FAQ
Die Zerstörung durch die Brände in Frankreich und Spanien ist massiv. Doch warum wüten die Feuer so extrem? Was sind „Feuerwolken“? Und muss auch Deutschland künftig mit so schweren Bränden rechnen?
Welche Länder in Europa kämpfen derzeit gegen Waldbrände?
In Frankreich wütet seit Mittwoch vergangener Woche ein Brand im Südwesten in der Präfektur Gironde. Mittlerweile haben sich die Flammen bis nahe Bordeaux ausgebreitet. Hunderttausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht, das Feuer hat bereits eine Fläche von etwa 42.000 Hektar zerstört.
In Spanien kämpfen Einsatzkräfte gegen einen Brand in der Provinz Ávila westlich von Madrid sowie in den benachbarten Regionen Madrid und Toledo. Hier wurden durch die Flammen bereits knapp 80.000 Hektar Wald- und Buschland verwüstet.
Auch in Portugal sind mehrere Waldbrände ausgebrochen. Betroffen sind hier die Regionen bei Braga und Bragança im Norden sowie bei Santarém im Zentrum des Landes.
Warum sind die Brände in Frankreich und Spanien in diesem Jahr so verheerend?
Ein wichtiger Faktor waren die starken Niederschläge im Januar und Februar. Damals brach ein Wintersturm nach dem nächsten über die beiden Länder herein: Felder wurden überschwemmt, Autos in braunen Fluten davongerissen, unzählige Strommasten gekippt. Der feuchte Winter habe für beste Wachstumsbedingungen für Pflanzen gesorgt, wie die Klimawissenschaftlerin Julia Miller vom Schweizerischen WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF erklärt. Gräser, Sträucher und Unterholz schossen in die Höhe. Durch die Hitzewellen in den Sommermonaten sei diese Vegetation ausgetrocknet, „weshalb sich Brände schnell und stark ausbreiten können, sobald eine Zündquelle auftritt“.
Nach Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) ist in Spanien schon jetzt mehr als doppelt so viel Fläche abgebrannt wie sonst im Durchschnitt eines ganzen Jahres, in Frankreich sogar mehr als die fünffache Fläche.
In Frankreich tritt erstmals eine „Feuerwolke“ auf – was ist das?
Dieses Phänomen nennt sich Pyrocumulonimbus. Dabei handelt es sich um einen von Waldbränden erzeugten Feuersturm, der eine glühend heiße Wolke mit eigenem Wetter hervorbringt. Die auch als Cumulonimbus flammagenitus bezeichnete Wolke entsteht, wenn sich bodennahe Luft so stark erhitzt, dass sie schnell zusammen mit Rauch, Wasserdampf und Asche aufsteigt, oft mehrere Kilometer hoch bis in die Stratosphäre. Dort trifft das Gemisch auf kühlere Luftmassen und erzeugt ein eigenes Wettersystem mit starken Winden, die das Feuer weiter anheizen. Oft schießen sogar Blitze aus der Wolke zu Boden und es entsteht ein grollendes Geräusch.
Die NASA betitelt das Phänomen auch als „feuerspeienden Drachen“. Hauptsächlich wird es bei Vulkanausbrüchen und riesigen Bränden in Australien und Kanada beobachtet. Während das Phänomen dort immer wieder auftritt, ist es in Frankreich das erste Mal. Löschen oder unter Kontrolle bringen lässt sich der Feuersturm meistens nicht, unter anderem, weil die Winde ständig die Richtung wechseln, sagte Eric Brocardi, Sprecher der französischen Feuerwehr im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. „Die Folge ist, dass es sich in alle Richtungen ausbreitet und mehrere Feuerfronten bildet, was die Lage völlig unberechenbar macht“, so Brocardi.
Helfen können dem Feuerwehrsprecher zufolge im Falle einer „Feuerwolke“ nur zwei Dinge: Es müsste heftigen Regen geben, bestenfalls über mehrere Tage. Oder das Feuer lässt sich an einen Ort lenken, an dem es von selbst erlösche, etwa am Meer.
