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Startseite»Nachrichten»Die Geduld ist zu Ende: Anwohner wollen Brenner komplett blockieren
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Die Geduld ist zu Ende: Anwohner wollen Brenner komplett blockieren

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 10, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Die Geduld ist zu EndeAnwohner wollen Brenner komplett blockieren

Der Blick auf die Luegbrücke an der Brennerautobahn bei Gries zeigt das hohe Verkehrsaufkommen. (Foto: picture alliance / Wagner)

Die kleine Gemeinde Gries liegt direkt am Brenner. Allein über diesen Alpenpass fahren täglich bis zu 46.000 Fahrzeuge. Den Anwohnern ist das zu viel. Sie wollen nun ein echtes Zeichen setzen – und das zum Ende der Pfingstferien.

Karl Mühlsteiger dürfte untertreiben. „Wir hoffen, es sind mehr wie Hundert.“ Der 49-jährige Teilzeit-Bürgermeister der kleinen Gemeinde Gries am Brenner hat eine Demonstration organisiert, die unabhängig von der Teilnehmerzahl am 30. Mai für internationale Aufmerksamkeit sorgen dürfte.

Von 11 Uhr bis 19 Uhr – für Lastwagen schon ab 9 Uhr – soll der wichtigste Alpenpass rund um den Pfingsturlaub für den Transitverkehr gesperrt werden. Der Brenner ist dicht: Die Autobahn, die Bundesstraße, alle Nebenstrecken, in beiden Richtungen – von Italien nach Österreich und umgekehrt. Das gilt als Schreckens-Szenario nicht zuletzt für deutsche Autofahrer. Mit Verkehrsbehinderungen weit über den Brenner hinaus ist zu rechnen.

Speziell Lkw-Verkehr hat stark zugenommen

Die Geduld der Anwohner scheint am Ende. „So kann es nicht weitergehen“, ist der Ruf unter vielen Menschen, die entlang der Brennerroute leben. Auf der 35 Kilometer langen Autobahnstrecke zwischen Innsbruck und dem Brennerpass ist der Verkehr in den vergangenen Jahrzehnten explodiert.

Fast 11 Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen haben im vergangenen Jahr laut Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn benutzt. Bei den Lkw beträgt der Zuwachs seit 2010 rund 40 Prozent. Seit Inbetriebnahme der Brennerautobahn in den 1960er Jahren hat sich das Verkehrsaufkommen laut Asfinag fast versiebenfacht.

Das Problem wird für die Anwohner gerade durch die oft als Ausweichroute benutzte Bundesstraße spürbar. „Wir ersticken im Verkehr“, sagt die Pädagogin Evi Aigner aus Matrei am Brenner. Die Bürger kämen manchmal nicht einmal mehr über die Straße. Gefährlich sei es vor allem für die Schulkinder, die oft von Lotsen oder der Polizei über die Bundesstraße begleitet würden.

Anwohner sehen tägliches Leben sehr erschwert

Aigner wohnt direkt an der Bundesstraße – hinter dreifach verglasten Fenstern. Diese zu öffnen, sei wegen des Motorenlärms oft unmöglich, sagt sie. Der Feinstaub dringe in alle Ritzen. Die Gesundheitsgefahr sei das eine, der Frust über den inzwischen vielfach großen Zeitaufwand für Autofahrten unter den Anwohnern immens, so Aigner.

Das Pendeln in der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck, wo viele der 15.000 Bewohner des Tales arbeiten, Einkäufe, Besuche von Freunden in Nachbargemeinden oder Arzttermine – alles sei unkalkulierbar, so Aigner. „Das tägliche Leben wird sehr erschwert“, sagt die Apothekerin Elisabeth Sterlacci. In der Region dauerten Fahrten von A nach B wegen der Staus manchmal fünfmal länger als mit wenig Verkehr.

Einsatz von Rettungswagen schwierig

Besonders dramatisch werde es, wenn Rettungswagen wegen des Stau-Chaos nicht rechtzeitig zu Kranken oder Unfallorten kämen, so Mühlsteiger. Vor wenigen Jahren sei ein Lastwagenfahrer am Brennerpass an Herzproblemen gestorben, weil die Sanitäter wegen der Autokolonnen nicht schnell genug eingetroffen seien, erinnert sich der Ortschef. Wegen des schlechten Wetters habe der Rettungshubschrauber nicht fliegen können.

