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Startseite»Politik»31 Jahre nach Srebrenica-Massaker: Trauer und Suche nach Spuren
Politik

31 Jahre nach Srebrenica-Massaker: Trauer und Suche nach Spuren

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 11.07.2026 • 15:11 Uhr

Srebrenica – dieser Name steht für eines der größten Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg. Soldaten ermordeten dort vor 31 Jahren mehr als 8.000 Bosniaken. Bis heute suchen Angehörige nach Spuren der Opfer.

David Freches

Ein Friedhof voller Menschen – mit Familien und Freunden, die an Gräbern stehen und der Opfer des Völkermordes von Srebrenica gedenken. Der Genozid jährt sich zum 31. Mal. Im Juli 1995 ermordeten bosnisch-serbische Soldaten im Bosnien-Krieg dort mehr als 8.000 Bosniaken.

Wer verstehen will, wie wichtig es ist, auch nach all diesen Jahren ein Grab auf dem Friedhof zu haben, bekommt die Antwort von Munira Subasic. Sie ist die Präsidentin vom Verein Mütter von Srebrenica. Ein Bündnis aus Hinterbliebenen, das sich für Aufklärung und ein würdevolles Gedenken einsetzt.

„Ich habe den Völkermord überlebt, aber 22 meiner Familienangehörigen wurden umgebracht“, sagt sie. „Mein Mann wurde getötet, mein jüngster Sohn, den ich am meisten geliebt habe. Sie wurden umgebracht, weil sie einen anderen Namen hatten und muslimisch waren. Ich habe nur zwei Knochen von meinem Sohn gefunden, aber ich habe einen Grabstein; einen Ort, um zu zeigen, dass er in Srebrenica gelebt hat. Aber viele Mütter haben das nicht.“

Zehn Opfer werden in diesem Jahr bestattet

Auch Alnes Alic hatte das lange nicht. Er ist einer der Menschen, die an diesem Wochenende auf dem Friedhof getrauert haben. „Meine Großeltern wurden im Krieg getötet, mein Vater ebenfalls.“ Auch drei seiner Onkel väterlicherseits, drei Onkel mütterlicherseits und weitere Verwandte wurden umgebracht.

Alnes war ein Jahr alt, als sein Vater ermordet wurde. Seine sterblichen Überreste waren in einem der zehn Särge, die für die Trauerfeier an der Gedenkstätte und auf dem Friedhof in Potocari angekommen sind, einem kleinen Dorf ganz in der Nähe von Srebrenica. Es sind die zehn Opfer, die in diesem Jahr bestattet wurden. Einige Überreste wurden bereits 1997 entdeckt, andere erst vor vier Jahren.

Hoffnung auf weitere Knochenfunde

Viele der Familien dahinter warten auf die Entdeckung weiterer Massengräber – in der Hoffnung, zumindest noch weitere Knochen zu finden und die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen in möglichst vollständigem Zustand bestatten zu können. Es ist eine schmerzliche Hoffnung. Das weiß auch Emza Fazlic. Sie arbeitet in Sarajevo am Institut für Vermisste Bosnien-Herzegowinas.

„Besonders von den Menschen, die dieser Tage beigesetzt werden, sind im Durchschnitt nur etwa 50 Prozent des Skeletts vorhanden“, sagte sie. „Das zeigt, dass dieses Verbrechen bis heute andauert – in gewisser Weise.“ Noch immer werde nach Überresten gesucht. „Knochen für Knochen wird untersucht, über Jahre hinweg, und bereits bestatteten Opfern zugeordnet.“

900 Menschen werden noch vermisst

Die sterblichen Überreste zu identifizieren ist eine gleichermaßen komplexe wie auch schmerzhafte Arbeit – vor allem für die Angehörigen.

Sie erleben ihre Traumata immer wieder neu. Viele glaubten, mit der ersten Beisetzung zumindest einen Teil ihrer Trauer abschließen zu können. Doch dann müssen wir sie erneut kontaktieren, erneut um ihre Zustimmung bitten, das Grab zu öffnen und weitere sterbliche Überreste beizusetzen. So werden sie gezwungen, dieselbe Erfahrung auch drei Jahrzehnte später immer wieder zu durchleben.

Aber es gehe darum, allen Opfern ihre Würde zurückzugeben, sagt Emza Fazlic. Und so suchen sie und ihr Team auch 31 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica noch weiter. 900 Menschen werden noch vermisst.

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Dr. Heinrich Krämer
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