Wut auf Rechenzentren steigtDie „blaue Welle“ könnte den KI-Sektor überschwemmen
Für über die Hälfte der Wähler in den USA sind KI-Rechenzentren ein wichtiger Faktor bei der Wahlentscheidung. Kandidaten, die sich für ein Moratorium für Rechenzentren einsetzen, gewinnen vor allem in Staaten mit zentraler Bedeutung für die Industrie. Tech-Aktien stürzen in Folge ab.
Bei den Kongresswahlen in den USA haben die Demokraten das Repräsentantenhaus und den Senat zurückerobert. Das gefällt der Wall Street gar nicht: Sie blickt auf eine Riege neuer Abgeordneter, die Künstlicher Intelligenz skeptisch gegenüberstehen. Das belastet vorbörslich die Aktienkurse vieler Tech-Unternehmen. Der Nasdaq 100 liegt vorbörslich rund 2 Prozent im Minus. Der südkoreanische Kospi-Index gibt um 3 Prozent nach.
US-Präsident Donald Trump hat den Bau von für KI wichtigen Rechenzentren bisher fast ungehindert unterstützt. Die Demokraten sehen die Entwicklung deutlich skeptischer. In Nachwahlbefragungen von NBC News gaben 56 Prozent der Wähler an, dass KI-Rechenzentren ein entscheidender oder wichtiger Faktor bei ihrer Wahlentscheidung für den Kongress waren – und diese Wähler stimmten überwiegend für die Demokraten.
Klar ist bereits, dass die Demokratin Keisha Lance Bottoms das Gouverneursrennen in Georgia gewinnen wird. Damit wird eine Befürworterin von Moratorien – also dem zeitlich befristeten Stopp – für Rechenzentren das politische Spitzenamt des Bundesstaates übernehmen. Ähnlich ist die Lage in Texas und Ohio. Der überraschende Sieg von Regina Hinojosa, der demokratischen Kandidatin für das Gouverneursamt in Texas, könnte laut Prognosen viele angekündigte Projekte gefährden: Sie befürwortet ein sofortiges Moratorium für Rechenzentren. In Ohio setzte sich der frühere demokratische US-Senator Sherrod Brown gegen den bisherigen republikanischen Mandatsträger Jon Husted durch. Auch er modellierte seine Wahlkampagne um die Gefahr durch Rechenzentren.
Texas ist von zentraler Bedeutung für den Bau weiterer Rechenzentren. Etwa ein Viertel der bis 2030 prognostizierten US-Rechenzentrumskapazität entfällt auf den Bundesstaat. Zahlreiche Unternehmen sind in dem Bereich involviert.
Die „Bedrohung für Tech“ scheint das Hauptthema zu sein, das sich aus dem Wahlergebnis abzeichnet, meinte Sean Callow, leitender Devisenstratege bei ITC Markets. Händler seien besorgt über eine wachsende Gegenreaktion auf den Bau von Rechenzentren für KI, während der Sektor voraussichtlich einer strengeren Regulierung gegenüberstehe.
Insgesamt befassten sich Wähler in mehr als 40 Städten und Landkreisen im ganzen Land mit Initiativen im Zusammenhang mit Rechenzentren, von denen die meisten solche Entwicklungen einschränken würden. In mehreren Städten in Ohio, Kansas und Florida wurden Verbote für den Bau von Rechenzentren beschlossen. Befürchtungen, dass Rechenzentren die Strompreise in die Höhe treiben, lokale Wasserquellen verbrauchen und unfairerweise von Steuerbefreiungen profitieren, führten vor den Wahlen landesweit zu Gegenwind.
