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Startseite»Nachrichten»Schiri-Legende bei ntv.de: Patrick Ittrich: „Mit Kimmich ist es nicht immer einfach“
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Schiri-Legende bei ntv.de: Patrick Ittrich: „Mit Kimmich ist es nicht immer einfach“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 16, 2026Keine Kommentare17 Minuten Lesezeit
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Schiri-Legende bei ntv.dePatrick Ittrich: „Mit Kimmich ist es nicht immer einfach“

16.05.2026, 06:43 Uhr

Interview: Tobias Nordmann und Stephan Uersfeld
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Joshua Kimmich ist ein regelfester Dauergast bei Schiedsrichtern. (Foto: picture alliance / SvenSimon)

Noch einmal pfeift Patrick Ittrich an diesem Wochenende ein Bundesliga-Spiel an, dann endet gegen 17:15 Uhr eine große Schiedsrichter-Karriere. Zum Abschied geht es für den Hamburger in das Stadion an der Alten Försterei in Berlin. Es ist ein perfekter Ort für den 47-Jährigen, der den Kontakt zur Basis nie verloren hat. Seine Familie wird vor Ort sein. Wenn alles vorbei ist, das letzte Spiel beendet, kommen alle zusammen und schwelgen in Erinnerungen. Im Interview mit ntv.de spricht Ittrich darüber, wie sich der Sport verändert hat, wer auf dem Fußballplatz immer diskutiert und wie er vor über zehn Jahren auf einen Berg stieg und erleuchtet wurde.

ntv.de: Herr Ittrich, überall wohin Sie in den letzten Wochen Ihrer Karriere gekommen sind, wurde Ihnen größte Wertschätzung entgegengebracht. Was bedeutet Ihnen das?

Patrick Ittrich: Ich bin Schiedsrichter. Eigentlich ist ja immer einer stinkig auf mich, weil ich in irgendjemandes Augen irgendeinen Mist gepfiffen habe und er daher keinen Bock auf mich hat. Aber das ist momentan anders und schon toll, ich sauge das gerade wirklich auf.

Gehen wir die Momente einmal durch. Vor dem entscheidenden Spiel des FC Schalke 04 gegen Fortuna Düsseldorf sind Sie durch die Fans zum Stadion gelaufen. Das wurde gefilmt und veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Vorab: Die Art und Weise, wie ich das präsentiert habe, findet sicher nicht jeder gut. Aber ich bin so, wie ich bin. Ich mache das nicht aus Boshaftigkeit anderen gegenüber und auch nicht aus Geltungsdrang.

So kam das auch überhaupt nicht rüber. Eher wie jemand, der sich im Einklang mit seiner Entscheidung für das Karriereende befindet. Und wie jemand, der das alles noch einmal aufsaugt, um es für immer zu bewahren.

Es war einfach ein toller Tag. In Gelsenkirchen gab es eine unglaubliche Euphorie. Natürlich war mir aber auch völlig bewusst, dass mit Fortuna Düsseldorf der Gegner der Schalker ums sportliche Überleben kämpft. Da muss ich neutral bleiben. Ich habe eine Verantwortung für beide Mannschaften.

Vor dem Spiel steckten Sie im Verkehr fest, wären sogar vielleicht zu spät zum Stadion gekommen.

Wir hatten einen Fahrdienst, sind mit zwei Autos angereist und diejenige, die uns gefahren hat, war einfach total glücklich, dass wir noch einmal nach Schalke kamen. Die Frau kennt all die Schleichwege. Aber diese Schleichwege waren durch einen Fanmarsch komplett dicht. Die Polizei hatte die Straße abgesperrt. Es ging nichts. Die Autos standen Stoßstange an Stoßstange. Also sind wir eben zu Fuß gegangen. Das Stadion konnten wir schon sehen, aber es waren noch zwei, drei Kilometer. Wir sind dann quasi durch die Fans hindurch gegangen. Die waren alle so nett, haben freundlich gewunken, gelacht und uns gegrüßt. Es war eine schöne Erfahrung. Später sind wir auf Polizisten getroffen, die haben uns im Schritttempo begleitet, um uns zu schützen. Das war eigentlich nicht nötig, es war überhaupt nicht gefährlich. Im Gegenteil: Es war wunderbar.

Vergangene Woche gab es dann diese Geschichte mit der Einwechslung von Niklas Süle. Der Dortmunder Trainer Niko Kovac hatte Sie vorher darauf aufmerksam gemacht, erzählte er nach dem Spiel. Stimmt das?

