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Startseite»Nachrichten»Dubois treibt Usyk zu Kabayel: Wie die „Blutschlacht von Manchester“ das Schwergewichtsboxen verändert
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Dubois treibt Usyk zu Kabayel: Wie die „Blutschlacht von Manchester“ das Schwergewichtsboxen verändert

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 11, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Dubois treibt Usyk zu KabayelWie die „Blutschlacht von Manchester“ das Schwergewichtsboxen verändert

11.05.2026, 20:37 Uhr

Von Martin Armbruster
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Daniel Dubois schlitze Fabio Wardley die Nase auf und traktierte das rechte Auge seines Widersachers, bis es komplett zuschwoll. (Foto: AP)

Daniel Dubois und Fabio Wardley prügeln im Duell um den WBO-Gürtel im Schwergewicht gnadenlos aufeinander ein. Das Ergebnis der „Blutschlacht“ von Manchester spielt Deutschlands Box-Hoffnung Agit Kabayel in die Karten.

Daniel Dubois bekam am Samstagabend nicht nur von seinem Gegner Fabio Wardley was auf die Mütze. Vor dem Gong zur fünften Runde gab es auch von Trainer Don Charles einen Satz heiße Ohren. Rechte Schelle, linke Schelle. Die Botschaft des „Chief Seconds“: Junge, wach auf! Der Kampf um den WBO-WM-Titel im Schwergewicht hatte für Dubois vor 20.000 tobenden Briten in der Co-op Live Arena von Manchester denkbar schlecht begonnen. Nach gerade einmal zehn Sekunden saß er nach einem rechten Streifschuß Wardleys auf dem Hintern und machte große Augen. Dubois guckte aus der Wäsche, als hätte ihn der Blitz getroffen.

Es dauerte, bis der 28-Jährige in den Kampf fand. In Runde drei ging Dubois nach einer weiteren Rechten des Titelverteidigers erneut in die Knie. Charles sah sich gefordert. Nach der Ohrfeigen-Kombination des Trainers machte „Dynamite“ Dubois Feuer. Die gefürchtete linke Führhand traf endlich vorschlaghammerartig, während er die gewaltigen rechten Schwinger Wardleys nun zumeist mied. In der sechsten Runde traktierte der Herausforderer den WBO-Champion regelrecht. Wardleys Nase platzte auf, sein rechtes Auge schwoll in Tennisball-Dimensionen an.

In den „Championship Rounds“ hielt sich Wardley nur dank seines Kinns und eines wohl angeborenen Kämpferinstinkts auf den Beinen. Harte Treffer prasselten auf ihn ein, immer wieder torkelte der 31-Jährige in die Ringseile. Ringrichter Howard Foster hätte das Duell für den Geschmack nicht weniger Beobachter schon im zehnten Durchgang abbrechen können. In Runde elf sprang er schließlich dazwischen und winkte zum Feierabend, das richterliche Hemd vollgesogen mit Blut. Die britische Box-Presse schrieb schnell von einen „epischen“ Kampf, der „Blutschlacht“ von Manchester. „War ein geiler Kampf muss man sagen. Für die Zuschauer sehr interessant. Aber boxerisch? Einfach eine Prügelei. Das lieben die Fans“, resümierte der deutsche Schwergewichtsboxer Agit Kabayel aus der ersten Reihe. Gewiss: Die „edle Kunst der Selbstverteidigung“, wie der Boxsport altehrwürdig bezeichnet wird, spielte an diesem Abend keine Rolle.

Kritiker sprachen Dubois den „Krieger“ ab

„Es war ein Krieg“, kommentierte Dubois den brutalen Abnutzungskampf bei DAZN und zollte seinem Widersacher den größten Respekt – sich selbst aber auch. „Ich weiß, dass ich Herz habe – jede Menge Herz. Im Ring bin ein Krieger“, sagte er. Genau das hatten Kritiker vor dem Gefecht infrage gestellt. Sie verwiesen auf Dubois‘ K.-o.-Niederlagen gegen Schwergewichts-König Oleksandr Usyk (2003 und 2025), als der 1,96-Meter-Kasten nach den Niederschlägen durch den Ukrainer den Eindruck erweckte, er wolle nicht mehr. Das von einem Preiskämpfer geforderte Immer-Weiter-Machen, egal, was im Ring auch passiert, sprachen ihm einige Experten ab.

Fürs Erste hat der Mann aus Greenwich die Unkenrufer verstummen lassen und seine Karriere kräftig wiederbelebt. Bei einer Niederlage gegen den schlaggewaltigen, aber technisch limitierten Wardley hätte es düster ausgesehen. Jetzt ist Dubois wieder ein Big Player in der Königsklasse. Aber er ist eben auch „nur“ WBO-Weltmeister. Die unumstrittene Nummer 1 im Löwengehege der Königsklasse ist weiterhin Oleksandr Usyk, der Dubois (damals IBF-Weltmeister) erst vergangenen Sommer vor 90.000 Zuschauern im Wembley-Stadion mit einem linken Götterhammer in Runde fünf k.o. drosch. Die Frage lautet nun: Wer bekommt als nächstes die Chance, den 39-Jährigen vom Thron zu stürzen? Vorausgesetzt, Usyk gewinnt das bizarre Spektakel an den Pyramiden von Gizeh gegen Kickbox-Idol Rico Verhoeven am 23. Mai wie erwartet.

