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Mühe allein genügt nicht: Was für ein Vater will ich sein?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 15, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Mühe allein genügt nichtWas für ein Vater will ich sein?

14.05.2026, 09:44 Uhr Von Sabine Oelmann
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„Vielleicht liegt die Zukunft der Männlichkeit darin, dass sie nicht mehr definiert werden muss“, schreibt Sebastian Tigges. „Denn solange wir sie definieren wollen, halten wir sie gefangen.“

Studien zeigen, dass Männer mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen. Und doch handeln so wenige danach. Warum? Alles nur Lippenbekenntnisse? Der Autor Sebastian Tigges sucht nach den Gründen, und Felix Nieder setzt sich in seinem Buch mit seiner Vergangenheit und dem Thema Vater auseinander.

Wer sich mit „neuen Vätern“ beschäftigt, kommt an Sebastian Tigges nicht vorbei. Der Podcaster und Content-Creator („Daddy Issues“, „Männer weinen heimlich“, „Family Feelings“) wird immer wieder als Vorreiter in Sachen gleichberechtigter Elternschaft aufgegriffen – und im Netz dafür auch gern angegriffen. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, weiter über seine Lieblingsthemen zu sprechen: Kinder, Klamotten oder Dating nach der Trennung.

In seinem Buch „Becoming Dad“ sucht der Autor und Ex-Anwalt Antworten. Mit Humor, aber auch genug Tiefgang, zeigt Tigges, warum gute Absichten in Sachen Vaterwerden nicht ausreichen. Er macht Männern Mut, Verantwortung aktiv zu übernehmen, vor allem, wenn das Kind dann da ist. Mit seiner Ex, dem bekannten Model Marie Nasemann, teilte er persönliche Erfahrungen in ihrem Podcast und hatte praktische Anregungen für den Alltag – bis auch ihre Liebe dem Mental Load des jungen Elterndaseins nicht mehr standhielt.

Was läuft schief in der deutschen Kleinfamilie?

In seinem Buch, aber auch in seinen Instagram-Storys, zeigt Tigges sich offen, witzig und praxisnah. Seine Reality-Checks regen ernsthaft zum Nachdenken an: „Ich hatte es geahnt“, sagt er daher in einem Reel, „aber eure Kommentare haben es noch krasser bestätigt, als ich dachte: Für viele Mütter wird das Leben nach einer Trennung spürbar leichter.“ Whaaat, denkt man da erst mal, das kann er doch nicht ernst meinen, aber er fährt fort: „Die Hauptgründe, die ihr genannt habt, sind: Weniger Mental Load für einen weiteren Erwachsenen, ständige Konflikte und Kompromisse im Alltag hören auf und last but noch least gibt es endlich planbare, echte Auszeiten.“

Er fragt sich, was da schiefläuft in der deutschen Kleinfamilie, die nur noch 1,35 Kinder bekommt, obwohl sie gern 1,8 Kinder hätte – und man nimmt es ihm ab. Denn bei ihm ist ja auch nicht alles so gelaufen wie geplant. Er resümiert: „Für uns Väter ist das ein harter, aber unglaublich wichtiger Weckruf: Sind wir der Partner auf Augenhöhe oder ein weiterer, anstrengender Punkt auf der To-do-Liste unserer Partnerin?“

Auf jeden Fall sind seine Überlegungen ein guter Grund, ein Buch zu schreiben und möglichst viele Männer daran teilhaben zu lassen, wie man sich in der Schwangerschaft besser vorbereitet, als Paar rechtzeitig ins Gespräch kommt und auch nach der Geburt wirklich „da bleibt“ – auch wenn Überforderung, Wochenbett-Chaos und neue Rollenbilder an einem zerren.

Der Vater muss seinen Platz suchen

Denn auch, wenn das Paar Tigges-Nasemann nun getrennt ist, heißt das ja nicht, dass man als Eltern auch noch den Bach runtergehen muss. Deswegen ist dieses Buch ein ehrlicher Begleiter mit konkreten Impulsen. Vor allem zeigt es, dass Vaterschaft nicht nur „ein nices Add-On“ ist, sondern ein neues Leben, in das man aktiv hineinwachsen kann.

