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Putin zu Besuch in Peking: So schwach ist Russland wirklich

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 20, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Putin zu Besuch in PekingSo schwach ist Russland wirklich

20.05.2026, 19:15 Uhr

Von Martin Morcinek
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Zu Besuch in Peking: Chinas Staatspräsident empfängt Wladimir Putin zum Tee in der „Großen Halle des Volkes“. (Foto: via REUTERS)

Gemessen an der Fläche ist Russland das größte Land der Erde. Militärisch tritt Moskau wie selbstverständlich als Großmacht auf. Ein Blick auf prominente Kennzahlen jedoch zeigt: Abseits von Atomwaffen und Rohstoffen kann die Russische Föderation kaum mithalten.

Die Bilder aus Peking sprechen eine deutliche Sprache: Wenige Tage nach dem Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump bereitet die Volksrepublik China dem russischen Machthaber Wladimir Putin einen nahezu deckungsgleichen Empfang. Nach außen hin begegnen sich hier die Staatschefs zweier Weltmächte. Hinter den Kulissen jedoch bewegen sich China und Russland alles andere als auf Augenhöhe. 

Putin ist auf die Gunst der Chinesen angewiesen: Im vierten Kriegsjahr ist die wirtschaftliche Lage schlecht, die Perspektiven düster. Die nach dem russischen Überfall auf die Ukraine verhängten Sanktionen zeigen offenbar Wirkung. Die ukrainischen Drohnenangriffe auf Raffinerien, Öltanks und Pumpstationen treffen ins Mark. Der Krieg hat Russland isoliert und in eine Art Abhängigkeit gedrückt. Die Volksrepublik kauft weiter Öl und Gas, China ist zum weltweit wichtigsten Abnehmer russischer Rohstoffe aufgestiegen.

Auf der Landkarte wirkt Russland dagegen riesig. Die Russische Föderation mit ihren mehr als 80 teils autonomen Regionen und Republiken erstreckt sich von der Ostsee bis zum Pazifik über mehr als 7000 Kilometer. Gemessen an der Staatsfläche ist tatsächlich kein Land der Erde größer. Von Moskau aus herrscht Machthaber Putin herrscht über eine Fläche von rund 17,1 Millionen Quadratkilometern.

Unermessliche Reichtümer liegen nicht nur unter dem Boden Sibiriens: Neben reichen Vorkommen an Erdöl und Erdgas beuten russische Konzerne auch vielfältige Vorkommen an Kohle, Eisenerz, Kupfer und Spezialmetalle aus. Große Teile der russischen Wirtschaft sind auf den Export der eigenen Bodenschätze ausgerichtet. Der Krieg und die Sanktionen haben China zum wichtigsten Verbündeten gemacht.

Vor den Augen der Welt behandelt China Russland wie einen gleichwertigen Partner. Lächelnd begrüßte Staatspräsident Xi Jinping den Kreml-Chef Putin zum Staatsbesuch vor der Großen Halle des Volkes in Peking. Gemeinsam schritten die beiden Staatschefs über den roten Teppich. Xi lobt die „unerschütterlichen Beziehungen“, Putin bekräftigte die „freundschaftliche Kooperation“.

Abhängig von China

Doch schon ein Blick auf die Bevölkerungsdaten entlarvt, wie ungleich die Verhältnisse sind. China kann sich als aufstrebende Wirtschaftsmacht auf die Aufstiegshoffnungen von rund 1,4 Milliarden Einwohner stützen. In Russland dagegen gehen Geburtenrate, Lebenserwartung und Anteil der Staatsbürger im erwerbsfähigen Alter zurück. Mit rund 143,5 Millionen Russen leben in dem riesigen Land nur etwa so viele Menschen wie in Deutschland und Italien zusammen.

Die Einwohnerzahl verrät wenig über die wirtschaftliche Stärke. Russland verfügte vor dem Krieg über eine vergleichsweise breite industrielle Basis, ein ausgebautes Bildungssystem, gute Verkehrsanbindungen und über genügend Potenzial auf einen weiteren Aufschwung. Bei einzelnen ökonomischen Kennzahlen, wie etwa der Wirtschaftskraft pro Kopf, rangiert das Land rechnerisch noch knapp vor den Chinesen. Doch die Volksrepublik holt auf.

Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Beispiel ist China der russischen Wirtschaft längst haushoch überlegen. In den Datenbeständen der Weltbank wird das chinesische BIP auf vergleichbarer Basis in Dollar gerechnet zuletzt mit 18,7 Billionen angegeben. Deutschland kommt in dieser Aufstellung auf 4,7 Billionen. Russland dagegen kann im Vergleichsjahr 2024 lediglich weniger als 2,2 Billionen vorweisen.

Der Reichtum an Rohstoffen und die wiederholten Hinweise auf die militärische Stärke können nüchterne Beobachter nicht darüber hinwegtäuschen: Eine echte Wirtschaftsmacht ist Russland nur auf dem Papier. Die Umstellung auf die Kriegswirtschaft hat die Wachstumsraten künstlich aufgebläht. Die Inflation ist hoch, das Vertrauen niedrig. Außer Chinesen und Nordkoreanern bleiben ausländische Investoren fern.

Europas wachsende Stärke

Bis zu 40 Prozent des Staatshaushalts sollen Schätzungen zufolge in Sicherheit und Verteidigung fließen. Nacht für Nacht beschießt das russische Militär die Ukraine mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern. Die Kosten sind enorm, die Wirkung fragwürdig: Bis zu 90 Prozent der Projektile bleiben in der ukrainischen Luftabwehr hängen. Zeitgleich verliert Putins Invasionsarmee entlang der Front bis zu 1000 Soldaten pro Tag – ein Blutzoll der eigenen Bevölkerung, den sich auch eine abgestumpfte Gesellschaft nicht über längere Zeit leisten kann. In Russland fehlt es schon jetzt an Arbeitskräften.

Die ausgewählten Kennzahlen können selbstverständlich nur einen kleinen Ausschnitt der Entwicklung beleuchten. Insgesamt jedoch wird deutlich, wie sehr die Zeit gegen Putin spielt. Der 73-Jährige regiert im Kreml mit kurzer Unterbrechung schon seit mehr als 26 Jahren. In dieser Zeitspanne hat sich Russland von einem international angesehenen Mitglied der BRIC-Staaten zu einem größtenteils isolierten Aggressor-Land entwickelt.

Während Russland wankt, verschieben sich in anderen Teilen der Welt die grundlegenden Machtverhältnisse. In Europa etwa können die Staaten der Europäischen Union auf eine anhaltende Phase kräftigen Wachstums zurückblicken. Deutschland ist mittlerweile eingebettet in einen der stärksten Wirtschaftsräume der Welt. Und auch die Volksrepublik China – ausgestattet mit weniger Landfläche, weniger Rohstoffen und ungünstigeren Startbedingungen – stieg im gleichen Zeitraum zur wirtschaftlichen Supermacht auf.

Quelle: ntv.de

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