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Startseite»Nachrichten»Vogelwilder Abstiegskampf: Hecking: „Deshalb ist dieser scheiß Fußball so toll für alle“
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Vogelwilder Abstiegskampf: Hecking: „Deshalb ist dieser scheiß Fußball so toll für alle“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 16, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Vogelwilder AbstiegskampfHecking: „Deshalb ist dieser scheiß Fußball so toll für alle“

Dieter Hecking steht vor einem nervenaufreibenden Saisonfinale. (Foto: picture alliance / Gonzales Photo/Inaki Esnaola)

Die Fußball-Bundesliga steht vor einem dramatischen Saisonfinale. Die Meisterfrage ist wie meistens längst geklärt, aber im Keller hat selbst der Tabellenletzte noch Hoffnung. Es könnte sogar ein Wunder geben.

Das hat es noch nie gegeben: Zum ersten Mal seit dem Bestehen der Bundesliga gehen der Tabellen-16., -17. und -18. mit der gleichen Punktzahl ins große Finale. Zwei der drei Klubs, die ums Überleben kämpfen, treffen dabei in einem direkten Duell aufeinander. Das wilde Finale war so nicht absehbar.

Als der Hamburger SV Anfang März am 25. Spieltag mit einem 2:1 beim VfL Wolfsburg einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt machte, verlor Heidenheim auf dem Schlossberg mit 2:4 gegen Hoffenheim. Am Millerntor scheiterte der FC St. Pauli gleich zweimal am Pfosten, holte aber einen Punkt gegen Eintracht Frankfurt. Für die Kiezkicker sah es recht gut aus. Die Würfel im Abstiegskampf waren gefallen.

„Jetzt freuen wir uns drauf“

Wolfsburg griff an diesem Tag zum Rettungsanker. Daniel Bauer musste gehen, mit Dieter Hecking heuerte der King vom Mittellandkanal im ehemaligen Zonenrandgebiet an. Vier Punkte betrug der Abstand auf St. Pauli, Heidenheim war mit zehn Punkten Rückstand auf den Relegationsrang bereits verurteilt: Rückkehr in die 2. Bundesliga, womöglich lebenslänglich.

Über zwei Monate später sitzt Hecking voller Vorfreude auf dem Podest in Wolfsburg. Die Pressekonferenz für das Abstiegsendspiel gegen St. Pauli (15.30 Uhr/Sky und im Liveticker auf ntv.de) steht an. „Deshalb ist es ja so toll, Radiokonferenz zu hören, die Konferenz vorm Fernseher zu gucken, im Stadion zu sein, um das alles mitzuerleben. Deshalb ist dieser scheiß Fußball so toll für alle“, schwärmt der 61-Jährige. „Wir wussten, dass es so ein Spiel geben kann. Und jetzt freuen wir uns drauf.“

Wer in den vergangenen Wochen den Wolfsburgern dabei zugeschaut hat, wie sie sich Stück für Stück aus ihrer misslichen Lage befreit haben und mal hier und mal dort Punkte zusammenklaubten, dabei aber nur einmal (bei Union Berlin) gewannen, hat keine Zweifel: Die Volkswagen-Tochter geht als Favorit in das Spiel, in dem für sie 29 Jahre Ligazugehörigkeit auf dem Spiel stehen. Aber so einfach ist es nicht.

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Spektakuläre Konstellation

Es ist eine vollkommen verrückte Ausgangslage. Eine, die es so in der Geschichte der Liga eben noch nicht gegeben hat. Wer verliert, steigt ab. Wer unentschieden spielt, steigt vielleicht ab. Und vielleicht steigt sogar der Sieger ab. Das alles hängt mit dem designierten Absteiger Heidenheim zusammen, der auf dem Schlossberg zeitgleich den 1.FSV Mainz 05 empfängt. Für die geht es um nichts mehr, was sie nicht minder gefährlich macht. Fragen Sie nach beim BVB im Mai 2023.

In den vergangenen Wochen arbeiteten sie an einem der größten Comebacks der Bundesliga. Sie kassierten nur eine Niederlage in ihren letzten sieben Spielen, sie schlagen Union Berlin, St. Pauli und den 1. FC Köln, sie punkteten gegen Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und den Rekordmeister FC Bayern. Den hatten sie am Rande einer Niederlage, kassierten erst tief in der Nachspielzeit den Ausgleich.

All das führt zu einer spektakulären Tabellenkonstellation. Alle drei Klubs gehen mit 26 Punkten in den 34. Spieltag. Wolfsburg hat eine Tordifferenz von minus 26, Heidenheim und St. Pauli haben eine Tordifferenz von minus 29, Heidenheim hat dabei mehr Tore erzielt. Alles ist drin an diesem Spieltag. Sogar Punkt- und Torgleichheit bei Heidenheim und Wolfsburg. Dazu muss Heidenheim mit 4:0 gegen Mainz gewinnen und Wolfsburg mit 3:2 beim FC St. Pauli. In diesem Moment hätte sich die Niedersachsen aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs in die Relegation geschafft.

Endspiel am Millerntor

So weit will es Hecking nicht kommen lassen. Rechnen will er nicht, warnen kann er. „Das ist ein K.-o.-Spiel, und da kann so viel passieren, was wir jetzt nicht vorhersehen können“, betonte er. Das Millerntor stehe „für Begeisterung und Atmosphäre. St. Pauli hat Tugenden, die einem wehtun können.“

Davon ist auch der Coach der Hamburger überzeugt. Vor dem „wichtigsten Spiel“ der Saison glaubt Alexander Blessin noch an die Rettung – obwohl das seit neun Spielen sieglose St. Pauli zuletzt den schwächsten Eindruck hinterließ und die Entscheidung auch nicht mehr in eigener Hand hat. Selbst bei einem Sieg müssen die Hamburger hoffen, dass Heidenheim nicht oder weniger hoch gegen Mainz gewinnt.

Trotzdem ist der Fokus beim Aufsteiger von 2024 klar. „Wir wären falsch beraten, wenn wir die ganze Zeit am Hörer hängen oder die ganze Zeit gucken, was in Heidenheim passiert“, sagte Blessin, der nach einer überstandenen Magen-Darm-Welle wieder auf einen Großteil seines Kaders zurückgreifen kann. Es geht darum, die Angst in Energie umzuwandeln, betonte der Coach. Man wolle allein „das Spiel gewinnen – und wir müssen das Spiel gewinnen“.

Nicht anders sieht es Frank Schmidt, der Trainer der Heidenheimer. Er geht im kommenden Jahr womöglich in seine letzte Saison, seine dann 20. in Heidenheim. „Der Klassenerhalt“, sagt Schmidt, „wäre ein Wunder. Aber was wäre der Mensch, würde er nicht daran glauben?“

Quelle: ntv.de, sue mit sid

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