Werden Brände solchen Ausmaßes auch für Deutschland zur Gefahr?
Im Dezember erschien im Fachjournal „Communications Earth and Environment“ eine Studie, die prognostiziert, dass sich auch durch den Klimawandel „wärmere und trockenere Klimazonen voraussichtlich in Richtung der nördlichen europäischen Breiten ausdehnen“. Das verstärke die Brandbedingungen und erhöhe die Menge an trockenem Brennmaterial, wodurch das Risiko großer Waldbrände auch in diesen Breiten steige. Die Studie entstand aus einer Zusammenarbeit der ETH Zürich, des Schweizerischen WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF, des CERC-Forschungszentrums für Klimawandel, Extreme und Naturgefahren in alpinen Regionen und der University of Texas in Austin.
Eine weitere Studie wurde über die European Geoscience Union (EGU) veröffentlicht, eine Dachorganisation der europäischen Geowissenschaft. Sie beschäftigt sich mit der infolge des Klimawandels steigenden Waldbrandgefahr in Zentraleuropa. Die Studie beschäftigt sich gezielt mit den Einzugsgebieten von Donau, Main und Elbe und kommt zu dem Ergebnis, dass die Waldbrandgefahr im Laufe des Jahrhunderts überall deutlich zunimmt – vor allem aber im Einzugsgebiet des Mains und in den östlichen bayerischen Mittelgebirgen. Dort wird eine hohe Waldbrandgefahr laut der Studie bis zum Ende des Jahrhunderts zum Normalzustand.
Bei der Hitzewelle Ende Juni wurden in Deutschland an mehreren Tagen hintereinander Rekordtemperaturen gemessen, sowohl tagsüber als auch in der Nacht. Am 28. Juni wurde laut Messungen des Deutschen Wetterdienstes in Deutschland erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen eine Höchsttemperatur von 41,7 Grad Celsius erreicht.
Welche Rolle spielt der Klimawandel?
Durch den Klimawandel und die damit einhergehende Erderwärmung erhöhen sich einer Analyse der World Weather Attribution (WWA) zufolge die Risikofaktoren für Waldbrände solchen Ausmaßes. Ein Beispiel: die in diesem Jahr aufgetretene extreme Bodendürre. Niederschlagsdefizite, die früher keine Dürre ausgelöst hätten, würden heute zu Dürrebedingungen führen, heißt es in der Analyse. Denn ausschlaggebend sei nicht allein der Mangel an Regen, sondern vor allem die durch Hitze dramatisch gestiegene Verdunstung.
Derzeit liegt die Erde bei einer Klimaerwärmung von etwa 1,4 Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung. „Sollten die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad Celsius ansteigen lassen, könnten diese intensiven Verdunstungsbedingungen doppelt so wahrscheinlich werden und Dürren wie diese zu einem regelmäßigen Ereignis machen“, warnte Mariam Zachariah vom WWA im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
Können Maßnahmen ergriffen werden, um solche Brände zu verhindern?
Das Wissenschaftsnetzwerk EASAC, ein Verbund der Nationalakademien der EU, mahnte im vergangenen Jahr eine veränderte Brandbekämpfung an. Wichtig sei es nicht nur, gegen die Feuer vorzugehen, sondern Bedingungen zu vermeiden, die ein unkontrolliertes Ausbreiten von Bränden begünstigen. Helfen könne dabei eine verbesserte Landschaftsplanung.
In Spanien beklagen Fachleute, dass Wälder vielerorts nicht mehr ausreichend gepflegt würden und sich dadurch große Mengen brennbaren Materials ansammelten. „Das Hauptproblem ist, dass wir den Wald nicht mehr pflegen“, warnte auch Forstexperte Paco Castañares in der Zeitung El Español. Ein weiteres Problem: Weil viele Menschen in die Städte ziehen würden und Dörfer dadurch leerstünden, würden landwirtschaftliche Flächen aufgegeben und Weiden nicht mehr abgegrast. Dadurch nehme die Verbuschung der Flächen zu, was im Falle eines Feuers ebenfalls zum Risikofaktor wird.
Mit Informationen von dpa und AFP
