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Startseite»Politik»VW: Bald mehr Klarheit zu Jobs und Werken?
Politik

VW: Bald mehr Klarheit zu Jobs und Werken?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 9, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 09.07.2026 • 08:06 Uhr

Die Anspannung vor der heutigen Aufsichtsratssitzung bei VW ist groß: Seit Monaten stehen harte Einschnitte im Raum. Experten halten radikale Schritte für nötig, der Widerstand ist groß. Ausgang: ungewiss.

Annette Deutskens

Es könnte sein, dass sich einige Mitglieder des VW-Aufsichtsrates gerade überlegen, welchen Weg zum Sitzungssaal im so genannten Markenhochhaus sie nehmen werden. Denn klar ist: Vor dem Büroturm auf dem VW-Gelände in Wolfsburg wird es Protest geben. Ein Ausmaß wie in der Tarifrunde 2024 ist zwar (noch) nicht zu erwarten, aber ein paar Hundert IG Metaller und Betriebsratsmitglieder werden ihren Unmut kundtun, so viel ist sicher.

Die Botschaft von Betriebsratschefin Daniela Cavallo und der IG Metall-Vorsitzenden Christiane Benner und ihren Leuten: Wenn tatsächlich 50.000 Stellen zusätzlich abgebaut werden und vier Werke geschlossen werden sollen, dann muss der Konzern mit erheblichem Widerstand der Arbeitnehmerseite rechnen.

Blume will „jeden Stein umdrehen“

Auch an zahlreichen anderen Standorten sind Protestaktionen geplant, darunter Hannover, Emden, Zwickau oder am Audi-Werk Neckarsulm. Das sind alles Standorte, die mit Blick auf die Zukunft als Wackelkandidaten gelten. Dass im Aufsichtsrat tatsächlich über massive Sparmaßnahmen gesprochen wird, war in den vergangenen Wochen über verschiedene Medienberichte durchgesickert.

Konzernchef Oliver Blume hat die Zahlen bisher nicht offiziell bestätigt, aber bei verschiedenen Anlässen erkennen lassen, wie ernst es ihm mit dem verschärften Sparkurs ist. Im Frühjahr etwa kündigte er auf der Jahrespressekonferenz an, „jeden Stein“ umzudrehen, um VW bei den Kosten auf Spur zu bringen. Und wenn von Kosten die Rede ist, dann bedeutet das meistens: Kosten in Europa, vor allem in Deutschland.

„Weihnachtswunder“ reicht nicht

Im mühsam ausgehandelten Tarifkompromiss von Ende 2024 hatten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite unter anderem auf Sparvorgaben für jedes einzelne Werk geeinigt. Sollten diese eingehalten werden, so das Versprechen, würden in den Werken auch über 2030 hinaus Investitionen getätigt und neue Modelle gebaut. Tatsächlich seien die Kosten in den Werken seitdem gesunken, bestätigt VW: um etwa 20 Prozent an den großen Standorten, hieß es zuletzt.

Nur offenbar reicht es nicht. Trumps Zölle, neue Wettbewerber aus China, weltweite Krisen: Die Welt hat sich seit 2024 weitergedreht, und das „Weihnachtswunder“, wie der Tarif-Kompromiss damals von der IG Metall auch genannt wurde, scheint nur für einen sehr kurzen Zeitraum eine gewisse Strahlkraft entfacht zu haben.

Eindringlicher Appell an VW und Lies

Und so machen sich viele Beschäftigte, aber auch Kommunalpolitiker an VW-Standorten Sorgen um die Werke. „Stehen Sie zu Ihrem Wort, erhalten Sie das VW-Werk in Emden!“, heißt es etwa in einem gemeinsamen Appell an Volkswagen und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD).

Unterzeichner des Schreibens: Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) sowie die Landräte aus Aurich, Wittmund und Leer. Bisher gibt es für Emden und acht weitere VW-Standorte, die unter die „Dezember 2024-Einigung“ fallen – darunter Hannover – eine Standortsicherung bis 2030. Wie es danach genau weitergeht? Unklar.

VW muss „radikale Schritte gehen“

Allerdings mehren sich die Stimmen derer, die sagen: So wie bisher – mit den aktuellen Strukturen – sei VW langfristig nicht wettbewerbsfähig. In Europa etwa sei der Markt gesättigt, das Vorkrisen-Niveau von 2019 werde voraussichtlich nie wieder erreicht werden, sagt Helena Wisbert, Automobilexpertin an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg. „Da hat Volkswagen eben Überkapazitäten und muss leider wirklich radikale Schritte gehen und Kapazitäten reduzieren – und zum Teil wahrscheinlich auch Werke schließen.“

Noch etwas drastischer formuliert es Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach: „Wenn VW jetzt nicht eine grundlegend neue Struktur schafft, die langfristig tragbar ist, dann reden wir in zwei, drei Jahren tatsächlich über die Abwicklung von VW.“

Experten erwarten Richtungsentscheid

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), sieht in der gesamten Automobilbranche Reformbedarf. Dazu gehörten „leider auch notwendige Personalanpassungen“. Diesen Handlungsbedarf zu leugnen, sei wegen seiner Konsequenzen „unsozial“.

Wie lange der Aufsichtsrat beraten wird und ob tatsächlich mit konkreten Ergebnissen zu rechnen ist: Auch das ist unklar. Dass es allerdings schon bald Kündigungen und Werksschließungen geben wird, damit rechnet kaum jemand – allein schon wegen der Macht der Arbeitnehmerseite und des Landes Niedersachsen im Aufsichtsrat. „Ich erwarte, dass es einen Richtungsentscheid gibt“, so Wisbert, „und dass die Pläne, die jetzt im Raum stehen, weiter konkretisiert und dann wahrscheinlich bei der nächsten Aufsichtsratssitzung finalisiert werden.“

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Dr. Heinrich Krämer
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