Ja. Wir haben uns zufällig am Tag vor dem Spiel beim Verlassen eines Restaurants getroffen. Wir haben uns alles Gute gewünscht, und dann hat er mir erzählt, dass Süle verabschiedet werden soll. Er solle noch sein 300. Bundesliga-Spiel bekommen. Kovac hat gefragt, ob es möglich ist, dass ich das Spiel nicht abpfeife, bevor Süle eingewechselt wird. Klar, habe ich gesagt. Alles natürlich im Rahmen des Möglichen und der Regeln.

So kam es.

Ja, Nico Kovac hat ihn dann schon in der 88. Minute gebracht. Süle hat gleich einen Sprint angesetzt, noch eine Grätsche. Niklas ist ein feiner Mensch. Das darf man auch mal sagen, wenn das so ist.

In Dortmund erlebten sie den Anfang des Videobeweises. Es ging direkt mit einer Kontroverse los. Beim 5:0 des BVB gegen den 1. FC Köln im September 2017. Im Strafraum der Kölner ließ der Torhüter Timo Horn unter Bedrängnis einen Ball fallen, der Dortmunder Sokratis traf. Sie pfiffen in die Situation hinein. Das Tor zählte. Später gab es große Aufregung beim Effzeh. Es kam sogar zu einer – am Ende ergebnislosen – Sportgerichtsverhandlung.

Als ich gepfiffen habe, war der Ball noch nicht im Tor. Das konnte aber im Video-Assist-Center in Köln nicht nachvollzogen werden, weil es damals nicht die Möglichkeit gab, die Szene sofort mit Ton zu überprüfen. Das Tor zählte, weil ich der Überzeugung war, dass der Ball die Linie schon vor meinem Pfiff überschritten hatte. Damit war es eine Tatsachenentscheidung. Nach dem Spiel kam Jörg Schmadtke, damals Manager bei Köln, zu mir und hat ein wenig gepoltert. Ich konnte das aushalten, auch weil wir uns schon lange kannten. Dortmund hat am Ende hoch gewonnen. Aber die Kölner waren natürlich frustriert.

Im Oktober 2023 standen sie erneut in Dortmund auf dem Platz. Das Spiel zwischen dem BVB und Union war spektakulär, ging am Ende 4:2 aus und blieb auch in Erinnerung, weil der VAR gleich dreimal eingegriffen hat. Zweimal ging es um Abseits, einmal handelte es sich um einen Elfmeter.

An dem Tag gab es ein technisches Problem. Es dauerte deshalb sehr lange, bis die Abseitsüberprüfungen abgeschlossen werden konnten. Bastian Dankert war der VAR, er musste sich in Köln mächtig gedulden. Im Stadion wurden sie nervös. Da musst du dann zum Moderator werden, damit niemand ausflippt. Das kann ich aber schon ein bisschen.

Wie haben Sie die Zuschauer in dem Moment unterhalten? Es gab noch keine Schiedsrichter-Durchsagen im Stadion.

Ich hatte kurz darüber nachgedacht, ob ich zu Norbert Dickel, dem Stadionsprecher der Dortmunder, gehe und mir das Mikrofon schnappe, um die Zuschauer zu informieren. Aber dann hätten alle gesagt: Der Ittrich ist vollkommen behämmert. Das habe ich also nicht gemacht. Ich bin zu den Trainern raus, ich habe die Zuschauerränge beobachtet, mit den Spielern geredet und gelächelt. Damit die Zuschauer sehen: Alles ist okay, das ist jetzt kein Grund für eine negative Stimmung. Ich wollte die Dynamik entschleunigen. In Teilen ist mir das gelungen, aber alle 80.000 kann man nicht mitnehmen. Aber mit Gestik, Mimik und Sprache konnte ich ein wenig den Druck rausnehmen.

Beide Tore, eins für Union und eins für Dortmund, wurden zurückgenommen. Dann kam es zu der Elfmetersituation.

Direkt nach den Abseitsszenen kam ein langer Ball auf Sheraldo Becker und Mats Hummels hielt gegen ihn den Fuß drüber. Ich hatte aber die Wahrnehmung, dass er den Ball traf. Das war jedoch deutlich nicht der Fall. Es gab deshalb nach einer weitere VAR-Intervention einen Strafstoß. Ich hatte das auf dem Feld nicht gesehen.

Waren Sie in dem Moment nicht konzentriert genug?

