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„Wahnsinn“ und unverkäuflich: Für diesen Harry Kane müssen Superlative erfunden werden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 24, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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„Wahnsinn“ und unverkäuflichFür diesen Harry Kane müssen Superlative erfunden werden

24.05.2026, 06:14 Uhr Von Anja Rau, Berlin
Fussball-Maenner-DFB-Pokal-FC-Bayern-Muenchen-VfB-Stuttgart-Finale-im-Berliner-Olympiastadion-Harry-Kane-M-Bayern-Muenchen-jubelt-nach-seinem-dritten-Tor-zum-3-0-mit-Joshua-Kimmich-Bayern-Muenchen
Ätschbätsch, Harry Kane erzielt drei Tore. (Foto: picture alliance/dpa)

61 Tore in einer Saison, 10 davon im DFB-Pokal. Harry Kane ist die personifizierte Torgarantie. Für den FC Bayern ein Pfund, dem Ehrenpräsident Uli Hoeneß ein „Unverkäuflich“-Schild umhängt. Nach dem Pokalsieg weiß selbst Trainer Vincent Kompany kaum noch, wie doll er schwärmen soll.

„Ich wäre auch gern manchmal so frei“, sagt Stürmer Deniz Undav neidisch über Stürmer Harry Kane und erntet dafür Lacher der fragenden Journalisten. Der Offensivmann in Diensten des VfB Stuttgart und des DFB-Teams holt dann aber doch zum ehrlichen Lob aus für den Stürmer des FC Bayern und der englischen Nationalmannschaft. „Du darfst ihm keinen Meter Platz lassen, der ist eiskalt. Topabschluss rechts wie links.“ Und es geht immer so weiter mit der Aufzählung: Gutes Gespür. Er ist immer da, wo die Tore sind. Weltklasse. Überragend.

So überragend, dass Harry Kane das DFB-Pokalfinale quasi im Alleingang entscheidet. 3:0 – durch drei Tore des Engländers. Es sind seine Treffer 59 bis 61 in dieser Saison, 51 Spiele hat er dafür absolviert. „Er meinte, er holt mir das Ding zum Abschied“, sagt Leon Goretzka, der bei seinem letzten Spiel für den FC Bayern wenige Minuten vor Schluss noch eingewechselt wird. „Er hat sein Wort gehalten. Wieder eine herausragende Leistung von ihm.“

Gleich beim ersten der Tore an diesem Abend im Berliner Olympiastadion zeigt sich, dass Undav in seiner Aufzählung sogar noch etwas vergessen hat. Kane kann es – natürlich – auch mit dem Kopf. In der 55. Minute stellt er es nach Pass von Michael Olise aus kurzer Distanz per Flugkopfball unter Beweis.

Es ist ein Tor, das Kane einmal mehr in die Rekordbücher einträgt. Nach Dieter Müller – 1976/77 für den 1. FC Köln – und Dirk Kurtenbach – 1986/87 für die Stuttgarter Kickers – ist der Superstürmer der erst dritte Spieler, der in einer Pokalsaison in jeder Runde inklusive Endspiel trifft. Mit zehn Treffern in einer Pokalsaison verpasst Kane den Allzeit-Rekord von Gerd Müller aus der Saison 1976/77 nur um ein Tor.

„Der beste Transfer, den wir je gemacht haben“

Es ist ein Tor, das als endgültiger Weckruf fungiert. Für den FC Bayern, denn bis dahin hatte der VfB Stuttgart mehr vom Spiel. Ackert nach vorn, erspielt sich Torchancen, vollendet diese aber nicht. Verteidigt clever nach hinten und limitiert die beiden um Kane spielenden Olise und Luis Diaz effektiv in ihren sonst so überragenden Fähigkeiten. Kane ist bis dato unauffällig, treibt sich auch an der Mittellinie herum, arbeitet defensiv mit, aber Ausflüge in den Strafraum sind Fehlanzeige. Bis zur 55. Minute, als die Fans beider Seiten das Stadion nach und nach durch die konzertierte Protestaktion gegen den DFB mit großer Anzahl an Pyrotechnik in Nebel hüllen.