Dubois‘ dramatischer Sieg spielt dabei dem deutschen Hoffnungsträger Kabayel in die Karten. Im März hatte Usyk eine Liste potenzieller Gegner aufgestellt, gegen die er noch zu boxen gedenke, ehe es gut sei. Verhoeven war da schon gebucht, zudem nannte Usyk den Sieger des Duells zwischen Wardley und Dubois sowie seinen „Freund“ Tyson Fury, den „greedy belly“, den gierigen Bauch.

Für Usyk bleibt eigentlich nur Kabayel

Seit Samstag ist diese Liste für WBA/WBC/IBF-Weltmeister Usyk eigentlich Makulatur. Bei einem Sieg Wardleys hätte Usyk die Option für einen weiteren „Undisputed“-Showdown in England um alle vier WM-Gürtel gehabt. Die WBO-Version der Schwergewichts-Krone war Ende 2025 ja überhaupt nur auf Warldeys Haupt gelandet, weil Usyk den Titel niederlegte. Aber ein dritter Kampf gegen Dubois? Der ist trotz dessen Comeback-Erfolg vom Samstagabend unwahrscheinlich. Zu klar hat Usyk den Engländer zuletzt beherrscht, zu gering ist ergo das Interesse. Dubois‘ Fokus dürfte ohnehin erst einmal auf der „Innenpolitik“ liegen. Zum einen schreit die Blutschlacht nach einer Revanche. Zum anderen scharrt bei der WBO der 21-jährige britische Shootingstar Moses Itauma als Nummer-1-Herausforderer schon mit den Hufen. Und auch Tyson Fury hat andere Pläne als eine Trilogie mit Usyk: Der eben erst aus der Boxer-Rente zurückgekehrten „Gypsy King“ trifft Ende des Jahres in der lange ersehnten „Battle of Britain“ auf seinen Erzrivalen Anthony Joshua. Die britische Meisterschaft ist finanziell größer als jeder WM-Kampf.

Bleibt für Usyk eigentlich nur Kabayel. Der 33-Jährige aus Wattenscheid wartet schon lange auf seine WM-Chance, ist als Interims-Champion des Verbandes WBC Usyks nächste Pflichtaufgabe. Die Drei-Lettern-Organisation mit Sitz in Mexiko hat den Ukrainer bereits aufgefordert, den Titel nach dem Pyramiden-Ausflug mit Verhoeven gegen Kabayel zu verteidigen. Promoter Frank Warren unterstrich in Manchester im Beisein des Deutschen die Sachlage. Usyk müsse gegen Kabayel ran oder seine WBC-Krone an diesen abgeben. Sollte der WBC nicht zu seinem Wort stehen, drohte der 74-jährige Brite vorsorglich mit Klage. Tatsächlich scheint es, als fallen die Steine derzeit zugunsten Kabayels.

Saudischer Box-Mogul als Türöffner für WM in Deutschland

Usyk selbst war schon vor Wochen zurückgerudert. Nachdem er Kabayel öffentlich stets ignorierte, ließ der König wissen, „vielleicht doch“ gegen den „Leberking“ aus dem Ruhrpott zu kämpfen. Der sei ein „großartiger und sehr schlauer Kämpfer“, sagte Usyk der „Daily Mail“. Angang Mai berichtete das US-Magazin „The Ring“ dann, der saudische Box-Mogul Turki Al-Sheikh wolle nach Usyks Kampf in Ägypten mit dem Weltmeister über eine Titelverteidigung gegen Kabayel in Deutschland reden.

„Es gibt sehr ermutigende Signale, wir sind sehr optimistisch“, sagte Kabayels Manager Spencer Brown dazu im Gespräch mit ntv.de. Man halte für die Monate Oktober bis Dezember schon nach einem großen deutschen Fußballstadion Aussicht. Klar ist: Als Chef der saudischen „General Entertainment Authority“ ist Al-Sheikh der einzige Mann, der Usyk von einem Kampf in Deutschland überzeugen kann. Der 44-Jährige hat Zugriff auf den General Investment Fund, mit dem Kronprinz Mohammed bin Salman seine Politik der Soft Power in der Sportwelt betreibt. Ohne Al-Sheikh hat Kabayel auch mit Hall-of-Fame-Promoter Warren an seiner Seite zu wenig Dollars zu bieten, um Usyk nach Deutschland zu locken – Interims-Weltmeister-Status hin, WBC her. Nur eine saudische Millionen-Spritze kann dieses Dilemma für Kabayel auflösen.

Der in 27 Profikämpfen ungeschlagene Revierkämpfer machte in Manchester einmal mehr deutlich, dass ihn eigentlich nur der Kampf gegen Usyk, die „größtmögliche sportliche Herausforderung“, interessiert. „Ich kann vor der Kamera nichts dazu sagen“, witzelte Kabayel in seinem Youtube-Blog, als er in der Co-op Live Arena auf seinen alten Gegner Derek Chisora traf. Nur so viel: „Wir haben einen guten Freund in Saudi-Arabien.“

Quelle: ntv.de

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