Die langen Überprüfungen hatten ein wenig an mir genagt. Ja, vielleicht war es fehlende Konzentration, weil ich mich um tausend Sachen gleichzeitig gekümmert hatte. Das war so ein Punkt, an dem ich gehofft habe, dass mit der Technik alles so funktioniert, dass ich mich auf meine Arbeit auf dem Platz konzentrieren kann. Aber das war alles handhabbar.

Sie waren 23 Jahre im Profifußball unterwegs. Sie haben so viele Veränderungen erlebt. In welcher Welt haben Sie sich wohl gefühlt? In der Welt der Tatsachenentscheidungen, in der später alles über Sie hereingebrochen ist? In der Sie nach dem Spiel erfahren haben, ob Sie gut oder schlecht waren? Oder in der Welt, in der Sie sofort wissen: Das war nichts.

Beide Welten gefallen mir. Ich habe in diesem Jahr auch in der 3. Liga gepfiffen, das Spiel zwischen Osnabrück und Cottbus. Pele Wollitz, der Energie-Trainer, war der Meinung, dass ich seiner Mannschaft einen Strafstoß zu Unrecht nicht gegeben habe, und hat protestiert. Kein Problem, damit kann ich umgehen, wir kennen uns ja auch schon länger. Ich bin heute aber immer noch der Meinung: Das war kein Strafstoß. So ist das halt manchmal. Der Punkt ist: Du pfeifst oder nicht und es geht weiter. Der Zuschauer muss nicht warten, die Trainer müssen nicht warten, die Spieler müssen nicht warten. Die Entscheidung kann grottenfalsch sein, es geht trotzdem einfach weiter. Und dann ist da noch eine Sache: Die Freude der Fans bei einem Torerfolg bleibt eine Freude.

Erkennen Sie da vom Platz aus Unterschiede?

Das spürt man, diese erste, pure Freude bei einem Torerfolg. Die kommt einfach aus den Emotionen heraus. Die wird den Fans in Spielen mit VAR ein wenig genommen, weil sie noch das Ergebnis der Überprüfung abwarten müssen, also nicht spontan sicher sein können, ob das Tor auch wirklich zählt.

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Bei Fans nicht sonderlich beliebt: Der VAR (Foto: IMAGO/Jan Huebner)

Was spricht für den VAR?

Als Schiedsrichter möchte ich nicht derjenige sein, der bei einem Spiel, vielleicht sogar einem wirklich bedeutenden, eine grottenfalsche Entscheidung trifft, die dann bestehen bleibt, während den Fehler alle anderen auf der Bank auf dem iPad und alle im Stadion auf dem Handy sehen können. Nur ich sehe ihn nicht, weil ich die Situation eben nur einmal wahrnehme, nämlich auf dem Spielfeld. Es gibt zig Zeitlupen und zig Kameras, bei einem Topspiel sind es sogar 30 oder mehr. Nur ich als Schiedsrichter kann das alles nicht sehen? Das macht in der heutigen Zeit keinen Sinn mehr. Der Fußball ist so schnell geworden. Es ist für das menschliche Auge teilweise gar nicht mehr möglich, alles sofort zu erkennen.

Trotzdem stimmen die Fans, diese irrationalen Wesen, von der Tribüne dann ihre Schmähgesänge an. „Fußballmafia, DFB“ oder „Ihr macht unseren Sport kaputt“, heißt es dann.

Das bekomme ich auf dem Spielfeld natürlich mit. Aber ich ignoriere es. Wenn man ganz ehrlich ist, sind die Rufe auch Quatsch. Aber es ist eben Frust. Die Frage ist: Würde der Frust geringer ausfallen, wenn es den VAR nicht gäbe und im Nachhinein klar würde, dass die Entscheidung falsch war? Nein. Der Frust würde sich ebenfalls entladen, nur anders.

Ihr Fazit zum VAR lautet daher?

Es ist ambivalent. Ich werde vor wirklich dicken Fehlern bewahrt, das finde ich gut. Aber dann gibt es da noch die Fußballromantik. Der Begriff fällt in diesem Zusammenhang ja häufiger. Die vermeintlich „guten alten Zeiten“ wurden allerdings schon immer beschworen. Das war schon so, als ich angefangen habe. Das klingt für mich aber ein bisschen altbacken. Die Zeiten haben sich nun mal geändert, sowohl fußballerisch als auch gesellschaftlich. Darauf müssen wir uns einstellen und auch mitgehen. Trotzdem muss man nicht alles gutheißen, was passiert. Übrigens auch in Bezug auf die Fangesänge.

