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Startseite»Politik»Spanien: Vorfreude auf Sonnenfinsternis, Angst vor Waldbränden
Politik

Spanien: Vorfreude auf Sonnenfinsternis, Angst vor Waldbränden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 10, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 10.08.2026 • 18:41 Uhr

Über weiten Teilen Spaniens ist am Mittwoch die totale Sonnenfinsternis zu sehen. Einheimische und Urlauber wollen sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Wegen der Waldbrände gelten strenge Regeln. Nach Mallorca wurde sogar die Armee geschickt.

Spanien bereitet sich auf ein Jahrhundertereignis vor: Am Mittwoch lässt sich von dort aus die totale Sonnenfinsternis beobachten, bei der sich der Mond vor die Sonne schiebt.

Das Himmelsspektakel sorgt für einen Touristenboom: Hunderttausende Menschen dürften zusätzlich zu Millionen Urlaubern nach Spanien gelockt werden. Die Sonnenfinsternis dauert zwar je nach Standort nur rund eine Minute – für Hotels, Restaurants und andere kleine Betriebe in Spaniens Hinterland könnte sie sich jedoch als Goldgrube erweisen.

Touristenansturm und Mondpreise

Quer durch Nordspanien bis zu den Balearen – in der sogenannten Totalitätszone, wo die Finsternis total ist – herrscht bereits Ausnahmezustand. Hotels sind vielerorts ausgebucht, die wenigen verbliebenen Zimmer kosten oft ein Vielfaches der üblichen Saisonpreise im August.

Privatleute bieten Dachterrassen oder Gärten mit freier Sicht auf den Abendhimmel an. Für besonders begehrte Balkone werden nach Medienberichten bis zu 700 Euro verlangt.

Reiseveranstalter sprechen von einer Nachfrage, wie sie sonst nur bei internationalen Großereignissen zu beobachten ist. Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens AFI wird das astronomische Ereignis 421 Millionen Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung bringen. Rund 327.000 Menschen werden demnach eigens wegen des Naturschauspiels zur Totalitätszone reisen, geschätzte 80 Prozent davon aus dem Ausland.

Die größten Gewinner werden mehrheitlich Gegenden sein, die nicht im Fokus der Urlauber stehen. Es ist die sogenannte „España vaciada“ – die dünn besiedelten und von Landflucht geprägten Regionen im Landesinneren.

Campingplätze und Unterkünfte in der Gegend meldeten bereits Monate vor dem Ereignis ausgebuchte Kapazitäten. Auch kleinere Provinz-Hauptstädte wie León oder Burgos profitieren von dem Boom. Nach Angaben von AFI stiegen die Hotelbuchungen in kleineren Städten entlang der Finsternisroute gegenüber dem Vorjahr um 383 Prozent.

Schaulustige sollen offizielle Aussichtspunkte nutzen

Die offiziellen Beobachtungspunkte dienen auch dazu, die Gefahr von Waldbränden einzudämmen. Und diese Gefahr ist extrem, wie die verheerenden Waldbrände der vergangenen Wochen gezeigt haben.

Zehntausende Menschen, die in knochentrockene Naturregionen pilgern, könnten unbeabsichtigt neue Brände auslösen, die sich blitzschnell ausbreiten. Für Besucher, die sich in der Region nicht gut auskennen, kann es dann schwierig werden, sich in der Dunkelheit in Sicherheit zu bringen.

Eine besondere Herausforderungen werden die Autokolonnen sein, die sich am Mittwoch voraussichtlich insbesondere aus Madrid aber auch Barcelona herausbewegen werden. In den beiden Städten ist die totale Sonnenfinsternis kaum bzw. gar nicht zu sehen.

Die Behörden appellieren ausdrücklich, nicht irgendwohin zu fahren, sondern aus den fast Hunderten offiziellen Beobachtungsorten einen auszuwählen. Dort gebe es gute Zufahrtswege, Evakuierungsrouten, Parkplätze und medizinische Versorgung.

Militär auf Mallorca

Die staatliche Wetterbehörde AEMET warnt momentan in weiten Teilen Spaniens vor sehr hoher oder extremer Waldbrandgefahr. Die Behörden haben deshalb Konsequenzen gezogen, Konzerte und andere Großevents rund um die Sonnenfinsternis abgesagt. Einige Gegenden etwa in Naturparks sind für Mittwoch komplett gesperrt.

Ein großer Ansturm wird auch auf den Balearen erwartet. Auch dort ist die totale Sonnenfinsternis zu sehen und auch dort herrscht Brandgefahr. Deshalb kommt auf den Inseln die Armee zum Einsatz, um zu überwachen, dass sich die Menschen an die Vorschriften halten.

Partielle Sonnenfinsternis über Deutschland

In Deutschland wird die Sonnenfinsternis nur partiell sichtbar sein. Je nach Region wird die Sonne zwischen 19:11 Uhr und 20:17 Uhr bis zu 90 Prozent vom Mond verdeckt. Bei der Sonnenfinsternis und beim Sternschnuppenstrom wird es in weiten Teilen Deutschlands eine gute Sicht geben.

In der Nordwesthälfte Deutschlands, also in Nordrhein-Westfalen sowie in Niedersachsen, werden am Mittwoch höhere Wolkenfelder aufziehen. Bei der Sonnenfinsternis stören werden diese aber wahrscheinlich nicht, sagte Nils Damke, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Der Rest von Deutschland kann bei wolkenfreiem Himmel das Schauspiel beobachten. Es endet mit dem Sonnenuntergang.

Nur wenige Stunden später folgt der nächste Höhepunkt: Die Perseiden, ein Sternschnuppenstrom, hat sein Maximum ab etwa 23 Uhr. Während im äußersten Norden Wolken den Blick auf die Sternschnuppen versperren können, ist der Himmel im Rest von Deutschland wolkenlos. Auch hier sieht Meteorologe Damke „sehr, sehr gute Chancen, was das Wetter angeht.“

Mit Informationen von Christian Sachsinger, ARD Madrid, und dpa

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