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Startseite»Politik»Urlaub im Wohnmobil: Lohnt sich ein eigener Camper?
Politik

Urlaub im Wohnmobil: Lohnt sich ein eigener Camper?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 25, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Stand: 25.07.2026 • 14:55 Uhr

Unabhängig von Hotelbuchungen reisen, frei unterwegs von einem Ort zum anderen: Urlaub im Camper oder Wohnmobil ist beliebt. Ein eigenes Fahrzeug kann aber schnell zu finanziellen Abhängigkeiten führen.

Lilli Hiltscher

Christof Dörr

Direkt nach dem Aufwachen öffnet sich Tür des Wohnmobils und unmittelbar davor breitet sich das Meer aus, das sanfte Rauschen der Wellen vermischt sich mit einer frischen Brise. Für viele Menschen ist genau dieses Erwachen der Inbegriff des Camper-Traums: Freiheit, Unabhängigkeit und das Gefühl, an jedem Ort ein Zuhause finden zu können.

Das ließ Reisen mit dem eigenen Fahrzeug vor allem während der Pandemie boomen: Im Jahr 2020 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt 78.000 Wohnmobile neu zugelassen, das sind 41 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Und die Popularität hat seither keineswegs abgenommen: In den vergangenen Jahren – seit 2021 – lag die Zahl der Zulassungen stets bei rund 77.000.

Hohe Anschaffungskosten

Dabei muss man für diesen Urlaubstraum ziemlich tief in die Tasche greifen, auch wenn man ein „günstiges“ Wohnmobil kaufen will. Sogar bei einfachen, gebrauchten Fahrzeuge beginnen die Kaufpreise oft im fünfstelligen Bereich. Neue, voll ausgestattete Fahrzeuge kosten in der Regel ab 60.000 bis 80.000 Euro, Premiumausbauten sind noch teurer.

Viele Fahrzeuge werden nach dem Kauf außerdem individuell umgebaut und angepasst. Dann bekommen sie eine Solaranlage, einen neuen Innenausbau oder Zusatzheizung – Anpassungen, die zusätzlich Geld kosten. Deshalb finanzieren viele den Kauf eines Wohnmobils mit einem Kredit.

„Das Problem daran, einen laufenden Konsumkredit zu haben, ist, dass dann mein verfügbares Haushaltseinkommen sinkt“, sagt Holger Graf von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, im aktuellen Video des ARD-Finanzformats 50k auf YouTube. Dieses Geld fehle dann „im Zweifelsfall für einen anderen Kredit, etwa beim Immobilienkauf“.

Kurze Rückzahlung und hohe Zinsen?

Rechenbeispiele von 50k zeigen, welche Belastung eine solche Finanzierung mit einem Konsumkredit mit sich bringen kann. Dabei wird von einem Kaufpreis von 50.000 Euro ausgegangen. Eine Finanzierung ohne Eigenkapital über drei Jahre bedeutet schon ohne Zinsen eine monatliche Belastung von 1.390 Euro. Bei beispielsweise sechs Prozent Finanzierungszinsen kommen noch mal 3.000 Euro obendrauf. Macht mehr als 4.000 Euro pro Monat – für ein Fahrzeug, das man aufgrund der Ausstattungen und Größe im Alltag oft nicht nutzen kann.

Deshalb kann es durchaus empfehlenswert sein, erstmal Eigenkapital anzusparen: „Dieses Eigenkapital mag dann an anderer Stelle fehlen, etwa beim Immobilienkauf“, gibt Experte Graf zu bedenken. Aber eine Fremdfinanzierung mit Eigenkapital aufzustocken, ist aus seiner Sicht trotzdem ratsam: „Es kann insofern positiv sein, wenn ich nachweise kann, dass ich in der Lage bin, mit Fremdkapital umzugehen und regelmäßig meine Raten bezahle. Damit kann ich einem potenziell neuen Kreditgeber zeigen, dass ich die Disziplin habe und mich nicht finanziell übernehme“, so der Experte.

Zumal auch die monatliche Belastung durch Eigenkapital geringer wird: Im oben genannten Rechenbeispiel verringert sich die monatliche Belastung bei einem angesparten Eigenkapital von 20.000 Euro – und einem Kredit von 30.000 Euro – bei drei Jahren Laufzeit auf 830 Euro.