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Schiedsrichter Chris Kavanagh muss im Spiel West Ham gegen Arsenal eine schwierige Entscheidung treffen. (Foto: IMAGO/Sports Press Photo)

In England kam es beim Spiel West Ham gegen Arsenal zu einer umstrittenen VAR-Entscheidung in der Nachspielzeit. West Hams Ausgleich wurde zurückgenommen. Arsenal gewinnt womöglich dadurch zum ersten Mal seit 22 Jahren die Meisterschaft. Hat man als Schiedsrichter bei einer Überprüfung das Gesamtbild im Kopf oder entscheidet man wirklich nur diese eine Situation?

Natürlich weiß man als Schiedsrichter um die Verantwortung, die man trägt. Beeinflussen darf es dich aber nicht. Als Schiedsrichter darf man nicht mit Vorurteilen gegenüber Spielern oder Klubs ins Spiel gehen, aber man muss immer vorbereitet sein. Das ist der oberste Grundsatz. Wenn ich auf bestimmte Situationen vorbereitet bin, kann ich, wenn sie passieren, darauf besser reagieren. Ich darf aber nie davon ausgehen, dass ein Spieler dieses oder jenes schon immer so gemacht hat und dass er es deswegen wieder so macht. Sonst wäre ich nicht mehr unparteiisch.

Agiert ein Schiedsrichter nicht etwas vorsichtiger oder gar ängstlicher, wenn da 70.000 Zuschauer sind und zum Beispiel ein Tor, das einem Meisterschaftsmatchball gleichkommt, zurückgenommen werden muss.

Wenn ich so agieren würde, könnte und dürfte ich den Job nicht machen. Da bin ich ganz klar.

So konsequent?

Ja. Mein Job ist es, neutral zu entscheiden. Ich kann zwar einen gewissen Ermessensspielraum ausnutzen, den die Regelauslegung hergibt, aber ich darf nie über die Grenzen des Regelwerks hinausgehen. Deswegen mag ich das Wort Fingerspitzengefühl auch nicht. Fingerspitzengefühl heißt eigentlich: Bruch der Regeln. Die Gelbe Karte mal weglassen, wenn ein Spieler sich nach einem Tor freut und sein Trikot auszieht? Klar könnte man sagen: Geiler Spieler, geiles Tor, also Fingerspitzengefühl. Aber das geben die Regeln nun mal nicht her, in einer solchen Situation habe ich kein Ermessen. Und ich darf als Schiedsrichter meine Unparteilichkeit nicht aufs Spiel setzen. Das ist das höchste Gut, das wir haben.

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Thomas Müller testet die Grenzen aus. (Foto: IMAGO/Sven Simon)

Welcher Spieler hat auf dem Spielfeld die Grenzen am meisten ausgetestet?

Joshua Kimmich ist sehr regelfest, weiß immer sofort, was los ist. Dann musst du auch regelfest sein und ihm schnell klarmachen, dass du vielleicht Verständnis für seine Sichtweise hast, aber nun mal die Entscheidungen triffst. Das ist teilweise nicht einfach. Bei Thomas Müller und Mats Hummels war es ähnlich. Sie haben ein ausgezeichnetes Spielverständnis, sind klug in Schiedsrichterthemen. Und waren nie böse oder gar beleidigend. Das sind aber nur Beispiele, ich könnte noch weitere Spieler nennen, etwa Maximilian Eggestein und Vincenzo Grifo vom SC Freiburg.

Nervt das, wenn die Spieler so regelfest sind, oder ist das eine Challenge?

Es fordert einen Unparteiischen natürlich, wenn Spieler darauf hinweisen, dass man regeltechnisch falsch liegen könnte. Aber wir sind die Schiedsrichter, wir sind die Regelexperten. Fehler können gerade in stressigen Spielen immer mal passieren. Aber manchmal ist es vor allem ein Austesten vonseiten der Spieler. Dafür muss ich eine Strategie haben, um die betreffenden Akteure abzuholen.

Haben Sie sich speziell auf Spieler vorbereitet?

Ich musste vor allem immer wissen: Welcher Spieler kann mir, wenn es schlecht läuft, das Spiel kaputtmachen? So kaputtmachen, dass ich mich nicht mehr auf meine Kernarbeit konzentriere, sondern nur noch darauf, diese Spieler einzufangen. Ich musste immer wissen, wie ich mit welchen Spielern umgehen muss. Das war mir noch wichtiger, als Spieltaktiken bis ins Detail zu kennen.

