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Startseite»Nachrichten»Wenn der BMI täuscht: Bauchfett erhöht auch bei schlanken Menschen das Risiko fürs Herz
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Wenn der BMI täuscht: Bauchfett erhöht auch bei schlanken Menschen das Risiko fürs Herz

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 12, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Wenn der BMI täuschtBauchfett erhöht auch bei schlanken Menschen das Risiko fürs Herz

12.08.2026, 18:40 Uhr Von Hedviga Nyarsik
messen-bauchumfang-bauchfett
Der Bauchumfang lässt sich mit einem einfachen Maßband bestimmen. (Foto: picture alliance / Shotshop)

Normalgewicht auf der Waage, aber trotzdem ein erhöhtes Herzrisiko? Genau das kann passieren, wenn sich Fett vor allem am Bauch sammelt. Eine neue Langzeitstudie zeigt, warum der BMI allein nicht ausreicht, um das Risiko richtig abzuschätzen. Entscheidend ist demnach, wo das Fett sitzt.

Seit Jahrzehnten dient der Body-Mass-Index (BMI) als schnelle Antwort auf die Frage, ob jemand normalgewichtig, übergewichtig oder adipös ist. Doch der BMI hat einen entscheidenden blinden Fleck: Er verrät nicht, wo sich das Körperfett befindet. Eine große Langzeitstudie zeigt nun, dass gerade diese Fettverteilung für das Herz-Kreislauf-Risiko eine wichtige Rolle spielen könnte – und manche Menschen mit unauffälligem BMI gefährdeter sind, als es ihr Gewicht auf den ersten Blick vermuten lässt.

Für die Studie, die im Fachjournal „Journal of the American College of Cardiology“ (JACC) erschienen ist, wertete ein internationales Forschungsteam Daten von mehr als 260.000 Menschen aus mehreren großen Kohortenstudien aus. Die Teilnehmenden wurden im Durchschnitt rund 20 Jahre begleitet. Erfasst wurde, wie ihr Body-Mass-Index mit Bauchumfang und Taille-Hüft-Verhältnis zusammenhing und wie häufig später unter anderem Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzschwäche oder Vorhofflimmern auftraten.

Der BMI setzt lediglich Körpergewicht und Körpergröße ins Verhältnis. Ob ein hohes Gewicht vor allem durch Muskeln oder Fett zustande kommt und an welchen Stellen der Körper Fett speichert, berücksichtigt er nicht. Das ist laut dem Forschungsteam relevant, weil vor allem das sogenannte viszerale Fett im Bauchraum, das die inneren Organe umgibt, mit Stoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird. Auch frühere Untersuchungen zeigen demnach, dass Maße für die Fettverteilung am Bauch enger mit Gefäßveränderungen zusammenhängen können als der BMI allein.

Hohes Risiko trotz Normalgewicht

Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt die neue Studie: Normalgewichtige mit auffällig hohem Bauchumfang oder Taille-Hüft-Verhältnis hatten ein bis zu 50 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – im Vergleich zu vergleichbaren Personen mit günstigerer Fettverteilung. Dazu gehörten unter anderem Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Vorhofflimmern.

„Wir sahen Menschen, die klinisch als normalgewichtig eingestuft wurden, aber eine erhöhte zentrale Fettansammlung und ein hohes Taille-Hüft-Verhältnis hatten – und damit bei den meisten untersuchten Endpunkten ein höheres Risiko“, erklärt Studienautor Michael Blaha von der Johns Hopkins University laut Mitteilung. Bauchumfang und Taille-Hüft-Verhältnis könnten die Risikoeinschätzung anhand klassischer BMI-Grenzen damit deutlich verändern.

Interessant war auch der umgekehrte Fall. Menschen, die laut BMI als adipös galten, aber keinen erhöhten Bauchumfang hatten, wiesen bei den meisten untersuchten Ereignissen kein statistisch eindeutig höheres Risiko auf als Normalgewichtige mit niedrigem Bauchumfang. Daraus ließe sich allerdings nicht schließen, dass Adipositas grundsätzlich ungefährlich sei, mahnen die Forschenden. Vielmehr unterstreiche das Ergebnis die Schwäche des BMI: Ein hoher Wert sagt allein noch wenig darüber aus, wie viel Fett jemand tatsächlich besitzt und wo es gespeichert ist.

Ein Maßband reicht

„Sich allein auf den BMI zu verlassen, kann dazu führen, dass das Herz-Kreislauf-Risiko bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen falsch eingeschätzt wird“, sagt auch Studienleiterin Zeina Dardari laut Mitteilung. Ärztinnen und Ärzte sollten deshalb auch bei Menschen mit normalem oder nur leicht erhöhtem BMI darauf achten, ob sich Fett verstärkt am Bauch ansammelt. Bauchumfang und Taille-Hüft-Verhältnis hätten dabei einen praktischen Vorteil: Sie lassen sich mit einem einfachen Maßband bestimmen.

Hat der Körper übermäßig viel viszerales Fett eingelagert, äußert sich das typischerweise in einem harten, prallen Bauch bei relativ schlanken Beinen und Armen. Das liegt daran, dass das Fett hinter der Muskulatur im Bauchraum liegt – im Gegensatz zu subkutanem Fett, das unter anderem an Bauch, Beinen und Po direkt direkt unter der Haut sitzt. Dieses Unterhautfettgewebe ist in normalen Mengen nicht gefährlich, sondern wichtig für den Körper, denn es schützt vor Kälte und Stößen.

Viszerales Fett agiert hingegen wie ein aktives Drüsenorgan. Es schüttet ständig entzündungsfördernde Botenstoffe und Hormone aus, die den Blutdruck steigern, zu Insulinresistenz führen und das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Typ-2-Diabetes drastisch erhöhen. Was man gegen das gefährliche tun kann:

  • Zucker und Weißmehl reduzieren: Weniger einfache Kohlenhydrate bremsen das Wachstum des inneren Bauchfetts.

  • Gute Fette nutzen: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (aus Leinöl, Rapsöl, Nüssen oder Fisch) helfen nachweislich beim Abbau von Viszeralfett.

  • Kombiniert trainieren: Ausdauersport (Joggen, Radfahren) plus Krafttraining kurbeln den Energieverbrauch an und bauen gezielt ab.

  • Stress abbauen: Weniger Cortisol senkt die Neigung zu Fetteinlagerungen am Bauch.

Entscheidend, wo das Fett sitzt

Zu den Einschränkungen der aktuellen Studie zählt, dass die Forschenden wichtige mögliche Einflussfaktoren wie Ernährung, körperliche Aktivität oder genetische Veranlagung für Übergewicht nicht berücksichtigen konnten. Zudem wurden Bauchumfang und Taille-Hüft-Verhältnis jeweils nur einmal erfasst. Wie sich Zu- oder Abnahmen des Bauchfetts im Laufe der Jahrzehnte auf das Risiko auswirkten, lässt sich deshalb nicht beurteilen.

Trotzdem fügen sich die Ergebnisse in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die den BMI als alleinigen Maßstab infrage stellen. Eine aktuelle JACC-Metaanalyse mit mehr als 68.000 Menschen kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Bauchumfang und Taille-Hüft-Verhältnis stärker mit Verkalkungen der Herzkranzgefäße zusammenhingen als der BMI. „Es ist Zeit, den alleinigen Fokus auf den Body-Mass-Index aufzugeben“, sagt JACC-Chefredakteur Harlan Krumholz zur neuen Studie. Entscheidend sei nicht nur, wie viel Körpermasse ein Mensch mit sich trägt – sondern auch, wo sie sitzt.

Quelle: ntv.de

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