„Wer wird Millionär?“25 Jahre später: Kandidatin triumphiert beim zweiten Anlauf

„Wer wird Millionär?“ war noch neu, da scheiterte Miriam Haus knapp. Ein Vierteljahrhundert später tritt die alleinerziehende Mutter mit sehr viel mehr Lebenserfahrung an und wird zur Siegerin des Abends. Moderator Jauch hat eine Karte für die Elbphilharmonie sicher.
Wer weiß, wie anders Miriam Haus‘ Leben mit einem Gewinn bei „Wer wird Millionär?“ (WWM) verlaufen wäre. „Frau Haus, wenn man Sie so anschaut, hält man es nicht für möglich, dass Sie angeblich, und meine Erinnerung reicht so weit auch nicht mehr zurück, vor einem Vierteljahrhundert hier schon mal in der Sendung waren“, verriet Günther Jauch am Montagabend auf RTL (auch auf RTL+ abrufbar). Denn vor ihm saß nicht etwa eine Seniorin, sondern eine alleinerziehende Mutter Mitte Vierzig. Und die startete an diesem Abend einen verspäteten, dafür aber womöglich umso schöneren Siegeszug.
„Wer wird Millionär?“ war gerade einmal einige Jahre alt und Gewinne wurden noch in D-Mark ausgezahlt, da hatte Haus ihr Schicksal in der eigenen Hand. Die damals 21-jährige Auszubildende stand tatsächlich kurz davor, auf dem heißen Stuhl um die Million zu spielen. Doch sie scheiterte ganz knapp. „Ich hatte zweimal die zweitschnellste Zeit“, erinnerte sich die Augenoptikerin.
Tolles Comeback bei WWM
Am Montagabend wurde ihr Traum in der dritten Auswahlrunde dann endlich Realität. Und die Karlsruherin machte das Beste aus ihrer verspäteten zweiten Chance – und war nach eigener Einschätzung durch ihre Lebenserfahrung sehr viel ruhiger als damals. Als einzige Kandidatin des Abends wählte sie die Sicherheitsvariante und fuhr damit den mit Abstand höchsten Gewinn ein. „Das Kind hat Wünsche“, erklärte sie mit Blick auf ihren 14-jährigen Sohn den Verzicht auf den risikoreichen vierten Joker. „Das kann ich gut nachvollziehen, da häufen sich die Wünsche“, kommentierte Jauch.
Haus zog in der 4000-Euro-Runde bereits ihren ersten Joker, wagte aber auch einiges und das ausgerechnet auch bei der Sicherheitsstufe. Für 16.000 Euro sollte sie wissen, wie mehrere Gemäldeserien des Porträtmalers Giuseppe Arcimboldo heißen: Vier Musketiere, Vier gewinnt, Vier Jahreszeiten oder Vierschanzentournee? Sie wusste nicht, dass der Künstler Gesichter aus Gemüse komponiert hat, fand jedoch, dass nur „Vier Jahreszeiten“ Sinn ergab.
Anschließend stand Jauchs Comeback-Kandidatin nach dem 50:50-Joker vor der Frage, ob Hummeln als Wildbienen oder aber Bienen als Wildwespen bezeichnet werden. Als der Moderator anregte, das Ergebnis mithilfe des Telefonjokers einzugrenzen, erwiderte Haus „Ne, ich zocke jetzt“ und entschied sich für die Hummeln, ohne das dem skeptischen Jauch groß erklären zu können.
Jauch: Schwarzgeld als Trostpreis
Umso lauter fiel der Applaus im „Wer wird Millionär?“-Studio aus (übrigens dasselbe, in dem Haus vor 25 Jahren bereits gefiebert hatte), als sich die Vermutung als korrekt herausstellte. „Sieht doch gut aus. Wenn Sie das mit dem Zwanni von vor 25 Jahren vergleichen“, lobte Jauch. Eingangs hatte die Kandidatin nämlich verraten, dass sie damals quasi als Trostpreis 20 D-Mark bar auf die Hand bekommen hatte. „Schwarz und unversteuert!“, kommentierte der überraschte Jauch. Dann mutmaßte er aber zu dem Zwanziger: „Ich glaube, der kam von mir.“
Wie lange Haus auf ihr Comeback warten musste, zeigte sich auch an dem Umstand, dass sie sich damals von den 20 DM zehn Kölsch hatte kaufen können, um ihren Kummer zu dämpfen. Seitdem hatte sie es zwar immer mal wieder mit einer Bewerbung bei der RTL-Quizshow versucht, wurde aber erst in diesem Jahr erneut erhört.
