Die „Hondius“, auf der das Hantavirus ausgebrochen ist, nimmt Kurs in Richtung Teneriffa. Auf der Kanareninsel laufen die Vorbereitungen. In Südafrika wird derweil nach Dutzenden Kontaktpersonen gesucht, die sich infiziert haben könnten.
Die Suche nach möglichen Infizierten geht weiter. In Südafrika versuchen Behörden nachzuvollziehen, mit wem eine an dem Hantavirus verstorbene niederländische Patientin vor ihrem Tod in Kontakt gekommen ist. Die Frau war an Bord des Kreuzfahrtschiffes „Hondius“ erkrankt und anschließend mit einer Linienmaschine der Fluggesellschaft Airlink von der Atlantikinsel St. Helena nach Johannesburg geflogen.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Pretoria werden deshalb sämtliche Passagiere und Crewmitglieder dieses Fluges kontaktiert, sowie Personal und Passagiere am internationalen Flughafen OR Tambo in Johannesburg, wo sich der Gesundheitszustand der Erkrankten dramatisch verschlechtert hatte.
Gesundheitsminister bezeichnet Gefahr als gering
Auch in dem Krankenhaus, in dem die Frau später starb, werden Ärzte und Pflegekräfte überwacht. Nach Angaben der südafrikanischen Behörden wurden inzwischen mehr als 60 mögliche Kontaktpersonen identifiziert. Bestätigte Folgeinfektionen gibt es bisher nicht.
Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi bezeichnete die Gefahr für die Bevölkerung erneut als gering. Das Virus sei bislang nicht in Südafrika heimisch, sondern wahrscheinlich durch internationale Reisende eingeschleppt worden.
Teneriffa bereitet sich auf Ankunft der „MS Hondius“ vor
Unterdessen bereiten sich Behörden auf den Kanarischen Inseln auf die Ankunft des Kreuzfahrtschiffes „Hondius“ vor. Die Passagiere und Besatzungsmitglieder sollten unter großen Sicherheitsvorkehrungen von Bord geholt werden, teilten die Behörden der zu Spanien gehörenden Region mit.
Die Leiterin der spanischen Notfalldienste, Virginia Barcones, sagte, die Menschen sollten nach der Ankunft vollständig isoliert werden. Die „Hondius“ wird für das Wochenende auf Teneriffa erwartet. Die USA und Großbritannien hätten angekündigt, ihre Bürger von dort auszufliegen.
Das Schiff hatte zuletzt tagelang in Kap Verde vor der westafrikanischen Küste festgelegen. Mehrere Erkrankte und Verdachtsfälle wurden von Bord geholt und ausgeflogen. Nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft Oceanwide Expeditions zeigt bislang keiner der an Bord verbliebenen Menschen Symptome.
Großbritannien gibt weiteren Verdachtsfall bekannt
Die britischen Behörden gaben zudem einen dritten Verdachtsfall bei einem Briten bekannt. Wie die Gesundheitsbehörde UKHSA mitteilte, wurde der Verdachtsfall auf der Insel Tristan da Cunha im Südatlantik gemeldet. Tristan da Cunha gehört zur selben Inselgruppe wie die Insel St. Helena, auf der Dutzende Passagiere der „Hondius“ von Bord gegangen waren.
Zwei weitere britische Staatsangehörige werden in Krankenhäusern in den Niederlanden und in Südafrika wegen Symptomen einer Hantavirus-Infektion behandelt. Die britischen Staatsangehörigen, die sich noch an Bord des Kreuzfahrtschiffes befinden, haben nach Angaben der Behörde derzeit keine Symptome, werden aber „intensiv überwacht“.
WHO stuft Risiko als „absolut gering“ ein
Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist das Risiko für die Allgemeinbevölkerung durch das auf der „Hondius“ aufgetretene Hantavirus dennoch „absolut gering“. Der Erreger sei zwar gefährlich, „aber nur für die Person, die wirklich infiziert ist“, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier auf einer Pressekonferenz in Genf.
Für eine Infektion von Mensch zu Mensch sei „sehr enger Kontakt“ nötig, betonte Lindmeier. Er wies darauf hin, dass selbst Menschen, die auf dem Schiff in den selben Kabinen übernachtet hatten, „in manchen Fällen nicht infiziert worden sind“.
Aktuell sind Angaben der WHO vom Donnerstag zufolge fünf Infektionen mit dem Hantavirus nachgewiesen. Drei weitere mutmaßliche Patienten gelten als Verdachtsfälle. Nach dem Ausbruch des Hantavirus an Bord der „Hondius“ sind drei Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben – ein niederländisches Ehepaar und eine Frau aus Deutschland.
Mit Informationen von Stephan Ueberbach, ARD-Studio Johannesburg
