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Startseite»Politik»Wegen Flüchtlingsunterkunft: Dorf in England stimmt symbolisch für Unabhängigkeit
Politik

Wegen Flüchtlingsunterkunft: Dorf in England stimmt symbolisch für Unabhängigkeit

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 16, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.09.2026 • 17:18 Uhr

Aus Protest gegen die Unterbringung von Flüchtlingen hat ein englisches Dorf symbolisch dafür gestimmt, aus dem Vereinigten Königreich auszutreten. Unterstütztung bekommt es dabei von der Rechtsaußen-Partei Restore Britain.

Franziska Hoppen

Piddington ist ein idyllisches Dörfchen nördlich von Oxford – ein bisschen so, wie man sich das Bilderbuchengland vorstellt. Doch Piddington will nicht mehr Teil von England, Teil des Vereinigten Königreichs, sein. Gestern waren die 350 Bewohner aufgerufen, in einem symbolischen Referendum über ihre Unabhängigkeit abzustimmen.

Susannah Parden, stellvertretende Vorsitzende des Gemeinderats, verkündete das Ergebnis am Morgen: 285 Bürger stimmten für den Austritt aus dem Vereinigten Königreich, 26 dagegen. Wahlbeteiligung: knapp 92 Prozent. Für Parden und die restlichen Anwohner, die sich versammelt hatten, ein voller Erfolg. Piddington sei das Dorf, das sich zur Wehr setze.

Mit ihrer Abstimmung wollten die Anwohner ein Zeichen setzen gegen die Pläne des Innenministeriums, rund 1.250 Asylbewerber auf einem Militärgelände vor den Toren des Dorfes unterzubringen.

Immer wieder Proteste gegen Unterbringung von Geflüchteten

So wirft etwa ein älterer Herr der Labour-Regierung vor: Die Regierung mache sich mitschuldig an den Verbrechen, die diese illegalen Einwanderer bestimmt begehen würden. Das passiere ja schon überall. Und eine andere Anwohnerin meint: Es sei schwierig, wenn so viele Menschen nicht überprüft würden, von denen man nicht wisse, wer sie seien. Und: Da sei das schiere Ausmaß – 1.250 Asylbewerber auf 350 Anwohner.

Wobei nicht klar ist, ob und wann die Menschen tatsächlich in das Dorf kommen würden. In der Nähe befinden sich auch die größeren Städte Bicester und Oxford.

Immer wieder hatten Briten vor Hotels demonstriert, die bislang als schnell verfügbare Unterkünfte genutzt wurden. 2025 gab es eine landesweite Protestwelle, auch Gewalt. Die Labour-Regierung versprach, die Hotelnutzung noch innerhalb dieser Legislaturperiode, also bis voraussichtlich 2029, zu beenden.

Asylanträge dauern teils Jahre

Die Alternative: ehemalige Militärgelände, so wie in Piddington. Doch wenn die Bürger auch das nicht wollen? Stadtrat Tim Bearder von den Liberal Democrats schlägt im BBC-Radio vor: „Die Regierung gibt Dutzende Millionen dafür aus, Menschen umzusiedeln. Stattdessen sollte sie mit dem Geld Antragsverfahren beschleunigen, damit wir denjenigen, die ein Bleiberecht haben, eine angemessene Unterkunft geben und die übrigen zurückschicken können.“

Dass die Bearbeitungszeit teils Jahre dauert, die Unterbringung von Flüchtlingen sich deshalb zieht, liegt am Rückstau von – Stand Juni – etwa 32.000 Fällen. Und der ist auch bedingt durch Personalmangel.

Premierminister Andy Burnham betonte deshalb im Interview mit Sky News: „Ich verstehe die starken Gefühle, landesweit. Aber das Einzige, was wir tun können, ist, die Zahl der Bootsflüchtlinge zu senken – und sie ist bereits gesunken. Auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren.“

Rechtsaußen-Partei unterstützt Proteste

Und mehr als 80.000 Menschen wurden seit Regierungsantritt von Labour 2024 zurückgeführt. Doch vielen Briten reicht das nicht. Ein Frust, den gerade rechte Parteien für den Wahlkampf nutzen. So war auch Rupert Lowe, der Vorsitzende der Rechtsaußen-Partei Restore Britain, in Piddington zu sehen, um Werbung für seine Pläne für Massendeportationen zu machen.

Und Tim McNally, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats, glaubt, Piddington sei der Ausgangspunkt, das kleine Dorf erst der Anfang des Widerstands.

Ob die Asylbewerber tatsächlich demnächst dort untergebracht werden, steht noch nicht fest. Das Genehmigungsverfahren läuft noch.

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