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Startseite»Nachrichten»Unternehmen feiert Jubiläum: Mit der „Aida“ begann der Kreuzfahrt-Boom für die Massen
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Unternehmen feiert Jubiläum: Mit der „Aida“ begann der Kreuzfahrt-Boom für die Massen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 8, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Unternehmen feiert JubiläumMit der „Aida“ begann der Kreuzfahrt-Boom für die Massen

Inzwischen kreuzten elf „Aida“-Schiffe auf den Weltmeeren. (Foto: picture alliance/dpa)

Vor 30 Jahren wird die erste „Aida“ getauft. Es ist der Auftakt zur Demokratisierung einer bis dahin eher den Wohlhabenderen vorbehaltenen Urlaubsform. In den folgenden Jahren geht es nur aufwärts. Und Experten sehen keinen Grund für ein Ende des Wachstums.

Aida Cruises feiert 30. Jubiläum, doch die Geschichte der Kreuzfahrtreederei lässt sich nicht auf das Jahr 1996 herunterbrechen. Sie reicht zurück bis in die DDR. Die Rostocker Reederei zelebriert das Jahr dennoch und schaltet Werbung, denn damals ist die „Aida“ getauft worden, die die Marke bekanntmachte. Die „Aida“ gilt als erstes deutsches Clubschiff – und sie veränderte hierzulande das Geschäft. Kreuzfahrtforscher Alexis Papathanassis von der Hochschule Bremerhaven sagt, damals sei bezweifelt worden, dass sich die Cluburlaub-Idee auf See durchsetzen werde. „Animation auf dem Schiff, wer will das?“, habe es geheißen. Das Aida-Vorgängerunternehmen sei das erste in Deutschland gewesen, das auf die Idee gesetzt habe: „Das war ein mutiger Schritt.“ 

Papathanassis zufolge waren Kreuzfahrten in Deutschland vor der „Aida“ teuer, elitär, und die Angebote richteten sich an ein älteres Publikum. Das Schiff hat zu einem Prozess beigetragen, den er „Demokratisierung der Kreuzfahrt“ nennt: Die einst elitäre Kreuzfahrt ist zu einem Massengeschäft geworden. In den USA gab es diese Entwicklung schon früher als in Deutschland. Der Wandel der deutschen Kreuzfahrt lässt sich an den Passagierzahlen ablesen. Binnen 20 Jahren ist die Zahl der Passagiere, die eine Kreuzfahrt in Deutschland begonnen haben, von weniger als 200.000 auf mehr als 1,5 Millionen gestiegen. Vergangenes Jahr wurde ein Rekordwert erreicht.

Die Geschichte des Unternehmens Aida Cruises reicht bis zur Deutschen Seereederei zurück, der DDR-Staatsreederei. Diese betrieb Handelsschiffe, später auch Ferienschiffe. Nach der Wende privatisierte die Treuhandanstalt den Betrieb und verkaufte ihn an Hamburger Kaufleute.

Die vor 30 Jahren getaufte „Aida“ prägte die deutsche Kreuzfahrt, weil sie neue Zielgruppen erschloss. Das Publikum war jünger als üblich. „Nur jeder sechste Aida-Gast unternahm zuvor schon einmal eine Seereise“, heißt es in einem Text der „Zeit“ von 1997. Das Schiff war aber nicht durchgängig ausgebucht und fuhr Berichten zufolge Verluste ein. Zeitweise war die „Aida“ in fremdem Besitz.

Das heutige Unternehmen Aida Cruises wurde 1999 gegründet als ein Gemeinschaftsunternehmen der britischen Reederei P&O und der deutschen Arkona Touristik. 2003 kaufte dann der weltgrößte US-Kreuzfahrtkonzern Carnival die Reederei P&O, die die Mehrheit hielt, und damit auch Aida Cruises. 

Aida Cruises ist Marktführer

Nach der Carnival-Übernahme wuchs Aida Cruises anhaltend. Heutzutage ist die Reederei nach Passagierzahlen Marktführer vor Tui Cruises aus Hamburg und MSC Cruises aus München. Vergangenes Jahr zählte Aida Cruises nach eigenen Angaben 1,5 Millionen Passagiere, Tui Cruises kam auf etwa mehr als die Hälfte. MSC Cruises kommuniziert als privates Unternehmen keine Zahlen. 