Konservativ mit Tagesgeldkonto

Allerdings muss auch das Ansparen einer Summe von 20.000 Euro gut geplant sein. Denn wer sich vornimmt, in drei Jahren einen Camper oder ein Wohnmobil zu kaufen, bewegt sich in einem eher kurz- bis mittelfristigen Anlagehorizont. In so einem Zeitraum steht nicht maximale Rendite im Vordergrund, sondern vor allem Planbarkeit und Risikokontrolle.

Dafür kommen vor allem konservativere Anlageformen in Frage, etwa ein Tagesgeldkonto. Auch hier gibt es aber große Unterschiede, „gerade wenn man Marketing- und Lockvogelangebote betrachtet. Es gibt aber einige Vergleichsportale, die man nutzen kann und die anzeigen, wo es gerade die höchsten Zinsen gibt und wie gut die Konditionen sind“, so Holger Graf bei 50k.

ETFs bergen Risiken bei kurzer Dauer

Es gibt auch die Möglichkeit, Tagesgeld und einen ETF-Sparplan zu kombinieren. Wer über drei Jahre mittels Tagesgeld und ETF auf einen Eigenanteil von 20.000 Euro kommen will, sollte eine monatliche Sparrate von rund 526 Euro einplanen. Den Betrag kann man in zwei Teile aufteilen: 70 Prozent fließen in Tagesgeld mit drei Prozent Zinsen pro Jahr, und 30 Prozent in einen ETF mit sieben Prozent erwarteter Rendite pro Jahr.

Graf betont allerdings auch, dass man bei einem Drei-Jahres-Sparplan nur dann auch ETFs nutzen sollte, wenn man es finanziell verkraften kann, dass es nicht so ausgeht wie gewünscht: „Bei einem breiten Aktieninvestment ist es bei kurzer Anlagedauer wirklich reines Glücksspiel. Gerade in der heutigen Zeit weiß man nie, wann mal wieder ein US-Präsident einen Tweet oder dergleichen abschickt, der dann auch den Markt für die nächsten sechs Monaten komplett drehen kann“, so der Experte. ETFs seien vor allem dann eine sinnvolle Option, wenn man langfristig spart.

Hohe Instandhaltungskosten

Trotzdem bleiben Camper oder Wohnmobil eine Großinvestition – und das, obwohl sie kaum genutzt werden: Umfragen zufolge stehen Wohnmobilie zehn Monate im Jahr nur in der Garage. Und auch dann, wenn sie nur rumstehen, sind sie ziemlich teuer, wie Daten von Caravana, AutoScout24, Allianz und Inselcamper zeigen.

Für die Versicherung sollte man etwa 400 bis 1.200 Euro im Jahr einplanen, für die Steuer weitere 200 bis 400 Euro pro Jahr. Hinzu kommen Kosten für Wartung und Reparaturen, 800 bis 2.500 Euro pro Jahr. Und auch die Unterbringung kostet Geld, ein Stellplatz kann monatlich zwischen 30 und 80 Euro oder auch mehr kosten. Insgesamt kommt man damit auf Kosten von ungefähr 1.500 bis 3.500 Euro pro Jahr – und das ohne dass man auch nur einen Meter gefahren und eine Sekunde Meeresluft geatmet hat.

Und ein wichtiger Aspekt ist an dieser Stelle noch gar nicht berücksichtigt: das Thema Wertverlust. Wie bei anderen Fahrzeugen auch nimmt der Wert eines Wohnmobils nämlich ab: Online-Plattformen wie Caravana und AutoScout24 sprechen von durchschnittlich fünf bis neun Prozent Wertverlust pro Jahr. In den ersten Jahren kann es sogar noch mehr sein – bis zu 15 Prozent. Bei einem 50.000 Euro teuren Fahrzeug wären das in den ersten beiden Jahren mindestens jeweils 7.500 Euro an Wertverlust. Dazu kommt auch noch der Verschleiß.

Jetzt ein Schnäppchen?

Man muss nicht lange rechnen, um zu merken, dass der Kauf eines Wohnmobils mit rund 50.000 Euro nicht gerade eine „günstige Alternative“ zum Hotelurlaub ist. Zumal auch das Reisen mit dem eigenen Fahrzeug nicht kostenlos ist – immerhin muss man fürs Tanken und für Campingplätze zahlen.

Wer trotz der hohen Kosten den Traum vom Urlaub im eigenen Wohnmobil träumt, könnte aktuell aber sogar ein Schnäppchen machen. Denn nach dem Corona-Hoch sind die Preise seit 2024 wieder zurückgegangen. Das liegt daran, dass der Markt nach dem Boom überversorgt ist: Viele Händlerinnen und Händler haben volle Lager und es gibt Verhandlungsspielraum für Rabatte.

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