Es gab ja in dieser Saison oft die Situation, dass der DFB oder die DFB-Schiri-Kommunikation am Montag im „Kicker“ ein bisschen zurückrudern musste und erklären musste, warum die Entscheidung richtig oder falsch war. Können Sie verstehen, dass es manchmal für einen Fan enorm schwierig ist, in diesem Regeldickicht noch zu durchschauen?

Ja, schon. Aber ich muss als Schiedsrichter nun mal ein Regelexperte sein. Wenn es eine Regel gibt, von der Fans vielleicht noch nie gehört haben, wird sie oft als solche infrage gestellt. Dann muss man eine Entscheidung fachlich erklären, das geschieht ja auch. Umgekehrt würde ich aber nie infrage stellen, was Mannschaften tun, also keine Taktik und keine Auswechslung kritisieren, denn das steht mir nicht zu.

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Ittrich bei einem Spiel der Regionalliga Nord in der Saison 2007/2008.

Glauben Sie, dass es für junge Schiedsrichter, die eine Welt vor dem VAR nicht kennen, schwieriger ist, von den Spielern als Respektperson anerkannt zu werden? Dass Spieler wie Kimmich diese noch viel häufiger belagern und den VAR fordern.

Heutzutage wird man mit Dingen konfrontiert, die es früher nicht gab. Das ist schon ein relevanter Unterschied. Aber es geht immer noch auch und vor allem um natürliche Autorität. Sobald ein Schiedsrichter die erlangt hat, kommen die Spieler seltener und fordern eine VAR-Überprüfung. Wenn die wissen, hier steht einer, der genau weiß, was er tut, wird es einfacher.

Dafür muss man sehr gefestigt sein.

Das kann man lernen. Wenn man ganz nach oben will und vielleicht ein paar Prozente noch fehlt, kann man sich ruhig Hilfe von außen holen, wenn man nicht weiterkommt. Ich habe zum Beispiel einen Psychologen zurate gezogen.

Sie haben in Ihrer letzten Saison als Schiedsrichter Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga und auch das Halbfinale im Hamburger Landespokal gepfiffen. Woher rührt Ihre Liebe für den Fußball, für das Geschehen auf dem Fußballplatz?

Meine Eltern sind aus einer Arbeiterfamilie. Meine Mutter kam aus Polen mit Abitur, hat im Pflegeheim in der Küche gearbeitet. Mein Vater hat Stahltüren geschleppt, sein Leben lang. Und ich bin in Hamburg-Mümmelsmannberg im dritten Stock im Plattenbau aufgewachsen. Das, was wir hatten, war Fußball. Wir sind rausgegangen und haben gespielt. Die ganze Zeit. Ich war ein relativ guter Kicker, bin sogar Hamburger Meister geworden. Aber mit 14 hat mich jemand gefragt, ob ich Schiri werden will. Wollte ich erst nicht, wurde ich trotzdem. Ich habe mich dann entschieden, nicht mehr zu spielen. Als ich schließlich im Profifußball angekommen war, habe ich immer versucht, pro Saison mindestens ein Spiel im Amateurbereich zu pfeifen. Aber da kann man sich auch in die Nesseln setzen, denn ich kann in solchen Spielen genauso Fehler machen wie in der Bundesliga. Da gibt es dann immer ein paar Sprüche, darauf hatte ich nicht immer Bock. Aber ich wollte einfach immer diesen Kontakt zur Basis halten.

Sie haben in 23 Jahren auch gesellschaftlich eine große Veränderung mitgemacht. Wie nehmen Sie diese Entwicklung wahr? Vor einiger Zeit trugen die Kurven die Proteste gegen einen möglichen Investor mit Tennisbällen in die Stadien.

Das war aber alles in früheren Jahren schon mal extremer, finde ich. Wenn ich da zum Beispiel an die Zeiten der Hooligans denke … Die Szene hat sich verändert. Die gesellschaftliche Verantwortung der Fans im Stadion ist größer geworden. Die Fans tragen die für sie relevanten Themen in die Stadien und damit in die Öffentlichkeit. Das ist ihre Bühne …

… aber?

