim Fall in Colorado handelte es sich allerdings um eine Sammelkartellklage vor einem Bundesgericht.

Der gesamte Collegesport steht derzeit am Scheideweg. Spätestens seit Gerichte den Sportlern die Möglichkeit eingeräumt haben, für die Vermarktungsrechte am eigenen Namen, Bild und der eigenen Persönlichkeit (NIL) von den Colleges kompensiert zu werden, hat sich das Machtverhältnis enorm verändert. Spieler verdienen nun teilweise in ihren letzten College-Jahren mehr als in diesem Fall in ihren ersten Jahren in der NFL. Das sorgt nun häufiger dafür, dass Spieler lieber länger am College bleiben, anstatt so schnell wie möglich Profis zu werden.

Erschwerend hinzu kommt, dass sich auch die Politik eingemischt hat und den „Protect College Sports Act“ verabschieden will. Der „Protect College Sports Act of 2026“ würde NIL-Vereinbarungen bundesweit regeln: College-Athleten dürften solche Deals grundsätzlich abschließen, müssten Vergütungen über 600 Dollar melden, und Agenten müssten sich registrieren sowie ihre Gebühren auf 5 Prozent begrenzen. Zudem würde der Entwurf die im House-Vergleich vorgesehene Obergrenze für Revenue Sharing dauerhaft gesetzlich verankern, einen einmaligen Transfer ohne Verlust der Spielberechtigung erlauben und unter bestimmten Voraussetzungen gemeinsame Medienrechte-Deals der Colleges kartellrechtlich privilegieren.

Selbst Trump steht hinter Gesetzentwurf

Kritiker sehen dadurch zwar erneut die Rechte von Sportlern beschränkt, aber beide Parteien sind grundsätzlich dafür. Präsident Donald Trump ist ebenfalls Befürworter des Gesetzesentwurfs und Gerüchte besagen, dass er diesen im Erfolgsfall sogar live im TV in der berühmten wöchentlichen ESPN-Sendung „College Gameday“ unterzeichnen wolle.

Für Wright wiederum geht es primär darum, der NFL für den Moment den Rücken zu kehren und noch ein weiteres Jahr am College zu spielen. Es wäre ein Tabubruch und vermutlich der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Mit ihm als Präzedenzfall könnten Spieler, die es nur über Umwege in die NFL schaffen, dann aber doch vor Saisonbeginn wieder entlassen werden, quasi auf zweitem Bildungsweg wieder am College landen. Ein Weg, der bislang schlicht ausgeschlossen war.

Verwendete Quelle: ntv.de

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