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Waren Diplomaten das Ziel?: Scharfe Kritik an russischem Angriff auf Zug in Grenznähe

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 14, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Waren Diplomaten das Ziel?Scharfe Kritik an russischem Angriff auf Zug in Grenznähe

Am Sonntag beschießt Russland einen Zug nahe der polnischen Grenze. Kiew vermutet: Eigentlich hatten es die Angreifer auf einen Zug mit Diplomaten abgesehen, in dem auch Ex-Premier Johnson saß. Der spricht von Willkür, Polen erwartet eine weitere Eskalation.

Das russische Militär hat einen Personenzug in der ukrainischen Grenzregion zu Polen mit einer Kampfdrohne angegriffen und damit für Verstimmung in Warschau gesorgt. Die polnische Regierung warf Moskau eine Verschärfung des Konflikts vor. Später sorgte die ukrainische Bahngesellschaft für Aufsehen, als sie spekulierte, dass möglicherweise ein anderer, mit westlichen Diplomaten besetzter Zug, das Ziel des Angriffs war. Westliche Politiker sind bei ihren Reisen nach Kiew auf die Bahnverbindung von Polen in die Ukraine angewiesen, da der Luftraum über dem Land gesperrt ist.

Nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn war am Sonntag die Lokomotive des Passagierzugs von Kiew nach Warschau beim Grenzbahnhof Jahodyn angegriffen worden. Die Passagiere wurden rechtzeitig evakuiert, niemand kam zu Schaden.

Die ukrainische Eisenbahngesellschaft teilte am Abend mit, dass kurz vor dem Angriff ein Diplomatenzug am Bahnhof Jahodyn gehalten habe, an Bord dessen sich unter anderem Sicherheitsberater mehrerer EU-Mitglieder sowie ehemalige europäische Spitzenpolitiker, darunter der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson, befanden. Diese hatten tags zuvor an einer Konferenz in Kiew teilgenommen. In einem anderen Zug, der zum Angriffszeitpunkt am Bahnhof stand, habe sich der frühere CIA-Chef David Petraeus aufgehalten.

„Es ist durchaus denkbar, dass das Ziel dieser russischen Drohne auch der Diplomatenzug gewesen sein könnte, der im Rahmen der Anpassung der Fahrpläne in Echtzeit aufgrund der ständigen Gefahr russischer Angriffe früher als ursprünglich vorgesehen vom Bahnhof abgefahren war“, schrieb die Bahngesellschaft auf Telegram. Schließlich würden die Fahrpläne wegen des Kriegsgeschehens ständig angepasst.

Johnson: „Willkürlicher und sinnloser Angriff“

Der britische Ex-Premier Johnson schrieb auf X: „Ich weiß nicht, welche krude Logik Putin dazu bewogen hat, heute Morgen an der polnischen Grenze eine stillstehende ukrainische Lokomotive in die Luft zu jagen.“ Es sei genau „die Art von willkürlichem und sinnlosem Angriff“, dem die Menschen in der Ukraine täglich ausgesetzt seien. Dazu, dass er in einem weiteren Zug in der Nähe des Angriffs gesessen haben soll, äußerte er sich nicht.

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte unter anderem Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Diese würden den Transport von Militärgütern aus europäischen Ländern gewährleisten, hieß es. Die Angriffe seien im Tagesverlauf fortgesetzt worden.

Wegen der Gefahr von Luftschlägen stellten auch zwei Grenzübergänge auf der polnischen Seite zeitweise den Betrieb ein. Hunderte Menschen wurden vorübergehend in Sicherheit gebracht. Am Nachmittag normalisierte sich die Situation an der Grenze wieder.

Tusk warnt vor weiteren Störaktionen

Polen kritisierte die russischen Schläge scharf: „Die Eskalation von russischer Seite ist nun Realität geworden, und die Beispiele dafür rücken immer näher an unsere Grenze heran“, sagte Polens Regierungschef Donald Tusk bei einer Sitzung des Krisenstabs am Sonntag. Er verwies darauf, dass Russland in der Vergangenheit bereits versucht habe, Grenzübergänge in Moldawien lahmzulegen.

Man habe von Verbündeten zuvor Hinweise bekommen, dass der russische Plan Versuche beinhalten würde, die ukrainischen Grenzübergänge zu desorganisieren und möglicherweise auch zu zerstören – dies könne auch Polen betreffen. Man müsse mit verstärkten Aktionen Russlands in den kommenden Wochen und Monaten rechnen, sagte Tusk weiter.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb zuvor, Moskaus Angriffe hätten nahe der polnisch-ukrainischen Grenze in der Region Wolyn eine Lokomotive in Brand gesetzt und eine Tankstelle beschädigt. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte härtere Konsequenzen für Moskau. Russische Angriffe an der polnisch-ukrainischen Grenze seien nicht einfach eine Fortführung der Attacken auf die ukrainischen Staatsgrenzen, schrieb er auf X. „Das ist Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der Nato ‚klopft‘.“

Quelle: ntv.de, ghö/dpa

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