In mehreren europäischen Ländern führten Hitze und Trockenheit zu Rekord-Tiefständen großer Flüsse. Das Niedrigwasser der Donau legte auch allerlei Zeugnisse vergangener Zeiten frei – nicht nur aus dem Zweiten Weltkrieg.
Das extreme Niedrigwasser von Donau und Rhein hat in mehreren europäischen Ländern Relikte aus der Vergangenheit freigelegt. In der Donau in Budapest sind etwa die Überreste von zwei Wehrmachtssoldaten und eine Tellermine gefunden worden. Mitarbeiter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge hätten die Gebeine der Soldaten exhumiert, teilte der Volksbund mit. Auch ein Motorrad und zwei Erkennungsmarken seien dabei gefunden worden.
Wegen der entdeckten Tellermine 35 zur Panzerabwehr sei auch der Kampfmittelräumdienst im Einsatz gewesen. Auch aus Schiffswracks, die derzeit aus Flüssen auftauchen, könnten möglicherweise noch Kriegstote zu bergen sein, so der Volksbund.
Das Niedrigwasser offenbart Spuren des Zweiten Weltkrieges, wie dieses verwitterte Motorrad der Wehrmacht.
Historische Mammutknochen in Bulgarien
Die anhaltende Hitze und Trockenheit führten zu einem Rekord-Tiefstand der Donau, nicht nur in Ungarn. Auch in Bulgarien führt die Donau Niedrigwasser – dort kamen überraschend Mammutreste zum Vorschein. Bei dem bulgarischen Donaudorf Rjachowo wurden die ungewöhnlichen Knochen auf dem Flussboden von einem Anwohner entdeckt, berichtete das Bulgarische Nationale Fernsehen BNT.
Das regionale Geschichtsmuseum der Donaustadt Russe bestätigte, bei dem Fund handele es sich um einen Unterkiefer, zwei Stoßzähne und eine Rippe eines Mammuts. Die Experten müssen jetzt den Fund analysieren, um die genaue Herkunft und das Alter des Mammuts festzustellen. Die Knochen des prähistorischen Tieres wurden in das Museum gebracht.
In Bulgarien wurden Unterkiefer, Stoßzähne und eine Rippe eines Mammuts gefunden.
Verwitterte Nazi-Flotte in Serbien
In Serbien hat das Donau-Niedrigwasser mehrere Schiffswracks der deutschen Marine aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein gebracht. In der Nähe des Flusshafens Prahovo seien verwitterte Relikten der einstigen Nazi-Flotte gefunden worden, berichten serbische Medien. Auch in den vergangenen Jahren waren die Schiffswracks dort in besonders heißen Sommern immer wieder sichtbar geworden.
Die Häufung der Wracks in dem Donauabschnitt unmittelbar vor dem sogenannten Eisernen Tor – einem Durchbruchstal der Donau an der Grenze zwischen Serbien und Rumänien – erklärt sich mit den Geschehnissen am Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Nazis hatten dort Teile ihrer Schwarzmeerflotte selbst versenkt. Der deutsche Flottenverband hatte sich auf dem Rückzug befunden und war von der sowjetischen Donaumilitärflottille verfolgt worden. Die rund 200 versenkten Wasserfahrzeuge sollten die Donau für die Verfolger unpassierbar machen.
Schaulustige kletterten in der Nähe des Flusshafens Prahovo auf den verwitterten Relikten der einstigen Nazi-Flotte herum.
Seemine aus dem Zweiten Weltkrieg in der Slowakei
In der Slowakei legte der niedrige Wasserstand der Donau bereits am Montag einen Gegenstand frei, der sich als Anti-Schiffsmine aus dem Zweiten Weltkrieg entpuppte. Der Flussabschnitt bei der Gemeinde Virt im Bezirk Komarno östlich von Bratislava an der Grenze zu Ungarn wurde zwischenzeitlich für die gesamte Schifffahrt gesperrt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden strategisch wichtige Anlagen in der slowakischen Hauptstadt Bratislava intensiv bombardiert. Zerstört wurden unter anderem die Ölraffinerie Apollo und der nahegelegene Hafenbereich an der Donau. Aus der Luft abgeworfene Seeminen hatten den Sinn, den Transport von militärisch wichtigen Gütern auf der Donau zu verhindern.
Dieser zunächst unbekannte Gegenstand entpuppte sich als Seemine aus dem Zweiten Weltkrieg.
Holzschiff aus dem 19. Jahrhundert im Rhein
Auch die Rhein-Pegel haben historische Tiefstände erreicht. Durch das Niedrigwasser tauchte auf dem Grund des Rheins bei Kleve das Wrack des einstigen Holz-Frachtschiffes „De Hoop“ aus dem späten 19. Jahrhundert auf. 1895 hatte sich beim Umladen von Dynamit eine Explosion ereignet. Dabei starben 16 Menschen, das Schiff wurde zerstört.
Das Wrack des einstigen Holz-Frachtschiffes „De Hoop“ im Rhein.
