92 Prozent sehen Iran als SiegerIsrael lehnt Abzug aus dem Libanon strikt ab
Trotz einer Waffenruhe bleibt Israels Armee im Südlibanon – und die gegenseitigen Angriffe gehen weiter. Während Verteidigungsminister Katz weiter auf Eskalation setzt, offenbart eine Umfrage, wie wenig Rückhalt Israels Vorgehen in der eigenen Bevölkerung noch hat.
Israel ist nach Worten des Verteidigungsministers Israel Katz nicht bereit, Einschränkungen beim Vorgehen seiner Armee im Südlibanon zu akzeptieren. Man könne dort weiterhin „Maßnahmen zur Beseitigung von Bedrohungen ergreifen“, hieß es in einer Mitteilung von Katz.
Nach tödlichen Angriffen auf israelische Truppen habe die Armee zuletzt „mit großer Härte reagiert“ und „eine sehr große Zahl von Hisbollah-Kämpfern ausgeschaltet“, hieß es weiter. „Der Schutz des Lebens unserer Soldaten und Bürger hat oberste und uneingeschränkte Priorität.“
Auch nach Verkündung einer Waffenruhe blieben die israelischen Truppen im Südlibanon, bekräftigte er. „Israel wird sich nicht aus der Sicherheitszone im Libanon zurückziehen“, sagte er demnach. Die libanesische Regierung stuft das von Israel kontrollierte Areal als völkerrechtswidrig besetztes Staatsgebiet ein.
Das bilaterale Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA sieht eine umfassende Beendigung der militärischen Konflikte in der Region vor – also auch im Libanon. Israel wirft auch der Hisbollah wiederholte Verstöße gegen die Waffenruhe vor.
Mehrheit der Israelis sieht sich als Verlierer
In der israelischen Bevölkerung kommt der Kurs der Regierung kaum an. Rund 83 Prozent der Israelis sind einer Umfrage zufolge überzeugt, dass der Feldzug Israels langfristige Sicherheit geschwächt habe, wie israelische Medien über die Umfrage der Hebräischen Universität in Jerusalem in Zusammenarbeit mit dem Agam-Institut berichteten. Eine überwältigende Mehrheit von 92 Prozent sieht außerdem den Iran als Sieger des jüngsten Kriegs in der Region.
86 Prozent der 3644 Befragten im Alter ab 17 Jahren bewerteten die Ergebnisse des Kriegs negativ. Es handelte sich um eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung, die Fehlermarge betrug 2,2 Prozent. Die Befragung fand zwischen dem 17. und 20. Juni statt.
Weiterhin glauben rund 73 Prozent der Befragten dem Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nicht, als er sagte, Israel habe bedeutende Erfolge im Krieg erzielt und eine existenzielle Bedrohung beseitigt. Rund 88 Prozent der Israelis sind demnach der Ansicht, dass das Land seine Ziele nicht oder nur teilweise erreicht hat. Rund 56 Prozent der Befragten sahen den Berichten zufolge Netanjahus Kriegsführung als schlecht oder gescheitert an.
