Auf einem Bild erkennt man zuerst Schutzanzüge und ein Schiff. Genau diese Kombination reicht derzeit oft schon, um einen Zusammenhang mit dem Hantavirus glaubhaft wirken zu lassen.
Das Foto hat keinen Bezug zu den Hantavirus-Fällen auf der „MV Hondius“. Es stammt aus Almería in Spanien und zeigt eine internationale Notfallübung vom 7. Mai 2025. Der Mann mit Kamera ist daher kein Widerspruch zu einem realen Seucheneinsatz, sondern Teil einer dokumentierten Übungssituation.
Das Foto stammt aus Almería
Über eine Bilderrückwärtssuche findet man das Foto auf der Website der Hafenbehörde von Almería finden. Dort wurde am 7. Mai 2025 über die Übung „Marsec 25“ berichtet. Koordiniert wurde sie von der spanischen Marine und dem Gesundheitsministerium.
Geprobt wurde ein Gesundheitsnotfall auf See. Das Szenario: ein Schiff mit Verdachtsfällen von Ebola an Bord. Das verbreitete Foto zeigt genau diese Übung. Ein Abgleich mit weiteren Aufnahmen lokaler Medien vom selben Tag passt dazu.
Damit ist die zentrale Behauptung überprüfbar widerlegt. Das Bild ist echt, aber der verbreitete Zusammenhang ist falsch.
Der Kontext wurde nachträglich verändert
Solche Beiträge arbeiten oft mit einer einfachen Umdeutung. Ein reales Bild wird aus seinem ursprünglichen Ereignis gelöst und mit einem anderen Vorfall verknüpft. Dadurch wirkt die Szene plötzlich wie ein Beleg für angebliche Widersprüche.
Hier wird besonders auf die Person mit Kamera ohne Schutzanzug verwiesen. In den Kommentaren soll das als Hinweis auf eine Inszenierung mit Absicht der Ablenkung gelesen werden. Nur: Diese Schlussfolgerung setzt voraus, dass das Foto überhaupt am Ort des Hantavirus-Ausbruchs entstand. Doch wie wir bereits feststellen konnten: Genau das stimmt nicht.
Der Beitrag mag auf den ersten Blick vielleicht plausibel wirken. Denn wer bereits misstrauisch auf Meldungen zu Ausbrüchen schaut, erkennt in so einem Bild scheinbar sofort ein Muster. Tatsächlich wird aber ein altes Motiv in einen neuen Rahmen gesetzt.
Zur Hondius gibt es keinen Bildbeleg
Die bekannten Angaben zum Ausbruch auf der „MV Hondius“ beschreiben mehrere gemeldete Erkrankungsfälle während der Reise von Argentinien Richtung Antarktis und später in den Südatlantik. Später wurde der Ausbruch dem Andes-Typ des Hantavirus zugeordnet. Nach WHO-Angaben wurden Verdachts- und bestätigte Fälle isoliert und medizinisch überwacht.
Das kursierende Bild belegt diese Lage jedoch nicht. Es dokumentiert weder den Ort noch den Zeitpunkt noch die betroffenen Personen. Es ersetzt also keine Quelle, sondern wird selbst zur falschen Behauptung umgebaut. Schutzanzüge, Schiff, Kamera, Kommentare: Alles zusammen liefert eine fertige Deutung. Der Fehler liegt nicht im Bild selbst, sondern in seiner falschen Zuordnung.
FAQ zum Thema: Hondius und Hantavirus-Bild
Zeigt das Bild wirklich den Hantavirus-Ausbruch auf der „Hondius“?
Nein. Das Foto steht nicht im Zusammenhang mit dem Ausbruch auf der „MV Hondius“. Es zeigt eine Übung in Almería vom 7. Mai 2025 mit einem Ebola-Szenario.
Woher stammt die Aussage zur angeblichen Inszenierung auf der „Hondius“?
Sie entsteht aus Kommentaren zum Foto, in denen auf Personen ohne Schutzanzug verwiesen wird. Die Deutung baut auf einem falschen Kontext auf, nicht auf einem echten Beleg.
Wie prüft man das Hantavirus-Foto zur „Hondius“ im Internet?
Am schnellsten über eine Bilderrückwärtssuche. Findet man ältere Treffer bei Behörden, Medien oder Bilddatenbanken, lässt sich der ursprüngliche Zusammenhang oft direkt nachweisen.
dpa-Factchecking
19. Mai 2026
Diario de Almería
7. Mai 2025
World Health Organization
8. Mai 2026
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
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