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Startseite»Nachrichten»Filz, Tüll und nackte Haut: Über dem ESC scheint (noch) die Sonne
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Filz, Tüll und nackte Haut: Über dem ESC scheint (noch) die Sonne

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 10, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Filz, Tüll und nackte HautÜber dem ESC scheint (noch) die Sonne

11.05.2026, 00:34 Uhr Von Volker Probst, Wien
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Den sommerlichen Temperaturen entsprechend gekleidet: Sängerin Antigoni (M.) aus Zypern und ihre Begleiterinnen. (Foto: picture alliance / APA-Images)

Mit dem Schaulaufen auf einem türkisfarbenen Teppich fällt der offizielle Startschuss für den Eurovision Song Contest in Wien – in der gewohnten Mixtur aus schön, sexy und skurril. Kein Wässerchen scheint das zu trüben. Nur die Macher der Eröffnung schütten das Kind mit dem Bade aus.

Der Wettergott muss ein Fan des Eurovision Song Contests (ESC) sein. Anders lassen sich die perfekten Bedingungen bei der offiziellen Eröffnungszeremonie am Sonntagabend in Wien eigentlich nicht erklären: Sonnenschein, ein nur leicht bedeckter Himmel, frühsommerliche 24 Grad und kein Tröpfchen Regen.

Dazu lud ein türkisfarbener Teppich, der quer über den Rathausplatz zwischen Burgtheater und Rathaus verlegt war, die Interpretinnen und Interpreten der 35 ESC-Länder in diesem Jahr zum Defilieren ein. Oder zum Hopsen. Oder zum Rundlauf.

Auf dem Rathausplatz befindet sich auch das sogenannte Eurovision Village – die öffentliche Feier- und Public-Viewing-Meile zu dem musikalischen Großereignis, das dank des Siegs von Sänger JJ im vergangenen Jahr in Basel heuer, wie der Österreicher sagen würde, nun in dessen Heimatstadt stattfindet. Diverse Bühnen, Werbeinseln und Buden mit überteuerten Speisen und Getränken locken die ESC-Fans und Schaulustigen an.

The winner takes it all

Auch bei der Eröffnung herrschte an den Absperrungen ein dichtes Gedränge. Alle wollten einen Blick von den Menschen auf dem Teppich erhaschen, auch wenn die meisten von ihnen spätestens nach dem Finale in knapp einer Woche schon wieder in Vergessenheit geraten werden.

JJ natürlich nicht. Denn dank ABBA wissen wir ja: The winner takes it all. Und so war der Jubel groß, als der 25-Jährige den Einmarsch der singenden Gladiatoren feierlich eröffnete. Dahinter folgte von A wie Albanien über U wie United Kingdom bis A wie Austria (denn dem diesjährigen österreichischen Kandidaten Cosmó oblag selbstredend der finale Auftritt) das Schaulaufen der Delegationen in der gewohnten ESC-Mixtur aus schön, sexy und skurril.

Der britische Künstler, der sich Look Mom No Computer nennt, brachte etwa eine Armada an quadratischen Filzköpfen mit (nicht zu verwechseln mit Pilsköpfen, da hätten die Beatles sicher was dagegen).

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Wie man auffällt, weiß er jedenfalls: Look Mum No Computer aus Großbritannien. (Foto: picture alliance/dpa/APA)

Das rote Tüllkleid von Sarah Engels hatte eine derart sperrige Schleppe, dass sich die deutsche ESC-Hoffnung redlich mühen musste, nicht fortwährend darüber zu stolpern.

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Schön, aber doch eher unpraktisch: Sarah Engels im roten Tüllkleid mit langer Schleppe. (Foto: picture alliance / APA-Images)

Die serbische Formation Lavina blieb ihrem bekannten Dracula-Look aus dem Vorentscheid auch im sonnigen Wien treu, ohne dabei zu Staub zu zerfallen.

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Die Herren Dracula? Nein, Lavina aus Serbien. (Foto: picture alliance / TT NEWS AGENCY)

Und Tamara Živković und ihre Entourage aus Montenegro präsentierten sich im schaurig-schönen Schwarz wie dazu passende Vampiretten.

