Politische Unsicherheiten in Frankreich und Spanien bringen den Euro unter Druck. Dazu kommen Sorgen wegen der hohen Staatsschulden in Europa. Was bedeutet das für Europas Gemeinschaftswährung?
Der Euro ist zuletzt immer wieder unter die Marke von 1,12 Dollar gerutscht. Im Januar hatte der Eurokurs zeitweise noch über 1,20 Dollar gelegen. Was belastet die europäische Gemeinschaftswährung?
Sorgen um die Staatsfinanzen in Europa
„Das haben uns die Franzosen eingebrockt“, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Der Experte verweist auf die französischen Staatsfinanzen. Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone und weist gemessen am Bruttoinlandsprodukt aktuell eine Staatsverschuldung von 119 Prozent auf.
„Anleger lesen über Haushaltsprobleme in Frankreich und sehen, dass es noch andere Länder gibt mit einer hohen Staatsverschuldung.“ Brzeski verweist auf Italien, Griechenland und Belgien, „obwohl dort die Haushaltspositionen deutlich besser sind“. Aber das interessiere die Finanzmärkte nicht. „Die schauen auf die hohe Staatsverschuldung und machen sich Sorgen, ob es nicht wieder zu einer neuen Eurokrise kommen könnte.“
Politische Unsicherheiten kommen hinzu
Was zusätzlich auf die Stimmung drückt, sind die vielen politischen Unsicherheiten in der Eurozone. In Frankreich stehen im Frühjahr 2027 Präsidentschaftswahlen an. Das Ergebnis ist offen, auch was der Wahlausgang für Europa bedeuten würde.
Ein anderes Beispiel ist Spanien. Dort ist der Streit über die Wohnungsmarktpolitik eskaliert. Regierungschef Pedro Sánchez kündigte daraufhin eine vorgezogene Parlamentswahl im November an.
Die Tatsache, dass Energie, Lebensmittel und viele andere Dinge des täglichen Bedarfs in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden sind, setzt die Mittelschicht und vor allem einkommensschwache Haushalte unter Druck. Die Sorge vor dem Verlust des Lebensstandards schürt Wut auf die Regierungen.
Zu wenig Wachstum
„Aber das eigentliche Problem ist, dass Frankreich und auch die Eurozone insgesamt so wenig wachsen“, so der Ökonom Eckard Schulte von MainSky Asset Management im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Er vergleicht Frankreich mit den USA. „Wenn sie ein Defizit von fünf oder sechs Prozent haben, dann ist es ein Unterschied, ob sie auch mit sechs oder sieben Prozent nominal wachsen wie die USA oder mit einem Prozent wie Frankreich.“
Das habe Auswirkung auf die Schuldenstände in den jeweiligen Volkswirtschaften. Und es bereite den Investoren große Sorgen.
Euro-Schwäche und keine Dollar-Stärke
„Wenn man sich den Euro-Dollar-Kurs ansieht, geht es nicht nur um die Stärke des Dollars, sondern auch um die Schwäche des Euro aufgrund der politischen Lage in Frankreich“, sagte Tommy von Brömsen, Devisenstratege bei Handelsbanken. Das habe auch viel mit den strukturellen Problemen in der Eurozone zu tun, ergänzt Eckard Schulte. „Die Eurozone ist nach wie vor ein fragmentiertes Gebilde. Wir haben zwar eine gemeinsame Währung, aber wir haben immer diese Angreifbarkeit durch die nationalen Finanzmärkte.“
Schulte glaubt nicht, dass sich an der momentanen Euro-Schwäche so schnell etwas ändern werde. „Ich sehe nicht, dass der Euro in diesem Umfeld signifikant aufwerten kann.“
Keine neue Schuldenkrise
Ungeachtet aller Probleme und Turbulenzen wollen viele Ökonomen nicht von einer aufziehenden europäischen Schuldenkrise sprechen. „Frankreich wird nicht bankrott gehen. Die Europäische Zentralbank wird wahrscheinlich unterstützend zu Hilfe kommen“, glaubt Carsten Brzeski. „Man wird ein bisschen durchwurschteln.“
Am Devisenmarkt spiele der Euro nach wie vor eine wichtige Rolle. Es ist nach dem Dollar die zweitwichtigste Leit- und Reservewährung der Welt. Der Euro gehört zu den am stärksten gehandelten Währungen.
An der Dominanz des Dollars und an der wirtschaftlichen Bedeutung der USA werde sich aber so bald nichts ändern, sagt Brzeski. Er verweist auf den großen Kapitalmarkt dort, „in den es sich lohnt zu investieren“. Zudem wachse die US-Wirtschaft stärker als die europäische Wirtschaft. „Und weil es halt auch wenig richtige Alternativen gibt.“