Am Ende wurde Haus mit 64.000 Euro zur Gewinnerin des Abends und das aus eigener Kraft. „Welche dieser berühmten Damen erlebte keine Jahrhundertwende: Coco Chanel, Marie Curie, Astrid Lindgren, Marie Antoinette?“, stellte Jauch eine zugegeben vergleichsweise einfache 64.000-Euro-Frage. Haus fiel sofort auf, dass nur die während der Französischen Revolution geköpfte französische Kaiserin gemeint sein konnte.
Dass Umbrien die einzige der 20 italienischen Regionen ist, die weder einen Zugang zum Meer noch eine Grenze zum Ausland hat, wussten dann weder Haus noch ihr Ex-Partner als Telefonjoker. „Ich bin mehr als glücklich damit“, freute sich die Optikerin über ihr erfolgreiches Comeback. Ihr Sohn bekommt nun das bereits reservierte Tablet samt Zubehör, sie selbst will sich vermutlich eine luxuriöse Lederjacke von Saint Laurent gönnen: „Hat man sein ganzes Leben. Das hält länger als so ein iPad.“ Oder vielleicht doch lieber eine BahnCard 100 1. Klasse? „Lieber Lederjacke“, meinte Jauch.
Morgenurin gegen Marder
Der Schädlingsbekämpfer Claas Derkowski aus Bremerhaven hatte es nach der großen Drei-Millionen-Euro-Woche als erster Kandidat auf den heißen Stuhl bei „Wer wird Millionär?“ geschafft. Dank ihm weiß Jauch nun, was der Mittelstrahl beim Morgenurin ist und dass er dabei helfen kann, unliebsame Marder vom Dachboden zu vertreiben. An so einer 125.000-Euro-Frage wäre er auch nach 27 Jahren WWM gescheitert, räumte Jauch ein. „Mittelstrahl oder Mittelstreifen?“, fragte er nach. Kommentar der Regie: „Der Streifen ist hinten.“
Über 16.000 Euro freute sich anschließend außerdem Iris Wedemeyer aus Hamburg. Ihr Zusatzjoker sicherte ihr die Gewinnsumme, denn er wusste, dass der Magen bei Neugeborenen winzig wie eine Murmel ist, am zehnten Tag aber bereits die Größe eines Hühnerei hat. In der nächsten Runde war es aber sowohl der Kandidatin als auch ihrem Telefonjoker neu, dass im Dax gleich drei Unternehmen „Siemens“ im Namen tragen (Siemens, Siemens Energy, Siemens Healthineers). „Alles gut, freue mich sehr“, sagte die Hamburgerin, die die Abendkasse der Elbphilharmonie leitet und Jauch einlud: „Ich besorge Ihnen eine Karte.“
Nachdem Haus sich verabschiedet hatte, sicherte sich noch rasch Eike Sievers die Chance auf die Million. Der Kölner komplettierte das Quartett ungebundener Kandidaten des Abends. „Es wimmelt heute von ledigen Singles“, stellte Jauch fest. „Muss ja nicht so bleiben“, erwiderte Sievers. „Untereinander!“, freute sich der Moderator.
Sievers kehrt nächsten Montag mit der 16.000-Euro-Frage zurück. Viel hätte jedoch nicht gefehlt und er wäre wegen seines Zusatzjokers bereits in der siebten Runde ausgeschieden. „Wer hat sich mit seiner sportlichen Ausdauer sogar einen Platz im Duden erkämpft: Ironmanni, Nordic-Waldi, Marathoni, Tour-de-Franzi?“, lautete die Frage. Der Zuschauer fand: „Marathoni“ muss einfach der Plural von „Marathon“ sein. Die Antwort war korrekt, die Erklärung hingegen Unsinn. Marathoni ist ein Synonym für „Marathonläufer“, wie ein anderer Zuschauer richtigstellen konnte. Dafür hätte es früher 20 Mark gegeben, heute nur Ehre, befand Jauch.