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Startseite»Politik»Terrormiliz: „Der IS setzt auf das Scheitern Syriens“
Politik

Terrormiliz: „Der IS setzt auf das Scheitern Syriens“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 30, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.07.2026 • 11:37 Uhr

Der mutmaßliche Attentäter von Berlin wollte sich 2025 offenbar dem sogenannten Islamischen Staat in Syrien anschließen. Dort und im Irak kämpft die Terrormiliz nach wie vor. Wie stark ist sie aber in der Region noch?

Nina Amin

Zwölf Jahre ist es her, da rief Abu Bakr al-Baghdadi im irakischen Mossul ein Kalifat aus. Der sogenannte Islamische Staat (IS) hatte den Höhepunkt seiner Macht erreicht.

Mehrere Jahre kontrollierte der IS ein großes Gebiet in Syrien und dem Irak. Zigtausende Kämpfer, viele auch aus dem westlichen Ausland, reisten ein. Es folgten grausame Verbrechen an der Zivilbevölkerung, an Andersgläubigen durch die Dschihadisten, Massenmorde an Jesiden und Jesidinnen im Nordirak.

Das selbsternannte Kalifat ist inzwischen Geschichte. Der „Islamische Staat“ ist noch da. „Sie sind präsent, sowohl in Syrien als auch im Irak und im Libanon, aber sie operieren verdeckt“, sagt Hassan Abu Haneyeh im Interview mit der ARD. Der Jordanier forscht seit Jahren zu islamistischen Gruppierungen in der Region. Die Miliz aktiviere für bestimmte Operationen einzelne Zellen im Land.

UN-Schätzungen gehen von bis zu 5000 IS-Kämpfern in Irak und Syrien aus. Der ägyptische Experte Hisham El Naggar meint: „Dadurch ist der IS in der Lage, einen langwierigen Zermürbungskrieg zu führen. Sie können jedoch nicht mehr dauerhaft die Kontrolle über große Städte ausüben.“

Bomben-Explosionen bei Macron Besuch in Damaskus

In Syrien hat Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa, der selbst eine dschihadistische Vergangenheit hat, dem IS den Kampf angesagt. Scharaa präsentiert nach Außen ein stabiles Syrien. Aber es kommt immer wieder zu Anschlägen, zuletzt Anfang dieses Monats.

Explosionen überschatteten den ersten Besuch eines Staatschefs aus der EU in Damaskus. In der Nähe des Hotels, in dem der französische Präsident Emmanuel Macron übernachtet hatte, explodierten Bomben.

Scharaa sagte kurz darauf: „Sicherlich gibt in Syrien viele Menschen, denen der Erfolg des Staates ein Dorn im Auge ist. Aber für sie wird es eng. Die Ermittlungen laufen derzeit, und ich glaube, dass die Verantwortlichen für diese abscheuliche kriminelle Tat bald festgenommen werden.“

Schnell machte die syrische Regierung den IS für die Taten verantwortlich. Bekannt hat sich die Terrormiliz dazu nicht.

Nachwuchs aus geräumte Lager Al-Hol?

Terror-Experte Abu Haneyeh sagt, der Islamische Staat ordne sich gerade neu. Mit Blick auf die Spannungen im Land zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen warte die Miliz auf den richtigen Moment: „Der IS setzt auf das Scheitern. Er erkennt, dass sich durch die explosive Mischung innerhalb Syriens zusammen mit der Instabilität in der Region infolge des amerikanisch-israelisch-iranischen Konflikts eine Chance bietet.“

Anfang des Jahres wurde das berüchtigte Lager Al-Hol im Nordosten Syriens aufgelöst. Jahrelang waren dort Familienangehörige von IS-Kämpfern unter sehr schwierigen humanitären Bedingungen eingesperrt, ohne verurteilt zu sein, vor allem viele Frauen und Kinder.

Berichten zufolge sollen bei der Auflösung von Al-Hol Tausende das Lager ohne Kontrolle verlassen haben. Ein Erfolg, den der IS feiere, meinen Beobachter vom International Center for Counter-Terrorism in Den Haag. Und der ihnen weiteren Nachwuchs beschere.

Sehr aktiv im Internet

Und wie sieht es mit dem Zulauf von außen aus? Junge, oft radikalisierte Männer, ziehen weiter nach Syrien, um sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen. Abu Haneyeh hält den IS für „ein Phänomen, das mehr mit der Moderne und Technologie verbunden ist als mit Tradition“.

Er experimentiere im Netz mit Künstlicher Intelligenz und passe sich ständig an die veränderten Sicherheitsmaßnahmen an.

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Dr. Heinrich Krämer
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