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Unbezahlbares Ungetüm: Den Mercedes 540K zu zähmen, ist eine Challenge – aber er macht Spaß 

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 22, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Unbezahlbares UngetümDen Mercedes 540K zu zähmen, ist eine Challenge – aber er macht Spaß 

22.08.2026, 11:15 Uhr Von Patrick Broich, Pebble Beach
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Drei markante Scheinwerfer lassen den Entwicklungs-Autobahnkurier unter der Menge hervorstechen. Kaufen kann man dieses werkseigene Exemplar nicht. (Foto: Mercedes)

Vorkriegsautos sind laut, schwierig zu zähmen und wartungsintensiv? Nicht zwingend. Definitiv aber ist der Mercedes 540K obendrein noch betörend, wahnsinnig schön und relativ beherrschbar. Schade, dass dieser Autobahnkurier unverkäuflich ist. 

Wie startet man seine Geschichte am besten, wenn es um den Mercedes 540K geht? In diesem Falle sogar um den Autobahnkurier. Sie können, falls der Titel jetzt Lust auf mehr geweckt haben sollte, gerne nach 540K-Annoncen schauen und werden sogar angebotene W29-Exemplare (so heißt die Baureihe intern) finden zu Millionenpreisen. Aber nicht unseren im Rahmen der Monterey Car Week bewegten Mercedes-Entwicklungswagen. Doch das nur am Rande. Die Idee des W29 ist ja insgesamt größer; ein Auto aus den Mittdreißigern des letzten Jahrhunderts, das trotz gewaltiger Erscheinung selbst bei höheren Geschwindigkeiten irgendwie auf der Straße zu halten ist – das muss man erst einmal schaffen. Das war schon Ingenieurkunst pur. 

Schon der erste Rundgang um den riesigen Entwicklungs-Autobahnkurier ist Respekt einflößend. Wie lang mag er sein? Fünf Meter plus vielleicht. Wie schwer ist er? Rund drei Tonnen, erklärt die Expertenabteilung von Mercedes Classic. Und, sehr schwierig zu fahren? Hat ntv.de ausprobiert. Erst mal mit den zierlichen Griffen die gefühlt gepanzerte Tür aufziehen – sie ist an der B-Säule angeschlagen. Dann hineinschwingen in die ziemlich genau 90 Jahre alte Fahrgastkabine. Allerdings wurde dieses Exemplar vor etwa zwölf Jahren aufwendig restauriert. Man sitzt gefühlt in einem Neuwagen. Zündung ein, Knopf gedrückt. Dann erwacht der mächtige Reihenachtzylinder mit 5,4 Litern Hubraum. Er ist schon optisch eine machtvolle Erscheinung, klanglich ebenfalls. Gut, jetzt kurz innehalten und überlegen. Vier Gänge insgesamt, der vierte ist allerdings mit „S“ deklariert auf dem Schalthebel. Schnellgang. Ist klar – Autobahnkurier.

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Hier manifestiert sich die Kunst des Instrumentenbaus. (Foto: Mercedes)

Gänge flutschen halbwegs leichtgängig 

Dann lass uns mal loslegen, erster Gang rein, langsam einkuppeln, läuft. Ein bisschen anrollen, dann schnell die zweite Übersetzung nachlegen. Beim Hochschalten ruhig doppelt kuppeln, Zwischengas ist nicht erforderlich – bis auf den ersten Gang ist das Getriebe synchronisiert. Ein bisschen Drehzahlanpassung beim Herunterschalten schadet natürlich dennoch nicht. Doch fast noch spannender ist das, was zwischen dem Schalten passiert. Nämlich dann, wenn sich die maximal 431 Newtonmeter des sogenannten M24-II-Motors gegen die Luft- und Rollwiderstand stemmen. Der Wert klingt im Jahr 2026 eigentlich unspektakulär – aber vor 90 Jahren war das irre. Und er fühlt sich immer noch mächtig an. Weil die Menge an Hubraum gewaltig ist und weil der Drehzahlmesser (ja, der Fünfvierzig hat tatsächlich einen) bei etwas mehr als 4000 Touren endet – da passt der alte Spruch „in der Ruhe liegt die Kraft“ perfekt. 