Es gibt überall Grenzen. Ich habe für vieles Verständnis, gerade bei fanpolitischen und gesellschaftlich relevanten Themen. Aber nicht für Beleidigungen, Beschimpfungen, Diskriminierungen und rassistische Äußerungen. Das ist alles ein No-Go für mich. Manchmal wird der Fußball ausgenutzt. Als Schiedsrichter muss ich dann sehen, was noch tragbar ist und was ich zulassen kann. Es gibt nun mal ein Regelwerk, und irgendwann ist halt Schluss.

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„Ich habe Erste Hilfe geleistet“, sagt Ittrich über den Vorfall in der Saison 2023/2024. (Foto: picture alliance / SvenSimon)

Der DFB hat Sie in einem Abschiedsvideo unter anderem als Lebensretter beschrieben. Sie waren zweimal da. Einmal als der Mainzer Joshua Guilavogui im Spiel gegen den FC Bayern seine Zunge verschluckt hat. Zum anderen waren sie da, als der ehemalige Schiedsrichter Babak Rafati sich das Leben nehmen wollte.

Ich habe keinem das Leben gerettet, sondern Erste Hilfe geleistet. Bei Guilavogui habe ich gesehen, dass er ein Knie gegen den Kopf bekommen hat und ohnmächtig geworden ist. Ich habe ihn in die stabile Seitenlage gebracht, den Kopf leicht überstreckt und die Zunge angetippt. Die Zunge ist ein Muskel und kommt in 90 Prozent der Fälle in der Seitenlage automatisch raus. Zehn Sekunden später waren die Ärzte da.

Der Fall Rafati lag im Jahr 2011 etwas anders. Sie haben mal erzählt, dass er sich nie wieder bei Ihnen gemeldet hat. Dabei waren Sie mit zwei weiteren Personen da, haben das Hotelzimmer aufgebrochen, als der sich das Leben nehmen wollte.

Das hat bei mir etwas verändert. Ich habe mir das lange nicht eingestanden. Aber für mich ist das Thema jetzt abgeschlossen. All das fiel in eine seltsame Zeit meines Lebens.

Wieso?

Es war eine regelrechte Odyssee für mich. Ich bin anfangs als Schiedsrichter auf- und auch wieder abgestiegen. 2009 hatte ich mir schon mal Hoffnungen gemacht, in die Bundesliga aufzusteigen. Die nächste Saison habe ich wieder richtig gut angefangen, dann hat mir ein Spiel in Bochum aber alles zersägt. Aus dem Aufstieg wurde wieder nichts. Vielleicht hätte ich sonst noch eine internationale Karriere schaffen können. 2011 war Rafati, 2012 habe ich mir das Kreuzband gerissen, 2013 ist meine Mutter völlig unerwartet verstorben. Das waren richtig schlimme Jahre für mich. Irgendwann aber habe ich mir vorgenommen, noch einmal alles zu probieren. Dann habe ich mir einen Sportpsychologen genommen und im Januar 2016 bin ich dann wirklich in die Bundesliga aufgestiegen …

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Patrick Ittrich (l.) war lange Jahre der „Verkehrskasper“ der Hamburger Polizei. (Foto: picture alliance/dpa/Polizei Hamburg)

… Sie wurden in einer Übergangszeit befördert. Der Abschied von Knut Kircher, Michael Weiner und Florian Meyer stand an. Sie waren bereits 37.

Mir wurde gesagt: Wir brauchen einen gestandenen Mann. Ich habe nie aufgegeben und mir im Sommer zuvor schon Hoffnungen gemacht. Im Sommer 2015 ist was bei mir passiert.

Was?

Jahrelang war ich bei der Hamburger Polizei ein Handpuppenspieler, ich war der Verkehrskasper. Im Sommer 2015 war auf dem Schloss Gimborn im Bergischen ein Festival der Polizei. Das hat richtig Spaß gemacht. Das Problem war: Ich wusste, dass gleichzeitig die Sitzung stattfindet, bei der über meinen möglichen Aufstieg entschieden wird. Irgendwann würde man mich anrufen, dachte ich. Aber ich hatte da einfach keinen Empfang. Am Schloss gibt es so eine kleine Kapelle, 500 Meter den Berg hoch. Ich habe das drei Tage lang sechsmal am Tag gemacht. Immer den Berg hoch. Aber niemand hat mich angerufen. Da habe ich mir gesagt, dass es mir gutgeht, ich alles habe und mich entspannen muss. Ein halbes Jahr später war ich Bundesligaschiedsrichter.

Mit Patrick Ittrich sprachen Tobias Nordmann und Stephan Uersfeld

Quelle: ntv.de

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