Im letzten Jahr liefen die Geschäfte für die irische Airline Ryanair sehr gut, wie aus den aktuellen Zahlen hervorgeht. Doch wie die gesamte Branche blickt auch Chef O’Leary mit Sorge auf die Lage am Persischen Golf.
Die Billigflug-Airline Ryanair hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/2026 dank einer hohen Nachfrage der Kundinnen und Kunden einen Rekordgewinn erzielt. Der Gewinn nach Steuern kletterte in den zwölf Monaten bis Ende März auf 2,26 Milliarden Euro von 1,61 Milliarden Euro im Vorjahr. Nicht in den Zahlen enthalten ist eine Rückstellung von 85 Millionen Euro für eine Geldstrafe der italienischen Wettbewerbsbehörde, gegen die sich Ryanair noch juristisch zur Wehr setzt.
Damit übertraf Ryanair knapp die Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit 2,2 Milliarden Euro gerechnet hatten. Der Umsatz stieg um elf Prozent auf 15,5 Milliarden Euro. „Wir haben ein Rekordjahr, ein Rekord-Passagieraufkommen und Rekordgewinne geliefert“, sagte Konzernchef Michael O’Leary. Die Zahl der beförderten Passagiere stieg um vier Prozent auf 208,4 Millionen.
Aussichten von Unsicherheit geprägt
Mit Blick auf die nahe Zukunft zeigte sich O’Leary zurückhaltender. „Wir durchleben derzeit eindeutig eine Phase erheblicher Unsicherheit“, sagte er. Wegen der Sorgen der Verbraucher vor den Folgen des Iran-Kriegs rechnet Ryanair in der Hauptreisezeit nicht mehr mit steigenden Ticketpreisen. Statt des erwarteten leichten Anstiegs dürften die Preise von Juli bis September nun weitgehend stagnieren.
„Da für das zweite Halbjahr keine Klarheit herrscht und angesichts der starken Schwankungen bei den Treibstoffpreisen sowie der Versorgungsrisiken ist es zum jetzigen Zeitpunkt viel zu früh, um eine aussagekräftige Gewinnprognose für das nächste Geschäftsjahr abzugeben“, sagte O’Leary. Die Airline habe ihre Treibstoffkosten für das laufende Jahr zwar schon zu 80 Prozent preislich abgesichert, geht aber davon aus, dass die Kerosinpreise langfristig erhöht bleiben werden.
Der Konkurrent Wizz Air hatte sich in der vergangenen Woche trotz der Turbulenzen im Nahen Osten dagegen optimistischer geäußert. Die Buchungen lägen zwei Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau, hatte Konzernchef Jozsef Varadi der Nachrichtenagentur Reuters gesagt.
Keine Sorgen vor Kerosin-Engpässen
Entwarnung gaben beide Fluggesellschaften bei etwaigen Treibstoffengpässen wegen der Schließung der Straße von Hormus. Die Lieferanten hätten sich an die Situation angepasst, teilte Ryanair mit. Finanzchef Neil Sorahan zeigte sich in einem Interview zunehmend zuversichtlich, dass es auch nach dem Sommer zu keinen Unterbrechungen bei der Kerosinversorgung kommen werde.
Auch Wizz-Air-Chef Varadi hatte Sorgen wegen denkbarer Engpässe zurückgewiesen: Die Treibstoffversorgung für die kommenden sechs bis acht Monate sei gesichert.