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„Es gibt viele Dinge, über die ich gerne vorher mal nachgedacht hätte“, so Tigges. Seine Tipps: 1. Vaterschaft beginnt nicht mit der Geburt, sie beginnt mit der Schwangerschaft. 2. Es reicht nicht, sich vorzunehmen, ein guter Vater zu sein. Man muss dafür (hart) (an sich) arbeiten. 3. Alles nicht so schlimm. (Foto: picture alliance / ABBfoto)

„Der Vater gehört ebenso ins Wochenbett wie die Mutter“, findet Tigges übrigens und spricht aus Erfahrung. „Er hat dort seinen Platz. Er muss ihn nur suchen.“ Denn: „Auch unsere Partnerin wurde in die gänzlich veränderte Situation hineingeworfen und auch sie muss sich darin erst zurechtfinden.“ Das sind schöne Töne in einer Welt, in der es manchmal so wirkt, als würden wir uns eher wieder zurück- denn weiterentwickeln. Für weitere Ratschläge hat Tigges eine Shortlist mit Adressen für konkrete Hilfen oder auch einfach nur Inspiration zusammengestellt.

Echte Männer dürfen nach dem Weg fragen

Ganz anders das Buch von Felix Nieder, er fragt: Warum fühle ich mich in Beziehungen so unsicher? Warum habe ich Angst, verlassen zu werden? Warum misstraue ich, auch wenn es gar keinen Grund gibt? Warum habe ich das Gefühl, nie genug zu sein? Nieder taucht ab in seine Kindheit, Erinnerungen an den Vater (nicht so gut), und die Mutter (zu gut), die ihn zu dem gemacht haben, der er heute ist. Der er lange nicht sein wollte. Nieder geht es um das innere Monster. Er will niemanden anklagen oder Vorwürfe machen, vielmehr lädt er die Lesenden ein, sich auf den Weg zurück zu machen, um sich das Heute besser erklären zu können.

Felix Nieder findet seine Antworten in der Vergangenheit. In seinem Buch „Trauma: Vater – Warum Kindheitswunden Beziehungen erschweren und wie du alte Muster durchbrichst“ beschreibt er anhand seiner eigenen bewegten Geschichte, wie sich frühkindliche Verletzungen schon in der Jugend in der Bindung zur Mutter und zu Mitschülern bemerkbar machen können und im Erwachsenenalter schließlich zu einem bestimmten Bindungsstil führen. Das Buch verbindet persönliche Erfahrungen mit psychologischen Erkenntnissen, erklärt die Entstehung von Bindungsstilen, zeigt Wege zur Heilung und öffnet den Blick bis zum Generationstrauma und wie es möglich ist, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Nieder ist Autor, Jurist und Aktivist. Bekannt wurde er zunächst als Model, engagiert sich jedoch seit Jahren öffentlich für Gleichberechtigung, Diversität und psychische Gesundheit. Geprägt von eigenen Erfahrungen und mehreren Traumatherapien beschäftigt er sich intensiv mit den Auswirkungen von Kindheitstrauma und Bindungsmustern.

Nieder hat dieses Buch geschrieben, weil „ich so lange nach Antworten gesucht habe“. Er hat gesehen, wie Traumata neue Beziehungen erdrücken können – und wie sie gleichzeitig das Fundament für Wachstum sein können. Sein Buch ist ein Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen: „Für mich. Und hoffentlich auch für dich“, schreibt er, und bietet eine Art Werkzeugkasten an, die eigenen Prägungen zu erkennen, ohne Schuldzuweisungen vorzunehmen, und neue Wege im Umgang mit der eigenen Vergangenheit zu finden.

Heute, am Vatertag, ist vielleicht ein Moment Zeit dafür, sich zu fragen: „Was hätte ich gern früher gewusst“, einen Ansatz zu finden, zu verzeihen, oder zu verstehen – den Vater oder sich selbst. Einen Versuch wäre es wert.

Quelle: ntv.de

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