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Startseite»Nachrichten»Polen treibt „Ostschild“ voran: Bundeswehr baut Panzersperren an Grenze zu Kaliningrad
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Polen treibt „Ostschild“ voran: Bundeswehr baut Panzersperren an Grenze zu Kaliningrad

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 23, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Polen treibt „Ostschild“ voranBundeswehr baut Panzersperren an Grenze zu Kaliningrad

Für den Grenzschutz arbeiten die Bundeswehr und die polnische Armee eng zusammen. (Foto: picture alliance/dpa)

Als Reaktion auf Russlands Angriff auf die Ukraine startet Polen das Großprojekt „Ostschild“ und stärkt seine Grenzen zu Russland und Belarus. Seit fünf Wochen unterstützen auch Bundeswehr-Soldaten das Vorhaben. Doch ihr Einsatz ist heikel.

Militärlastwagen rollen über schmale Straßen zwischen Feldern und stillen Dörfern. Am Rand einer regennassen Fläche stehen Reihen massiver Betonhindernisse. Nur wenige Kilometer entfernt beginnt die russische Exklave Kaliningrad. Hier, nahe der Ortschaft Budry, in diesem früheren Sumpfgebiet im Nordosten Polens, befestigen polnische und deutsche Soldaten gemeinsam die Nato-Ostflanke, die Grenze des Bündnisgebiets zu Russland und Belarus.

Seit rund fünf Wochen graben Pioniere der Bundeswehr und der polnischen Streitkräfte Gräben, verlegen Stacheldraht und setzen Panzersperren in die Landschaft. „Heute, genau jetzt, ist es an der Zeit, diese Lücken zu schließen“, sagt vor Ort der deutsche Major Martin, dessen Nachname ungenannt bleiben soll. Bundeswehr-Soldat Jakob spricht von einer „riesigen logistischen Herausforderung“.

Für die Bundeswehr ist die Beteiligung am polnischen Verteidigungseinsatz namens „Ostschild“ inzwischen eine offizielle Mission. Der „Ostschild“ soll die 210 Kilometer lange Grenze zu Russland und die 418 Kilometer lange Grenze zu Belarus mit einem mehrschichtigen System sichern: Befestigungen und Materialdepots gehören ebenso dazu wie klassische, elektronische und satellitengestützte Aufklärung sowie Drohnenabwehr.

Polen erhöht Verteidigungsausgaben

Polen hatte das Großprojekt 2024 als Reaktion auf Russlands Krieg gegen die Ukraine gestartet. Umgerechnet rund zehn Milliarden Euro sind dafür nach Angaben des polnischen Verteidigungsministeriums vorgesehen. Insgesamt gibt Warschau mittlerweile etwa fünf Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Verteidigung aus.

Die Bundeswehr trägt mit Pionierarbeiten im Norden Polens und im strategisch wichtigen Suwalki-Korridor bei: dem schmalen Landstrich, der Polen und die baltischen Nato-Staaten verbindet. Das Gebiet ist eingeklemmt zwischen der russischen Exklave Kaliningrad auf der einen Seite und dem Staatsgebiet von Russlands Verbündetem Belarus auf der anderen.

Der Suwalki-Korridor ist daher die Gegend, in der Russland nach Einschätzung der Nato mit hoher Wahrscheinlichkeit einen möglichen Angriff auf das Gebiet des Verteidigungsbündnisses starten würde.

Nach Bundeswehr-Angaben bauen deutsche Soldaten gemeinsam mit polnischen Kräften Panzerabwehrgräben, Draht- und Bausperren, Feldbefestigungen und Kampfstände. Die Kontingentführung der deutschen Pioniere traf im Juni ein, die Hauptkräfte folgten Anfang Juli.

Bundeswehreinsatz bis Oktober

Schon im Dezember 2025 hatte das Bundesverteidigungsministerium eine mittlere zweistellige Zahl Soldatinnen und Soldaten für den „Ostschild“ angekündigt. Damals hieß es, ein Bundestagsmandat sei nicht nötig, weil es sich nicht um einen bewaffneten Auslandseinsatz im Sinne des Parlamentsbeteiligungsgesetzes handle. Die laufende Unterstützungsphase ist nach Bundeswehr-Angaben zunächst bis Oktober vorgesehen und kann verlängert werden.

Wie konkret sich Polen inzwischen auf einen möglichen Angriff vorbereitet, zeigen nicht nur die tausenden Betonhindernisse gegen gepanzerte Fahrzeuge an der Grenze Richtung Kaliningrad. Warschau beschafft zudem mehrere hunderttausend Minen. Die polnischen Streitkräfte könnten im Verteidigungsfall binnen 48 Stunden die gesamte Ost- und Nordgrenze verminen, sagt Vize-Verteidigungsminister Cezary Tomczyk.

In Budry grasen Kühe und Pferde auf den hügeligen Wiesen. Unweit von hier sind russische Kampfflugzeuge und Iskander-Raketen stationiert, die Ziele in Europa erreichen können. Vor dem russischen Großangriff auf die Ukraine 2022 schätzten Militärexperten die in der Region Kaliningrad stationierten russischen Kräfte auf 20.000 bis 30.000 Soldaten. Mit größter Sorge blickt Polen angesichts all dessen nach Russland.

Warschau und Berlin setzen auf Zusammenarbeit

Doch auch die Präsenz deutscher Soldaten bleibt im Land heikel. Ganz besonders hier, mitten in der ehemals deutschen Region Ostpreußen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgeteilt wurde zwischen Polen und der damaligen Sowjetunion. Erst 1990 wurde mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag im Zuge der deutschen Wiedervereinigung endgültig festgeschrieben, dass Deutschland keinerlei Gebietsansprüche auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete erhebt – und damit auch nicht auf Ostpreußen.

Besonders nationalkonservative Kräfte in Polen sehen deutsche Soldaten auf polnischem Boden bis heute kritisch, knapp 87 Jahre nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen.

Die Regierungen in Warschau und Berlin setzen trotzdem demonstrativ auf militärische Zusammenarbeit. Im Juni vereinbarten beide Länder eine engere Kooperation unter anderem bei Logistik, Sicherung der Ostsee und Cyberabwehr. Ab Oktober sollen auch französische, britische und US-Kräfte bei der Sicherung der polnischen Ostgrenze helfen. „Deutschland und Polen – wir sind Nato, wir sind Freunde und wir sind Verbündete“, sagt Bundeswehr-Generalmajor Tilo Maedler.

Quelle: ntv.de, Von Katarzyna Skiba, AFP

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