Der heimische Kreuzfahrtmarkt wirkt deutsch, ist aber international organisiert. Aida Cruises gehört zu Carnival und ist im Konzern der italienischen Reederei Costa zugeordnet, weshalb die Schiffe unter Italiens Flagge fahren. Tui Cruises ist ein Joint Venture des deutschen Konzerns Tui und des US-Anbieters Royal Caribbean. MSC Cruises gehört zur Schweizer Containerreederei MSC. 

Die Internationalisierung der Branche zeigt sich auch den Flaggen der Schiffe. Aida Cruises ist nicht das einzige Unternehmen, das ausländische Flaggen nutzt. Das ist die Norm. Laut dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, Deutschlands zentraler maritimer Behörde, fährt kein einziges Hochseekreuzfahrtschiff unter der als teuer geltenden deutschen Flagge. 

Wissenschaftler Papathanassis sagt, er sehe in Deutschland kein Ende des Wachstums des Kreuzfahrtmarktes. Angetrieben werde die Entwicklung zuerst von den Unternehmen. Diese bestellten neue Schiffe und versuchten anschließend, diese zu füllen. Neue Zielgruppen werden unter anderem dadurch erschlossen, dass die Unternehmen Themenkreuzfahrten anbieten. Auch in dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ sieht Papathanassis keine grundsätzliche Gefahr für die Branche. Die Wahrscheinlichkeit, auf einer Kreuzfahrt zu erkranken, sei gering.

Flotte von Aida Cruises soll wachsen

In den nächsten Jahren werden weitere Schiffe auf den deutschen Markt kommen. Die Flotte von Aida Cruises soll bis spätestens Anfang 2032 von 11 auf 13 Schiffe wachsen. Tui Cruises unterhält acht Schiffe, und bis Ende 2032 sollen drei hinzukommen. MSC Cruises hat vergleichsweise wenige Schiffe in deutschen Häfen stationiert, es sind 3 von 23. Wie sich das MSC-Angebot in Deutschland entwickeln soll, ist nicht bekannt. 

Dass die Reedereien Flotten ausbauen, ist erwartbar. Die Schiffe des Carnival-Konzerns waren 2025 voll ausgelastet, genaue Zahlen für Aida Cruises liegen nicht vor. Die Auslastung der Tui-Cruises-Flotte lag bei 99 Prozent. Wenn mehrere Reedereien Flotten erweitern, können Überkapazitäten entstehen. Überkapazitäten sind in der Schifffahrt gefürchtet, weil sie zu einem ruinösen Preisverfall führen können. Papathanassis sagt, er halte eine Überkapazität in der Kreuzfahrt jedoch für unwahrscheinlich. Ursache sei, dass nur einige spezialisierte Werften die schwimmenden Hotels bauen könnten. 

Die bekannteste deutsche Werft, die Kreuzfahrtschiffe errichtet, ist die Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg. Ende vergangenen Jahres wurde verkündet, dass MSC Cruises dort vier bis sechs Schiffe bauen lassen will. 

Strengere Regeln wegen schädlicher Klimafolgen

Wie sich die Branche entwickeln wird, hängt nicht allein von den Anbietern und den Kunden ab, sie wird zunehmend reguliert. Die schädlichen Folgen der Fahrten auf Klima und Umwelt sind dokumentiert und bekannt. Der Internationale Rat für sauberen Transport, eine gemeinnützige Forschungsorganisation, berichtete, dass eine Kreuzfahrt weitaus klimaschädlicher sei als ein Flug mit Übernachtungen.

Die EU bürdet der Branche bereits strengere Regeln auf. Der Seeverkehr gehört seit 2024 dem EU-Emissionshandel an, was die Reedereien schon Geld kostet. Ein weiteres, seit 2025 bestehendes EU-Gesetz setzt Anreize, auf klimaschädliche Treibstoffe zu verzichten und verpflichtet die Reedereien von 2030 an, in großen Häfen Landstrom zu nutzen. 

Die zunehmende Regulierung wirft die Frage auf, ob Reedereien gezwungen werden, die Preissteigerungen an die Kundschaft weiterzugeben, und ob diese bereit ist, mehr Geld zu zahlen. Nach Bewertung von Papathanassis ist außer der Planbarkeit das Preis-Leistungs-Verhältnis ein entscheidender Grund, warum viele Deutsche auf Kreuzfahrt gehen.

Quelle: ntv.de, Lukas Müller, dpa

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