In Stockholm sind die Preisträger des Right-Livelihood-Award bekanntgegeben worden – oft auch Alternativer Nobelpreis genannt. Die Auszeichnung geht in diesem Jahr ausschließlich an Frauen und von Frauen geführte Organisationen.
Seit in Georgien 2024 die populistische Partei „Georgischer Traum“ mit absoluter Mehrheit die Parlamentswahl gewann, gleitet das Land zunehmend in autokratische Strukturen ab. Medienschaffende werden an ihrer Arbeit gehindert, NGOs als Staatsfeinde stigmatisiert. Doch die Georgian Young Lawyers‘ Association lasse sich nicht einschüchtern, unterstreicht ihre Vorsitzende Tamar Oniani. „Sich in Georgien für Gerechtigkeit einzusetzen, bedeutet, für unser Land zu kämpfen. Wir sind eine Menschenrechtsorganisation. Wir stehen Menschen zur Seite, wenn ihre Rechte bedroht sind. Wir nutzen das Recht, um ihre Freiheit, ihre Würde, ihre Stimme zu schützen.“
Für diese Arbeit wird die georgische Organisation in diesem Jahr mit einem von vier Right Livelihood Awards ausgezeichnet. Der Preis wird seit mehr als 40 Jahren von einer schwedischen Stiftung an Menschen vergeben, die sich für Umweltschutz, Frieden und Menschenrechte stark machen.
Für den Geschäftsführer der Stiftung, Ole von Uexküll, steht die Georgian Young Lawyers‘ Association stellvertretend für eine Situation, die derzeit viele Länder auf der Welt erleben. „Sie leisten kostenlose Rechtshilfe für die Menschen. In den letzten 30 Jahren in 1,5 Millionen Fällen, bei einer Bevölkerung von 3,7 Millionen Menschen. Sie sind ein Rückgrat der Demokratie in Georgien. Vor allem jetzt, wo das Land mit großen Schritten in Richtung Autokratie geht.“
Zwei weitere Preisträgerinnen und eine weitere von Frauen geführte Organisation hat die Right-Livelihood-Stiftung in diesem Jahr ausgewählt. Dass keine Männer unter den Preisträgern sind, sei keine bewusste Entscheidung der Jury gewesen, sagt von Uexküll. „An den Nominierungen, die wir aus der ganzen Welt erhalten, lässt sich erkennen, dass sehr viele Frauen wichtige Arbeit für Gerechtigkeitsfragen leisten. Daher ist es nur natürlich, dass es in diesem Jahr nur Frauen und frauengeführte Organisationen sind.“
Seit der umstrittenen Parlamentswahl 2024 kämpfen Bürger und NGO in Georgien für den Erhalt der Meinungsfreiheit und für eine engere Anbindung an die EU.
Aufmerksamkeit für Probleme durch KI
Die Menschenrechtsanwältin Jalila Haider aus der ethnischen Minderheit der Hazara wird für ihren Einsatz für die Menschenrechte in Pakistan geehrt. „Sie setzt sich gegen Diskriminierung und Unterdrückung ein, unter denen viele Minderheiten im Land leiden und denen sie auch selbst ausgesetzt war“, erläutert von Uexküll.
Ein weiterer Award geht an die Organisation Rural Women’s Assembly, eine Bewegung von mehr als 178.000 Kleinbäuerinnen aus elf Ländern im südlichen Afrika. Auch eine in Äthiopien geborene Informatikerin aus den USA wird mit einem Right Livelihood Award ausgezeichnet.
Die Jury habe sich für Timnit Gebru entschieden, sagt von Uexküll, „weil sie eine äußerst prominente Kritikerin der Machtverhältnisse hinter der KI-Entwicklung ist, die wir gerade erleben. Sie hat schon früh die Probleme der großen Sprachmodelle kritisiert, zum Beispiel die Umweltzerstörung, die sie verursachen und die Vorurteile, die sie reproduzieren.“
„Dafür sorgen, dass die eigene Stimme zählt“
Alle Preisträgerinnen hätten eines gemeinsam, sagt der Geschäftsführer der Right-Livelihood-Stiftung. Sie bauten Macht von unten auf – ein Schlüssel zur Lösung globaler Krisen. „Denn die allermeisten Menschen wollen keinen Klimawandel, keinen Demokratieabbau, keine unkontrollierten KI-Systeme. Doch die meisten sehen keine Möglichkeit, diese gefährlichen Trends zu beeinflussen. Zu zeigen, wie sich Menschen gemeinsam organisieren können und dafür sorgen, dass die eigene Stimme zählt, ist unglaublich wirkungsvoll.“
Und ganz im Sinne des Right Livelihood Awards. Gestiftet hat den Preis 1980 der deutsch-schwedische Publizist Jakob von Uexküll. Er wollte ihn eigentlich im Rahmen der Nobelpreise vergeben. Das ließ die Nobelstiftung aber nicht zu – deshalb wird der Preis im deutschsprachigen Raum auch Alternativer Nobelpreis genannt.

