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Startseite»Politik»Proteste in Indien: Modi hat ein „Kakerlaken“-Problem
Politik

Proteste in Indien: Modi hat ein „Kakerlaken“-Problem

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 22, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.07.2026 • 12:52 Uhr

Was als Internet-Meme begann, hat sich in Indien zu einer großen Protestbewegung entwickelt. Die „Kakerlaken“ erhöhen weiter den Druck auf die Regierung Modi – und bekommen inzwischen Rückendeckung aus der Opposition.

Franziska Amler

Die Bilder laufen nonstop im indischen Fernsehen: Demonstranten auf den Straßen von Neu-Delhi, Polizei im Einsatz, chaotische Szenen. Zwei Tage nach den heftigen Zusammenstößen in Indiens Hauptstadt geht es jetzt um die Deutungshoheit: Die Fernsehmoderatorin spricht sogar von einem Krieg der Versionen.

Auch Alexander Balakrishnan war dabei. Der Content Creator berichtet von dramatischen Szenen: „Die Polizei war schrecklich. Sie hat uns mit Schlagstöcken angegriffen.“ Er habe über einen Zaun springen und sich hinter Büschen verstecken müssen, erzählt der 26-Jährige. „Das sind Dinge, die ich als friedlicher Demonstrant eigentlich nicht tun müssen sollte. Wir alle, die friedlich protestieren, sollten überhaupt keiner Gewalt ausgesetzt sein.“

Skandale im Bildungssystem

Mit ihrem Marsch zum Parlament wollten Tausende – vor allem junge Demonstrierende – den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan fordern. Hintergrund sind mehrere Skandale bei Prüfungen, die das Vertrauen junger Menschen in das indische Bildungssystem erschüttert haben. So mussten zum Beispiel mehr als zwei Millionen angehende Medizinstudierende eine Aufnahmeprüfung wiederholen, weil Aufgaben zuvor durchgesickert waren. Dieser und weitere Skandale hatten eine Reihe von Suiziden ausgelöst.

Die Polizei, die die Kundgebung nach eigenen Angaben nicht genehmigt hatte, setzte neben Schlagstöcken Tränengas ein. Das ist auf zahlreichen Videos zu sehen. Beide Seiten sprechen von vielen Verletzten.

Hinter den Protesten steht die sogenannte Kakerlaken-Volkspartei, kurz CJP. Was als Internet-Meme begann, ist inzwischen zu einer großen Protestbewegung geworden. Seit Wochen campieren Demonstranten mitten im Regierungsviertel. Der ungewöhnliche Name geht auf eine Aussage von Indiens oberstem Richter zurück, der mit einem Vergleich junger Arbeitsloser mit Kakerlaken landesweit für Empörung sorgte.

Der Name der Bewegung geht auf eine umstrittene Aussage von Indiens oberstem Richter zurück.

Rückendeckung aus der Opposition

Rückendeckung bekommen die Demonstrierenden inzwischen auch von der Opposition. Oppositionsführer Rahul Gandhi und Mitglieder seiner Kongresspartei protestierten gestern mit einer Sitzblockade vor der Residenz von Premierminister Narendra Modi gegen den Polizeieinsatz. Sie wurden nach einigen Stunden von der Polizei abgeführt.

Gandhi, der inzwischen auch den Rücktritt Modis fordert, sagte anschließend in einem Video:

Warum bricht das indische Bildungssystem zusammen? Warum werden Prüfungsunterlagen geleakt? Warum ist Bildung in Indien so teuer, dass Familien sich finanziell ruinieren müssen, um ihren Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen? Das sind berechtigte Fragen.

Bislang hielt sich die Regierung weitgehend zurück. Modi kündigte inzwischen aber an, dass strenge Maßnahmen ergriffen werden, um das Prüfungssystem sicherer zu machen.

„Gekommen, um zu bleiben“

Kakerlaken gelten bekanntlich als extrem robust: Sie lassen sich nur schwer verdrängen oder ausrotten, heißt es. Und so will auch die regierungskritische „Kakerlaken“-Bewegung weitermachen. Weitere Märsche werde es jedoch – mit Blick auf die zahlreichen Verletzten – nicht geben.

Dass sie so schnell nicht aufgeben wollen, hatte ihr Gründer, Abhijeet Dipke, bereits vor Wochen in einem Interview mit dem ARD-Studio Neu-Delhi deutlich gemacht: „Das hier ist ein langer Kampf. Wir sind gekommen, um langfristig zu bleiben, denn der Rücktritt des Bildungsministers ist erst der Anfang.“ Eines der größten Probleme in Indien sei die gesellschaftliche Spaltung und die kommunale Politik. Weitere zentrale Probleme seien Arbeitslosigkeit und das Bildungssystem. Indien brauche einen gesellschaftlichen Wandel.

Auch für Content Creator Alexander Balakrishnan geht es längst um mehr als Prüfungen und Bildungspolitik. Er stellt sich zunehmend die Frage, wie viel Raum Protest in Indien noch hat. Er mache sich Sorgen um die Zukunft der Demokratie in Indien. „Dieses Land wird weiterbestehen, aber wird auch die Demokratie in diesem Land überleben? Wer weiß.“

Ob die Bewegung weiterhin standhalten kann, ist offen. Für die Regierung von Premierminister Narendra Modi sind die „Kakerlaken“ bereits jetzt ein Problem.

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Dr. Heinrich Krämer
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