Nach Hantavirus-AusbruchEU-Staaten schicken Flugzeuge zur Evakuierung der „Hondius“
Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff vor den Kanaren bereiten mehrere europäische Staaten die Evakuierung ihrer Bürger vor. Die WHO entsendet ihren Chef nach Spanien, um den Einsatz zu begleiten.
Deutschland, Frankreich, Belgien, Irland und die Niederlande schicken Flugzeuge nach Spanien zur Evakuierung ihrer Staatsangehörigen von dem Kreuzfahrtschiff, auf dem das Hantavirus ausgebrochen ist. Das teilte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska mit. Die „MV Hondius“ ist derzeit auf dem Weg von den Kapverden zur kanarischen Insel Teneriffa, die zu Spanien gehört, und soll dort in der Nacht zwischen drei und fünf Uhr Ortszeit ankommen. Die Europäische Union entsende zudem zwei weitere Maschinen für die übrigen EU-Bürger. Für Passagiere aus Nicht-EU-Staaten, deren Heimatländer keine eigenen Flüge organisieren könnten, bereiteten die USA und Großbritannien Notfallpläne und Transportmöglichkeiten vor.
Die spanischen Passagiere sollen das Schiff als Erste verlassen. Die Reihenfolge für die übrigen Nationalitäten werde von den Gesundheitsbehörden festgelegt, sagte Grande-Marlaska weiter. Die Reisenden dürften erst von Bord gehen, wenn ihr jeweiliges Evakuierungsflugzeug abflugbereit sei. Sie dürften zudem nur die wichtigsten persönlichen Gegenstände mitnehmen. Das restliche Gepäck sowie die Leiche eines an Bord verstorbenen Passagiers verbleiben auf dem Schiff, wie die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia sagte. Dieses soll anschließend in die Niederlande gebracht und dort desinfiziert werden.
Unterdessen traf auch der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, in Spanien ein. Er wird dann mit spanischen Regierungsmitgliedern nach Teneriffa weiterreisen, um die sichere Evakuierung der Passagiere zu überwachen. Auf der Kurznachrichtenplattform X teilte Tedros mit, er stehe in Kontakt mit dem Kapitän und einem WHO-Mitarbeiter an Bord. Derzeit weise keine weitere Person auf dem Schiff Symptome einer Hantavirus-Infektion auf.
Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin befindet sich „eine mittlere einstellige Zahl“ deutscher Staatsbürger an Bord. Laut einer früheren Liste der „Hondius“-Reederei Oceanwide Expeditions sind es sechs lebende Deutsche sowie die Leiche des deutschen Todesopfers. Am Freitag hatte die WHO mitgeteilt, dass bis dahin insgesamt acht Hantavirus-Fälle gemeldet worden seien, darunter drei Todesfälle. „Sechs Fälle wurden im Labor als Hantavirus-Infektionen bestätigt“, hieß es weiter.
Alle sechs Infektionen sind den Angaben zufolge auf den in Südamerika verbreiteten Andes-Virusstamm zurückzuführen, dem einzigen Hantavirus-Stamm, der von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Der Erreger kann schwere Atemwegserkrankungen verursachen. In den zwei weiteren Verdachtsfällen sei eine Infektion „wahrscheinlich“, hieß es. Auf dem Kreuzfahrtschiff selbst gibt es laut WHO keine weiteren Verdachtsfälle. Nach Angaben der WHO befinden sich derzeit vier Menschen im Krankenhaus, „einer auf der Intensivstation in Johannesburg in Südafrika, zwei in verschiedenen Krankenhäusern in den Niederlanden und ein weiterer in Zürich in der Schweiz“, hieß es.
