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Startseite»Politik»Parlamentswahl in Israel: Geben arabische Frauen den Ausschlag?
Politik

Parlamentswahl in Israel: Geben arabische Frauen den Ausschlag?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 4, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 04.07.2026 • 17:54 Uhr

Im Herbst wird in Israel ein neues Parlament gewählt. Entscheidend könnte dabei die arabische Minderheit sein. Die Wahlbeteiligung arabischer Frauen aber war zuletzt gering. Das könnte sich nun ändern.

Bettina Meier

Fatima Shehade öffnet Töpfe mit hausgemachten Gerichten. Seit zehn Jahren betreibt die arabische Israelin ihren Imbiss „Al Beit Beitak“ in Wadi Nisnas, einem der ältesten Viertel der Hafenstadt Haifa, das arabisch geprägt ist. Im Krieg mit der Hisbollah und Iran blieb die Kundschaft aus. Fatima kocht auf Bestellung und ist froh, dass sie einen Zweitjob hat: Die 37-Jährige arbeitet als Rettungssanitäterin.

Dabei erlebt sie ausufernde Gewalt: „Früher gab es einen Mord pro Tag. Heute sind es drei bis vier pro Tag, manchmal fünf bis sechs. Wenn ich mein Haus verlasse, fühle ich mich nicht sicher. Unsere arabische Gesellschaft ist am Tiefpunkt“, berichtet sie. Sie werde jetzt wählen, weil sie etwas ändern wolle: „Seit dem 7. Oktober haben wir nur Krieg. Diese Regierung muss abtreten. Sie zerstört die arabische, palästinensische und die israelische Gesellschaft.“

Resignation bei arabischer Minderheit

Auf dem Markt in Haifa diskutiert Fatima mit anderen Frauen über die anstehende Wahl. Viele arabische Frauen in Israel wollen nicht wählen, weil sie nicht glauben, etwas verändern zu können, sagt sie. Die Nichtregierungsorganisation Mossawa in Wadi Nisnas, die sich für die Rechte arabisch-palästinensischer Frauen einsetzt, will das ändern.

Der Krieg und die ausufernde Kriminalität in der arabischen Gesellschaft machen den Frauen und ihren Familien zu schaffen, sagt Projektleiterin Lama Nashashibi. Seit Jahresbeginn habe es in Israel 150 Morde in arabischen Gemeinden gegeben, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum, berichtet die Aktivistin besorgt.

Männer bestimmen, wie gewählt wird

„Sie müssen die Frauen zusammenbringen, dass sie sehen: Die macht was, das kann ich auch“, ist sich Nashashibi sicher. Früher habe die arabische Gemeinde eher in Großstädten wie Haifa gewählt. Aber drei Jahre Krieg hätten das Bewusstsein auch in den Dörfern verändert. Das Wahlverhalten dort sei von der Familie geprägt. „Es gibt zwei drei Großfamilien. Die Männer bestimmen, wie gewählt wird“, erklärt Projektleiterin Nashashibi. „Das heißt, ich stimme für X, weil ich damit meinem Cousin einen Gefallen tue. Und die Familien sind sehr groß.“

Entscheidet das Familienoberhaupt, dass nicht gewählt wird, gingen viele Stimmen auf einmal verloren, warnt Nashashibi. Das erkläre, warum die Wahlbeteiligung bei arabischen Frauen in Israel besonders niedrig ist. Nur 40 Prozent hätten bei der letzten Wahl ihre Stimme abgegeben. Die Aktivistin glaubt, dass sie bei der bevorstehenden Wahl ein Zünglein an der Waage sein könnten.

Eine halbe Autostunde von Wadi Nisnas entfernt, in der kleinen Gemeinde Shefa-Amr leben vor allem Muslime. Die Bewohner fühlen sich unsicher, sagt Fatima Baker. Die Mutter von zwei Kindern ist 26 Jahre alt und wirkt resigniert: „Ich habe bei den letzten Wahlen in Israel mitgemacht. Damals versprachen sie uns Frieden und Sicherheit. Jetzt behaupten sie das wieder. Ich glaube das nicht. Ein Einzelner kann nichts ausrichten. Wir sind machtlos. Ich wähle nicht mehr. Trotzdem habe ich noch meinen Traum, dass man in diesem Land in Frieden leben kann.“

Schießereien, Schutzgeld, Bandenkriminalität

Auch hier in Shefa-Amr gibt es Schießereien, die Läden müssten Schutzgeld an Banden zahlen, erzählen Passanten. Auf der Hauptstraße steht ein junges Mädchen. Sie möchte ihren Namen nicht sagen und sagt: „Ehrlich gesagt, stimme ich nicht ab, weil das niemand in meiner Familie interessiert. Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Stimme etwas bewirkt. Andererseits bin ich 18 geworden. Es wäre das erste Mal, dass ich wählen könnte.“

Auch Restaurantbesitzerin Fatima Shehade aus Wadi Nisnas will, dass sich etwas ändert. Sie schrecke jedes Mal auf, wenn ein Motorrad an ihrem Stand vorbeifahre. Viele Banden würden auf diese Weise Anschläge verüben, erzählt sie: „Neulich war ich mit dem Rettungswagen bei einem Tatort, wo drei junge Männer ermordet wurden. Einer lag tot auf dem anderen. Ein Handy klingelte. Die Mutter eines der Jungen sagte am Telefon, das Essen sei fertig. Sie wusste nicht, dass ihr Sohn tot war. Ich denke oft über die Mutter nach. Es hat mich sehr mitgenommen.“

Die Initiative Mossawa will vor der Wahl Opfer von Gewalt in arabischen Gemeinden zusammenbringen, vor allem Frauen ermutigen, darüber zu sprechen. Neulich hätten sich 30 Frauen hier verabredet, gemeinsam wählen zu gehen, um etwas gegen die Kriminalität in ihrer Gemeinde zu tun.

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