Zu viel Ablenkung für den VfB oder Heimatgefühle nach englischem Trübe-Tassen-Wetter bei Kane? Dass das Spiel nach dem 1:0 von Schiedsrichter Sven Jablonski wegen zu schlechter Sicht unterbrochen werden muss, könnte den Spielfluss der Stuttgarter gestört haben. Oder aber die Bayern besinnen sich darauf, dass nun Zeit ist, Bayern-Dinge zu vollziehen. Dominanz und Ballbesitz wechselt die Seiten. Die knappe Führung, sie lässt zwar die Bayern-Fans jubeln, die Stuttgarter aber dürfen noch hoffen.

Träume von der Titelverteidigung platzen dann aber in der 80. Minute. Kane gibt den Spielverderber. Beinahe wäre es Konrad Laimer gewesen, der lässt aber mit seinem Schuss nur die Latte zittern, ehe Kane erst mit Diaz Doppelpass spielt, sich dann an Stuttgarts Chema vorbeischlängelt und aus gut zehn Metern mit rechts abschließt. Es sieht so einfach aus, wenn man es kann. Kane ist ein Meister seines Fachs.

Und die sind heiß begehrt. Sein Vertrag beim FC Bayern läuft noch ein Jahr. Natürlich strecken die Topteams die Hände nach dem 32-Jährigen aus. Geht es nach Uli Hoeneß, hat keiner eine Chance. Kane sei unverkäuflich. „Das war der beste Transfer, den wir je gemacht haben“, sagt der Ehrenpräsident in der ARD: „Der FC Bayern ist ein Käufer-Verein, kein Verkäufer-Verein.“ Und überhaupt: Der angeblich interessierte (aber klamme) FC Barcelona habe doch eh kein Geld.

Ein Lob, das Kane freut: „Es ist natürlich schön, so etwas zu hören. Für diesen Klub haben viele großartige Spieler gespielt, deswegen fühle ich mich geehrt. Ich fühle mich als Teil der Geschichte des Vereins.“ Für Sportvorstand Max Eberl ist es „einfach würdig, dass er mit dem Hattrick dieses Spiel entscheidet.“

Kompany lobt „auch seine Persönlichkeit“

Dass der 32-Jährige mit dem Dreierpack aus dem Spiel geht, hat er auch Angelo Stiller zu verdanken. Der Stuttgarter zieht im Strafraum nicht entscheidend die Arme weg, verursacht so einen Handelfmeter (90.+2). Natürlich tritt Kane an – und natürlich trifft er. Mitte Mai hatte er gegen den VfL Wolfsburg nach fast drei Jahren in der Bundesliga erstmals – nach 24 Treffern in Folge – einen Elfmeter verschossen. Dasselbe Missgeschick war ihm im DFB-Pokal in dieser Saison bereits unterlaufen, beim Erstrundenspiel beim SV Wehen Wiesbaden. Ebenso in der Champions League gegen Union Saint-Gilloise. Es bleiben Ausrutscher.

„Ich habe mich so auf dieses Finale gefreut. Ich wollte die Fans stolz machen. Ein Hattrick im Finale in einem so besonderen Spiel ist ein besonderes Gefühl. Ich bin sehr stolz darauf nach einer langen Saison. Sie so zu beenden, ist perfekt“, sagt er bei Sky. Sie endet mit dem Double aus Meisterschaft und Pokalsieg. Dem ersten Pokaltriumph für Kane und seinen Trainer Vincent Kompany.

Dieser findet Kane einfach nur „beeindruckend“. Und zwar in seiner Gesamtheit: „Es ist nicht nur seine Qualität, sondern auch seine Persönlichkeit für die Gruppe. Keine Ahnung, wie man so viele Tore in seiner Karriere schießen kann und dann trotzdem dasteht wie einer von allen.“ Es wirkt, als wüsste selbst der Trainer nicht so recht, wie er das Torphänomen beschreiben soll. „Du fragst dich: ‚Hat er heute getroffen?‘ Und dann sagen wir: ‚Ja, dreimal.‘ Das ist Wahnsinn.“

Es wirkt geradezu grotesk, dass ein Mann, für den die Superlative nicht genug sind, jahrelang mit einem Titelfluch belegt war. Das hat sich beim FC Bayern geändert. Nach zwei Meistertiteln und dem Gewinn des DFB-Supercups kann sich Kane nun auch einen DFB-Pokal in die Vitrine stellen. Vielleicht ist ein weiterer Wahnsinn damit ja gestartet. Denn es wirkt nicht so, als würde Kane so bald damit aufhören wollen, gegnerische Stürmer neidisch zu machen.

Quelle: ntv.de

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