Niederländischen Kindern geht es laut einer UNICEF-Studie besonders gut. Was läuft dort besser als in Deutschland? Ein Erklärungsversuch.
In einer UNICEF-Studie über das Wohlbefinden von Kindern hat es Deutschland nur auf einen hinteren Platz geschafft. Die Niederlande hingegen stehen ganz oben auf der Liste.
„Wir lassen die Kinder erstmal Kinder sein“, sagen viele Eltern in den Niederlanden – und dazu gehört nicht nur, viel zu spielen und bei Wind und Wetter draußen zu sein, sondern auch ein bewusster Erziehungsansatz.
Fachleute verweisen darauf, dass in den Niederlanden schon früh die Stichworte Freiheit, eigene Erfahrung und Selbstständigkeit eine besondere Rolle spielen. Gut zu beobachten ist das zum Beispiel auf Spielplätzen, wo niederländische Eltern ihre Kinder eher aus der Ferne beaufsichtigen und erst spät eingreifen. Da darf ein Kind auch mal hinfallen, in jeder Hinsicht – um zu lernen, wie man dann wieder aufsteht.
Leistungsdruck setzt später ein
Auch in der Schule setzt der Leistungsdruck durch Zensuren erst spät ein. Die Basisschule für alle beginnt mit etwa vier Jahren und dauert acht Jahre. In dieser Zeit stehen neben Lesen, Schreiben und Rechnen vor allem soziale Kompetenzen im Mittelpunkt – zum Beispiel die Fähigkeit, zu diskutieren oder selbst Verantwortung zu übernehmen.
Der Anspruch, perfekt zu sein, ist geringer. So entsteht eine Atmosphäre ohne Versagensängste, in der sich die individuellen Fähigkeiten der meisten Kinder besser entfalten können. Die Trennung zur weiterführenden Schule erfolgt dann erst mit zwölf Jahren.
Fahrrad als Mittel der Unabhängigkeit
Wichtig ist aber auch das familiäre Umfeld. Fixpunkte wie ein gemeinsames Frühstück oder Abendbrot sowie Eltern, die in Teilzeit arbeiten, zählen zu den Standards niederländischer Familien.
Ebenso das Fahrrad, das für mehr als ein Drittel aller Niederländer das wichtigste Fortbewegungsmittel ist. Ihre Kinder sitzen schon sehr früh im Sattel, lernen, wie man sich eigenverantwortlich im Straßenverkehr bewegt – und sind so bereits als Jugendliche weitgehend unabhängig vom Mama- oder Papa-Taxi.

