Von Sibirien bis MallorcaSonnenfinsternis sorgt für zwei Minuten Dunkelheit über Europa
Europa erlebt ein außergewöhnliches Himmelsschauspiel: Der Mond schiebt sich zwischen Sonne und Erde. Die totale Sonnenfinsternis beginnt nahe der Nordküste Sibiriens und zieht über Grönland, Island, die Nordspitze Portugals und Spanien hinweg.
Bei zumeist klarem Himmel haben Millionen Menschen in Deutschland am Abend eine partielle Sonnenfinsternis beobachtet. Im Maximum sollte die Sonne hier zu rund 85 bis 90 Prozent durch den Mond verdeckt werden. Das Interesse an dem Himmelsspektakel war groß.
Das Wetter spielte zum Start des Schauspiels weitgehend mit, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Es gab demnach lediglich von Nordbayern über Thüringen bis in den Norden einzelne dünne hohe Schleierwolken, die sich langsam in den Nordosten verlagerten. Sie waren aber nur dünn und verdeckten die Sicht nicht komplett. In Bayern, Baden-Württemberg und im Westen war es wolkenlos.
Ende des Spektakels sollte in ganz Deutschland mit dem Sonnenuntergang je nach Ort zwischen etwa 20.30 Uhr und 21.00 Uhr sein. „Wir sehen durchgehend nicht das Ende der Finsternis, sondern eine Sichel untergehen“, sagte Astronomin Carolin Liefke von der Vereinigung der Sternenfreunde. Die partielle Sonnenfinsternis war für den Großteil Europas, aber etwa auch für Nordamerika und Westafrika vorhergesagt.
Ein Großevent in Spanien
Die totale Sonnenfinsternis hatte gegen 19.00 Uhr in Nordsibirien begonnen. Der Kernschatten des Mondes sollte nach Astronomen-Berechnungen in einem Bogen an Grönland und Island entlangziehen und ab etwa 20.30 Uhr Spanien durchqueren. Im Kernschatten ist es komplett dunkel.
In Spanien zog es viele Menschen in die sogenannte Totalitätszone, in der der Mond am Abend ab kurz vor halb neun die Sonne vollständig verdecken sollte. Der Mondschatten sollte innerhalb weniger Minuten über Kastilien und León, Aragonien und Valencia bis zu den Balearen ziehen und im Mittelmeer enden.
Die spanischen Behörden rechneten mit 400.000 bis 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten. Vor allem auf den Zufahrtsstraßen in den Norden und Osten des Landes sowie zu den Balearen wurden lange Staus erwartet. Das Naturereignis lockte Hunderttausende Besucher aus dem In- und Ausland an. Hotels entlang der Totalitätszone sind vielerorts seit langem ausgebucht, Privatleute vermieteten Balkone und Dachterrassen mit freier Sicht auf den westlichen Horizont für mehrere Hundert Euro. Auch auf Mallorca, das ebenfalls in der Totalitätszone liegt, herrschte Hochbetrieb.
Die Regierung hat umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen wurden kostenlos verteilt. Mehr als 33.000 Polizisten und Beamte der Guardia Civil sollten im Einsatz sein. Neben dem dichten Verkehr bereitete den Behörden vor allem die hohe Waldbrandgefahr Sorgen. Besucher wurden deshalb aufgerufen, nur ausgewiesene Beobachtungsplätze zu nutzen.
Am Ende sogar noch eine Zugabe
Auch in Deutschland blickten die Menschen zum Himmel: Großer Andrang herrschte zum Beispiel in München im Olympiapark. Hunderte Schaulustige kamen zum Feldberg in Hessen. In Berlin ist es rund um das Planetarium in Prenzlauer Berg zu Verkehrsbehinderungen gekommen. Die Polizei sprach von 3000 Menschen. Über Dresden schwebten mindestens sechs Heißluftballons – auch deren Passagiere hatten beste Aussicht.
Ohne eine spezielle Sonnenfinsternis-Brille konnte ein Blick in die Sonne die Augen stark schädigen. Auch die hohe Abdeckung der Sonne während der Sonnenfinsternis durch den Mond in Deutschland oder die einsetzende Dämmerung seien keine Gründe, die Augen weniger gut zu schützen, betonte Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Im Vorfeld gab es einen Ansturm die speziellen Brillen in Geschäften.
Zum Schauspiel der Sonnenfinsternis ist noch eine Zugabe vorgesehen: ein Sternschnuppenstrom. Die Perseiden sollen ausgerechnet in derselben Nacht ihren Höhepunkt erreichen, wobei Astronomen mit bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde rechneten. Die besten Beobachtungszeiten sollten die Stunden von 23.00 Uhr abends bis 4.00 Uhr morgens sein. Nach diesen Ereignissen bietet der Himmel über Deutschland bereits in gut zwei Wochen eine partielle Mondfinsternis: Der Eintritt des Mondes in den Kernschatten der Erde erfolgt am 28. August jedoch schon um 4.34 Uhr.
Die nächste partielle Sonnenfinsternis in Deutschland ist am 2. August 2027 zu sehen. Eine totale Sonnenfinsternis wird es an diesem Tag in Teilen von Spanien und Nordafrika geben. Und Spanien bekommt gleich noch ein drittes Himmelsschauspiel innerhalb von drei Jahren: Eine ringförmige Finsternis am 26. Januar 2028, die unter anderem auch in Südamerika zu beobachten sein wird.