Die Reaktion auf die Blockade sei bisher überwältigend positiv, meint Mühlsteiger, der neben seinem öffentlichen Amt noch Bankangestellter ist. Rund 500 Mails habe er bekommen. Die wenigen kritischen Stimmen darunter stammten auch aus Deutschland. „Sie wollen alle schnell zum Gardasee kommen und ich vermassle ihnen leider das Urlaubsziel.“

Kritische Stimmen aus der Politik

Aus den Reihen der Politik bekommt der Ortschef durchaus Gegenwind. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) ortet einen „Knüppel zwischen die Beine der Logistikbranche“. Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) macht sich Sorgen um die Beziehungen mit Deutschland und Italien, die „durch derartige Aktionen nicht belastet werden sollten.“

Aus Italien meldete sich Südtirols Ministerpräsident Arno Kompatscher. Er warnte, dass eine stundenlange Blockade in weiten Teilen der Bevölkerung Kopfschütteln auslösen und zum Eigentor werden könne.

Der Brenner hat eine lange Geschichte als Alpenpass. Seit Tausenden von Jahren nutzen Reisende und Geschäftsleute den mit 1.370 Metern niedrigsten Übergang zwischen Österreich und Italien. In den 1960er Jahren wurde die Brennerautobahn gebaut. Die 1963 eröffnete Europabrücke nahe der Mautstelle Schönberg war mit ihren 190 Metern über Grund zeitweise die höchste Brücke Europas.

Welche Alternativen gibt es?

Für den 30. Mai, aber auch zu anderen Zeiten, gibt es auf der Fahrt nach Südtirol und anderen Zielen in Italien zumindest auf dem Papier Alternativen zum Brenner. Dazu zählen der Reschenpass, das Timmelsjoch, der Gotthardtunnel und der San-Bernadino-Tunnel. Der Nachteil: Praktisch alle diese Routen sind deutlich mühsamer und zeitaufwendiger.

Eine elegante Alternative könnte der Zug sein. Der braucht von Innsbruck bis nach Franzensfeste auf der italienischen Seite heute 80 Minuten. Wenn der Brenner-Basistunnel im Jahr 2032 in Betrieb geht, rauschen die Züge für den Personen- und Güterverkehr mit Tempo 200 durch die rund 64 Kilometer lange Röhre. Die Fahrtzeit für die Strecke beträgt dann nur noch 25 Minuten.

Anwohner hoffen auf Lärmschutz

Tatsächlich liegen viele Hoffnungen auf der Fertigstellung des Jahrhundertbauwerks. Aber: Bis 2032 ist es noch lang. Und: Die Nordzufahrt von Deutschland ist bis dahin wohl nicht so leistungsfähig wie erhofft.

So liegen die unmittelbaren Hoffnungen der Anwohner beim Lärmschutz. Wenigstens sollten modernste Lärmschutzwände errichtet oder Einhausungen gebaut werden, fordert Mühlsteiger.

Karl-Muehlsteiger-Buergermeister-von-Gries-am-Brenner-steht-waehrend-der-Sanierung-der-Luegbruecke-vor-der-Brennerautobahn-A13-Aufgrund-einer-Demonstration-soll-am-30-05-2026-von-11-00-bis-19-00-Uhr-eine-Totalsperre-der-Brennerautobahn-A13-sowie-der-Brennerstrasse-B182-und-der-Ellboegener-Strasse-L38-eingerichtet-werden
Karl Mühlsteiger, Bürgermeister von Gries, steht an der Großbaustelle am Brenner. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Autobahnbetreiber Asfinag kontert: In keinem anderen Bundesland werde so viel in den Lärmschutz investiert wie in Tirol. „Im Wipptal werden zusätzliche Lärmschutzwände in einer Größenordnung von rund 25.000 Quadratmetern errichtet“, so die Asfinag. Die Fläche entspricht etwa acht Kilometern Schutzwand.

Blockade nur für Radfahrer durchlässig

An eine spürbare Verringerung des Verkehrs in absehbarer Zeit scheint niemand zu glauben. Dennoch halten die Demonstranten ihr Signal für wichtig. Ein Tag Stillstand könne zumindest die Augen öffnen, hofft Mühlsteiger.

Während Lastwagen, Autos und Motorräder am 30. Mai für mindestens acht Stunden nicht über den Brenner dürfen, ist eine Gruppe von Transitreisenden laut Polizei ausgenommen: Radfahrer dürfen die Landstraße nutzen, um über den Pass nach Italien zu gelangen.

Quelle: ntv.de, Matthias Röder, dpa

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