Trotz BesucherschwundTeure Tickets lassen US-Kinokassen klingeln
Die US-Kinoindustrie boomt mit Blockbustern wie „Odyssey“ und „Spider-Man“. Sie spülen Milliarden Dollar in die Kassen, aber machen die Branche auch abhängig. Davon profitieren besonders fünf große Studios. Parallel dazu schwinden die Zuschauer.
Angeführt von Blockbustern wie „Spider-Man, „Brand New Day“ und „The Odyssey“ steuert die US-Kinoindustrie auf ihr umsatzstärkstes Jahr seit der Corona-Pandemie zu. Die Einnahmen an den Kinokassen lagen bis Anfang August bei 6,2 Milliarden Dollar und damit 15 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Dieser Erfolg ist jedoch trügerisch. Er wird nicht von einer breiten Rückkehr der Zuschauer getragen, sondern von deutlich höheren Ticketpreisen, Premium-Formaten und einer Handvoll überaus erfolgreicher Filme. Das Geschäftsmodell der Branche wandelt sich fundamental: weg vom Massenmedium, hin zum teuren Premium-Event für eine schrumpfende Zahl von Besuchern.
Die Zahlen belegen diesen Wandel eindrücklich. Während die Einnahmen steigen, ist die Zahl der verkauften Eintrittskarten drastisch gesunken. In den ersten 30 Wochen des Jahres wurden S&P Global Market Intelligence zufolge schätzungsweise 470,9 Millionen Tickets verkauft. Im gleichen Zeitraum 2019, vor der Pandemie, waren es noch 747,3 Millionen.
„Das Umsatzwachstum der Kinobetreiber wird schon seit langem hauptsächlich durch die Erhöhung der durchschnittlichen Ticket- und Konzessionspreise angetrieben“, sagte Analyst Wade Holden von S&P. Daten des Marktforschers Placer.ai, der die Besucherfrequenzen misst, bestätigen diesen Trend. Die Besucherzahlen liegen zwar 8,1 Prozent über dem Vorjahr, aber immer noch 27 Prozent unter dem Niveau von 2019.
Fünf US-Studios vereinen Einnahmen
Die Kinoketten reagieren damit auf ein verändertes Zuschauerverhalten, das durch die Pandemie beschleunigt wurde. Viele Kinogänger reservieren den Kinobesuch nur noch für große „Event-Filme“, während sie andere Inhalte zu Hause streamen. Die Betreiber investieren daher in Premium-Großbildformate wie Imax und ein aufgewertetes Kinoerlebnis, um Preise zu rechtfertigen, die deutlich über dem Durchschnitt liegen.
Laut der Analysefirma EntTelligence kostete ein durchschnittliches Kinoticket für Erwachsene bis Ende Juli 13,46 Dollar, während für Premium-Formate im Schnitt 18,22 Dollar verlangt wurden. Dieser Fokus auf das Hochpreissegment scheint sich für die Betreiber auszuzahlen. Die weltgrößte Kinokette AMC meldete dank der starken Nachfrage nach Premium-Vorführungen kürzlich das umsatzstärkste Wochenende ihrer 106-jährigen Geschichte.
Diese Strategie hat jedoch zur Folge, dass sich der Erfolg auf immer weniger Filme und Studios konzentriert. Titel wie „The Odyssey“ und „The Super Mario Galaxy Movie“ spülen zwar Milliarden in die Kassen, machen die Branche aber auch extrem abhängig von einzelnen Blockbustern. Fünf große Studios – Universal, Walt Disney, Sony, Warner Bros und Paramount Pictures – vereinten in diesem Jahr 68 Prozent der nationalen Einnahmen auf sich. Diese Konzentration ruft bereits die Wettbewerbshüter auf den Plan. So haben Kalifornien und elf weitere Bundesstaaten Klage eingereicht, um die geplante 110-Milliarden-Dollar-Übernahme von Warner Bros Discovery durch Paramount Skydance zu blockieren. Für die Kinobranche bedeutet das neue Modell ein riskantes Spiel. Der Erfolg ist größer, aber er steht auf einem schmaleren und fragileren Fundament.
