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Politik

Zinserhöhung der US-Notenbank – ein Signal an Donald Trump?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 17, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Analyse

Stand: 17.09.2026 • 14:31 Uhr

US-Präsident Trump möchte niedrigere Zinsen. Doch die Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins erhöht. Was sagt die Entscheidung über die Unabhängigkeit von Fed-Chef Warsh?

Michelle Goddemeier

Kevin Warsh hat am Mittwochabend eine klare Botschaft gesendet. „Unsere heutige Entscheidung war die richtige“, sagte der neue Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nach der Sitzung. Die Inflation sei zu hoch und das schon zu lange. Deshalb hob die Fed den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an.

Das allein war keine Überraschung. Die Finanzmärkte hatten mit der Erhöhung gerechnet. Bemerkenswert ist vielmehr, wer diese Entscheidung getroffen hat: Kevin Warsh, den Trump selbst an die Spitze der Fed gesetzt hatte und von dem sich der Präsident eine deutlich lockerere Geldpolitik erhofft hatte.

„Die Zinsentscheidung kann als Kampfansage interpretiert werden. Vor allem als Kampfansage für die Durchsetzungsfähigkeit der Fed“, sagt Ascan Iredi, Kapitalmarktstratege der Plutos Vermögensverwaltung gegenüber der ARD-Finanzredaktion.

Trumps Hoffnung auf Kurswechsel

Als Trump Warsh Anfang des Jahres zum neuen Fed-Chef ernannte, war damit auch die Hoffnung auf einen Kurswechsel verbunden. Im Mai bestätigte der republikanisch dominierte Senat Trumps Wunschkandidaten. Der US-Präsident hatte dessen Vorgänger Jerome Powell immer wieder wegen dessen Zinspolitik angegriffen. Die Zinsen sind aus Trumps Sicht zu hoch.

Trump machte nach Warshs Amtsantritt keinen Hehl daraus, was er erwartete: Der Leitzins in den USA solle auf ein Prozent oder darunter sinken. Noch am Mittwoch bekräftigte er diese Forderung.

Denn niedrigere Zinsen verbilligen unter anderem Kredite und Hypotheken und können damit die Wirtschaft und den Immobilienmarkt stützen. Die USA haben Schulden in Höhe von 40 Billionen Dollar. „Jeder Zinsanstieg kostet natürlich Geld. Und da hofft man auf Entlastungen“, erklärt Andreas Lipkow, Analyst bei CMC Marktes im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Zinssenkungen seien jedoch Wunschdenken der Politik.

Fed signalisiert vorerst keine Kehrtwende

Die Entscheidung vom Mittwoch passt nicht zu Trumps Vorstellungen. Die Fed erhöhte den Leitzins einstimmig um 0,25 Prozentpunkte. Als Begründung verwies Warsh auf die anhaltend hohe Inflation. Gleichzeitig seien Wirtschaft und Arbeitsmarkt robust genug, um eine weitere Straffung der Geldpolitik zu verkraften.

„Ich glaube, Warsh ist ein Falke. Er war immer ein Falke und er setzt jetzt das durch, was am Ende für die Geldwertstabilität wichtig ist“, sagt Kapitalmarktstratege Iredi. Mit „Falken“ sind in der Finanzwelt Entscheidungsträger in den Notenbanken gemeint, die eine strenge und restriktive Geldpolitik zur Bekämpfung der Inflation bevorzugen.

Auch für die kommenden Monate signalisiert die Fed keine schnelle Kehrtwende. In ihren neuen Projektionen rechnen die Notenbanker mit einem weiteren Zinsschritt bis Ende 2026. Die Mehrheit der Fed-Mitglieder sieht damit weiterhin ein höheres Zinsniveau vor.

Warsh betont die Unabhängigkeit

Warsh hat die jüngste geldpolitische Entscheidung mit dem gesetzlichen Auftrag der Fed begründet und deren Unabhängigkeit betont. Auf die Frage nach seiner Botschaft an Trump wollte sich Warsh bei der Pressekonferenz nicht einlassen. Stattdessen verwies er auf die Aufgabe der Notenbank: Zur Unabhängigkeit der Zentralbank gehöre auch, sich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern.

„Die Unabhängigkeits-Demonstration ist ein sehr, sehr wichtiger Schritt“, sagte Analyst Lipkow. Der Kampf zwischen der Notenbank und dem Präsidenten habe in der Vergangenheit nämlich für große Unsicherheit an den Finanzmärkten gesorgt.

Trump reagiert prompt

Der Präsident bezeichnete Warsh vor Journalisten zwar weiterhin als „guten Mann“, warf dem Fed-Gremium aber vor, die Zinsen aus politischen Gründen zu erhöhen. Die Zinssätze seien zu hoch, schrieb er zudem erneut auf der Plattform Truth Social.

Damit bleibt der grundsätzliche Konflikt bestehen: Trump will eine deutlich lockerere Geldpolitik, während die Fed angesichts der Inflation an einem vergleichsweise hohen Zinsniveau festhält. Die entscheidende Frage wird sein, wie Warsh reagiert, wenn Trump den Druck auf die Notenbank weiter erhöht.

„Eigentlich war diese Zinserhöhung längst überfällig. Dadurch ist schon ein kleiner Schaden eingetreten, was die Glaubwürdigkeit betrifft“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. Warsh müsse mehr tun, um die Amerikaner und die Finanzmärkte davon zu überzeugen, dass er wirklich unabhängig von Trump ist.

Der Dollar legt zu

An den Finanzmärkten sorgte weniger die Zinserhöhung selbst als der Ausblick der Fed für Bewegung. Der Dollar legte am Donnerstag zu. Der Dollar-Index stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit Ende Juli. Der Euro fiel zeitweise auf rund 1,15 Dollar.

Währungsstrategen werteten Warshs Aussagen als restriktiver als erwartet. Vor allem der Hinweis auf einen möglichen weiteren Zinsschritt stützte den Dollar. Denn höhere US-Zinsen können Anlagen in Dollar attraktiver machen.

An der Wall Street war die Reaktion dagegen negativ. Der Dow Jones verlor am Mittwoch 1,2 Prozent. Die Aussicht auf möglicherweise länger hohe Zinsen belastete die Aktienmärkte.

DAX am Mittag im Plus

Der deutsche Aktienmarkt zeigte am Donnerstag zunächst ein anderes Bild. Der DAX legte am Mittag um rund 0,6 Prozent zu.

Ein wichtiger Grund dafür waren die weiter fallenden Ölpreise. Bereits am Mittwoch war Rohöl der Sorte Brent deutlich billiger geworden. Hinweise auf eine mögliche teilweise Wiederaufnahme einer wichtigen Ölpipeline in Saudi-Arabien hatten den Ölpreis belastet.

Für die Märkte bleibt damit entscheidend, wie sich die Inflation in den kommenden Monaten entwickelt. Sollte der Preisdruck weiter hoch bleiben, könnte die Fed ihre Geldpolitik länger straff halten. Sollte dagegen der Energiepreis-Schub nachlassen, könnte der Inflationsdruck wieder zurückgehen.

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