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Heute selten geworden: Wie funktioniert der Zigarettenanzünder?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 10, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Heute selten gewordenWie funktioniert der Zigarettenanzünder?

Einst waren Aschenbecher und Zigarettenanzünder – wie bei diesem VW Golf aus dem Jahr 1976 – fester Bestandteil im Armaturenbrett. (Foto: Volkswagen)

Einst gehörte das Rauchen im Auto zum Alltag. Die Industrie sorgte für eine einfache und bequeme Handhabung mit integrierten Zigarettenanzündern. Mittlerweile ist dieses Detail bei Neuwagen ein Exot; einige Hersteller bieten als Extra weiter Raucherpakete an.

Kaum ein Bauteil steht so sehr für eine vergangene Epoche in der Welt des Automobils wie der Zigarettenanzünder. Heute ist dieses einst weit verbreitete Ausstattungsdetail selten geworden, obwohl es über Jahrzehnte hinweg so selbstverständlich zum Auto gehörte wie das Lenkrad.

Die Wurzeln des Zigarettenanzünders reichen ins späte 19. Jahrhundert zurück. Anfang der 1880er-Jahre hatte der Alpenländler Friedrich Wilhelm Schindler eine zündende Idee: Unter Einfluss von Strom eine Metallspirale zum Glühen zu bringen, um dann mit dieser die damals beliebten Zigarren entzünden zu können. In der Folge verbreiteten sich der sogenannte Cigarrenanzünder in Haushalten, Hotels und Restaurants. Das kleine elektrische Heizgerät, das Zigarren komfortabel entzündet, war eine saubere und sichere Alternative zu Streichhölzern und offenen Flammen.

Premiere 1924 bei Cadillac

Mit dem Aufkommen elektrischer Bordnetze fand die Technik schließlich auch ihren Weg ins Automobil. Als werksseitig montiertes Extra feierte der Streichholz-Ersatz 1924 bei der US-amerikanischen Luxusmarke Cadillac – zunächst jedoch etwas großbürgerlich als „Zigarrenanzünder“ – Premiere. Zuvor waren laut der Zeitschrift „Oldtimer Markt“ Nachrüstlösungen verfügbar. Bereits seit 1907 bot AEG etwa ein Gerät mit einem Platinglühdraht an, der sich auf Knopfdruck erhitzte.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Anzünder zunächst vor allem in den USA und später auch in Europa zum Standard. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten Zigarettenanzünder und Aschenbecher in vielen Fahrzeugklassen praktisch zum Pflichtprogramm. Einerseits war Rauchen gesellschaftlich breit akzeptiert und entsprechend groß auch die Nachfrage für Raucherausstattungen in Autos. Doch auch auf Herstellerseite war das Bauteil beliebt: Es war einfach aufgebaut und deshalb kostengünstig, technisch robust und ließ sich dennoch gut als Komfortmerkmal vermarkten.

Prinzip der elektrischen Widerstandserwärmung

Technisch basiert der klassische Zigarettenanzünder auf einem einfachen, aber effektiven Prinzip der elektrischen Widerstandserwärmung. Im Zentrum sitzt eine spiralförmig gewickelte Heizwendel aus einem hochschmelzenden Metall, meist einer Nickel-Chrom-Legierung. Wird der Anzünder in seine Buchse gedrückt, schließt ein mechanischer Kontakt den Stromkreis zum 12-Volt-Bordnetz. Es fließt ein vergleichsweise hoher Strom, der aufgrund des elektrischen Widerstands der Wendel zu einer raschen Erwärmung führt. Innerhalb weniger Sekunden erreicht die Heizspirale Temperaturen von mehreren 100 Grad Celsius und beginnt sichtbar zu glühen.

Sobald die Solltemperatur erreicht ist, löst ein Bimetall- oder Federmechanismus den Kontakt automatisch wieder und der Anzünder springt zurück in seine Ausgangsposition. Strom fließt nun nicht mehr. Die für eine kurze Zeit glühende Wendel kann nun genutzt werden, um Tabak zu entzünden. Der gesamte Vorgang ist so ausgelegt, dass Überhitzung und Dauerstromfluss vermieden werden. Dahinter steckt eine einfache und zuverlässige Form der Selbstregulierung, die ohne elektronische Steuerung auskommt.

Heute weitgehend verschwunden

Dennoch ist der Zigarettenanzünder im Auto heute weitgehend verschwunden. Der seit Jahrzehnten geführte Kampf gegen den Tabakkonsum hat längst auch die Ausstattungswelten von Neufahrzeugen erfasst. Aschenbecher wie Zigarettenanzünder sind in den meisten neuen Pkw die Ausnahme statt die Regel. Der runde Einsteckschacht für den Anzünder dient meist als 12-V-Steckdose, die vor allem zur Stromversorgung externer Geräte genutzt wird.

Einige Hersteller bieten als Extra weiterhin Raucherpakete an. In vielen Fällen ist der Aschenbecher ein kleines Mini-Fass mit Deckel, welches locker in den Getränkehalter gesteckt wird, während die 12-Volt-Steckdose wieder zur Aufnahme des Zigarettenanzünders umfunktioniert wird. Beim VW Golf 8 beispielsweise gibt es dieses Raucherpaket für 50 Euro Aufpreis.

Gründe für den Bedeutungsverlust des Zigarettenanzünders gibt es mehrere: Rauchen ist gesellschaftlich weniger verbreitet, in Fahrzeugen oft unerwünscht und etwa in Gegenwart von Kindern in vielen Ländern untersagt. Ein großes Comeback ist daher unwahrscheinlich. Der Zigarettenanzünder ist deshalb auf dem Weg, zum technischen Relikt aus einer Zeit zu werden, in der Rauchen zum automobilen Alltag gehörte.

Quelle: ntv.de, Mario Hommen, sp-x

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