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Black is beautiful: Tamara Živković (M.) und ihr Anhang aus Montenegro. (Foto: picture alliance / APA-Images)

Und natürlich wurde auch an nackter Haut nicht gespart. Zum Beispiel beim Norweger Jonas Lovv, der mit seinem blanken Oberkörper voller Tattoos in farblich passender Trägerhose den türkisfarbenen Teppich eher im Zickzack hüpfend als schreitend überquerte. Oder bei Sängerin Antigoni aus Zypern, die viel Bein zeigte, während ihre Begleiterinnen in dann doch ziemlich transparenten Stoffkleidern noch viel mehr durchschimmern ließen.

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Alles Liebe: Jonas Lovv aus Norwegen. (Foto: picture alliance / APA-Images)

Keinen so rechten Schimmer davon, wie sie die Zeremonie für das Publikum auf dem Rathausplatz ansprechend gestalten sollten, hatten unterdessen anscheinend die Organisatorinnen und Organisatoren des Events. In einem offenkundigen Anfall von deplatzierter Übermotivation schütteten sie das Kind mit dem Bade aus.

„Sag mal ‚Apfelstrudel'“

Anstatt das bunte Treiben einfach mit den jeweiligen Songs aus den verschiedenen ESC-Ländern anzuheizen, hatte man lieber das Radio-Symphonieorchester des Österreichischen Rundfunks engagiert. Das intonierte dann bedächtige Stimmungskiller wie „Merci, Chérie“ von Udo Jürgens oder Conchita Wursts „Rise Like A Phoenix“, während Jonas Lovv gerade von links nach rechts sprintete oder die britische Filzkopf-Truppe mit einer besonderen Choreo die Puppen tanzen ließ.

Zwar befanden sich auf dem gesamten Areal riesige Monitore und Videoleinwände. Doch anstatt überall zu zeigen, was die Kameras auf dem Teppich so alles einfingen, flimmerte auf ihnen zumeist nur ein „Welcome to Vienna“-Logo. Was auf dem langen Weg vom Burgtheater zum Rathaus geschah, bekam so niemand mit – außer es spielte sich direkt vor der eigenen Nase ab.

Den Vogel schoss dann aber die Live-Moderation ab. Hatten sich die Künstler und Künstlerinnen bis zur Moderatorin am Ende des Teppichs vorgekämpft, wurden sie regelmäßig mit Fragen der Marke gelöchert, wie sie denn nun den Österreicher an sich fänden. Oder sie sollten doch mal „Apfelstrudel“ sagen. Darum kam sogar Boy George nicht herum, der in diesem Jahr Sängerin Senhit aus San Marino unterstützt und auch die Eröffnungsfeier nicht schwänzte. Man schämte sich beinahe fremd wie damals, als Markus Lanz in „Wetten, dass..?“ Tom Hanks eine Katzenmütze auf den Kopf setzte.

Eklat um Israel blieb aus

Ein Eklat aber blieb dem ESC-Auftakt in Wien zumindest erspart. Als Israels diesjähriger Interpret Noam Bettan einlief, waren nur sehr vereinzelt Pfiffe und Buhrufe zu hören, die im großflächigen Jubel jedoch nahezu komplett untergingen. Im vergangenen Jahr hatte sich die israelische Kandidatin Juval Raphael hingegen noch mit lautstarken Protesten und einer abstoßenden Kopf-ab-Geste konfrontiert gesehen.

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Pfiffe und Buhrufe blieben ihm zum Glück weitgehend erspart: Noam Bettan aus Israel. (Foto: picture alliance / TT NEWS AGENCY)

So scheint, auch wenn bei der Eröffnung nicht alles vollständig rund lief, noch die Sonne über dem ESC in Wien. Dass das so bleibt, ist allerdings fraglich. Nicht nur der Boykott mehrerer Länder lastet schwer auf der Veranstaltung. Bis zum Finale am Samstag wird mit zahlreichen antiisraelischen und pro-palästinensischen Aktionen in der Stadt gerechnet.

Quelle: ntv.de

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