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Monster unter der Motorhaube. Der 5,4 Liter große Reihenachtzylinder leistet dank Kompressoraufladung 180 PS. (Foto: Mercedes)

Aber dann reizt mich eine spezielle Sache, von der ich weiß, dass sie existiert. Das Aktivieren des Kompressors per Kickdownschalter. Wenn ich das Gaspedal also über den Anschlag hinaus noch fester drücke, werden aus braven 115 PS im Normalbetrieb plötzlich die 180 PS Maximalleistung. Und dann bollert der Riesenmotor nicht nur intensiv, sondern heult auch noch markant. Klingt insgesamt schon infernalisch und sorgt für moderaten Druck im Kreuz. Auf den fein gearbeiteten Instrumenten inmitten einer optisch eindrucksvollen Massivholzlandschaft klebt verschämt ein Aufkleber „maximal 150 km/h“. Bei dieser Karosse würden wahrscheinlich 180 Sachen funktionieren. Im Zeitkontext ist das schon surreal.

Auf der Küstenstraße in Monterey, dem sogenannten 17-Mile-Drive, wo man in Zeiten des Concours abgedrehte Autos sieht, macht sich dieser spezielle Fünfvierzig gut. Leider hält hier und da auch ein Sheriff Wache, damit niemand Unsinn macht. Aber dennoch schnellt der Tacho in einem unbeobachteten Moment in einer Weise nach oben, die der Polizist womöglich nicht gutheißen würde. Mit anderen Wörtern: Der schwere Apparat marschiert ziemlich stramm. Ich übertreibe es mal lieber nicht. 

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Unter dem wunderschönen Stahlblech steckt eine Holzkonstruktion. Ziemlich oldschool heute, damals Hochtechnologie. (Foto: Mercedes)

Mit dem Autobahnkurier zum Einkaufen wäre beschwerlich 

Weniger zu empfehlen wäre, das sperrige Gerät im Alltag einzusetzen. Vor allem in rangierintensiven Gefilden – Parkhäuser oder enges Supermarktgelände – könnte man ins Schwitzen geraten. Der Wendekreis ist ausladend, und die Lenkkräfte sind beachtlich. Dafür läuft der Riesen-Benz, wenn er einmal rollt, recht stabil geradeaus. Das ist für ein Fahrzeug dieses Baujahrs schon beachtlich. Klar, der Schwabe verfügt über eine Pendelachse hinten und damit über eine frühe Form der Einzelradaufhängung. Auch die Vorderachse kommt in den Genuss der Einzelradaufhängung. Dennoch muss man höllisch aufpassen mit dem Biest, das sich so ein bisschen fährt wie ein großer Tanker. Nicht zu schnell in die Kurve bitte und vor allem gefühlvoll verzögern. Die Bremsen haben jede Menge mit der Leermasse zu tun und sind trotz Bremskraftverstärkers nicht so leistungsfähig wie die eines modernen Autos. 

Hier während der Car Week ist das silberne Monster mit den drei Scheinwerfern in guter Gesellschaft, vor allem auf dem 17-Mile- Drive. Cool, wenn man ein Auto hat, nach dem sich selbst die Schönen und Reichen umdrehen, die allesamt mit Special Cars unterwegs sind. Kaufen könnte man es allerdings weder gegen eine unbegrenzte Geldmenge noch guter Worte. Dieser Autobahnkurier ist ein Entwicklungsfahrzeug – im Besitz von Mercedes selbst. Unverkäuflich.

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Hinten angeschlagene, schwere Türen sorgen für einen bequemen Einstieg. Man sitzt vielleicht einen Tick zu hoch auf den üppigen Ledersesseln. (Foto: Mercedes)

Wer einen 540K möchte, findet freilich immer Fahrzeuge – dann aber mit ganz unterschiedlichen Karosserien. Denn Mercedes hat das Auto in den 1930ern primär als Fahrgestell verkauft. Ob man dieses dann in Richtung repräsentative Limousine vollenden wollte, am Ende ein schickes Cabriolet wünschte oder eben etwas Stromlinienförmiges, stand dem Kunden frei. Sicher auch damals eine Frage des Kontostandes. Heute muss man in den einschlägigen Börsen eben suchen und sich dann damit begnügen, was der Markt hergibt. Mehrere Millionen Euro schwer sollte das Konto aber auch heute noch sein. Und der entsprechende Platz wäre auch nicht schlecht. Ein bisschen träumen muss schließlich erlaubt sein. 

Quelle: ntv.de

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