Stichwahlen in NiedersachsenGrüne siegen in Hannover – AfD verliert gleich dreifach
In Niedersachsen sind zahlreiche Rathäuser und Landratsposten umkämpft – in Stichwahlen fallen die Entscheidungen. In der Landeshauptstadt Hannover bleibt der grüne Onay Oberbürgermeister. Hoffnungen der AfD werden allesamt enttäuscht.
Der Grünen-Politiker Belit Onay hat sich in der Stichwahl klar durchgesetzt und bleibt Oberbürgermeister in Hannover – die AfD dagegen verpasst ihr erstes kommunales Spitzenamt in Niedersachsen deutlich. Onay setzte sich mit 61,5 Prozent gegen den SPD-Kandidaten Axel von der Ohe mit 38,5 Prozent durch, wie aus dem vorläufigen Ergebnis der Stadt hervorgeht.
Onay regiert in Hannover seit 2019. Zuvor war die niedersächsische Landeshauptstadt lange in SPD-Hand. Schon im ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen hatte Onay bereits fast die absolute Mehrheit errungen mit 45,6 Prozent. Von der Ohe kam damals mit 21,5 Prozent auf weniger als die Hälfte.
Der alte und neue Oberbürgermeister sagte der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ nach seinem Wahlsieg: „Wir sind mit einem guten Gefühl in den Wahlkampf um die Stichwahl gegangen, aber klar ist auch: Wir fangen bei einer Stichwahl alle wieder bei null an.“ Die Motivation sei durch das gute Ergebnis im ersten Wahlgang sehr hoch gewesen. „Wir sagten uns: Jetzt erst recht.“
Der geschlagene Sozialdemokrat von der Ohe sagte: „Ich empfehle meiner Partei, der SPD, dass sie dieses Ergebnis auch innerlich annimmt und ab morgen mitmacht in der konstruktiven Gestaltung dieser Stadt.“ OB- und Ratswahl hätten einen klaren Auftrag gegeben: „Der Auftrag heißt Grün-Rot. Das sollten wir annehmen“, sagte der 49-Jährige.
Zwei Wochen nach den ersten Entscheidungen bei den Kommunalwahlen wurden in 123 Stichwahlen hauptamtliche Spitzenbeamte wie Bürgermeister und Landräte bestimmt. Gewählt wurden sie für die nächsten acht Jahre. Alle Ergebnisse gelten zunächst als vorläufige amtliche Endergebnisse.
Die AfD war in drei Stichwahlen vertreten – die sie jedoch allesamt verlor. In der kreisfreien Stadt Salzgitter setzte sich der CDU-Politiker Frank Klingebiel gegen die AfD-Kandidatin Patricia Mair durch. Klingebiel – bereits seit 2006 als Oberbürgermeister im Amt – erhielt der Ergebnisseite der Stadt zufolge 74,7 Prozent der Stimmen. Mair kam auf 25,3 Prozent.
AfD jeweils klar unterlegen
Bereits im ersten Durchgang vor zwei Wochen hatte Klingebiel in der Stadt mit gut 100.000 Einwohnern klar vorn gelegen, 45,6 Prozent der Stimmen reichten aber nicht für die direkte Wahl. Mair hatte 25,7 Prozent erreicht.
In der Kleinstadt Munster im Heidekreis wurde die Einzelbewerberin Anna Adamczak mit 80,48 Prozent der Stimmen als Bürgermeisterin gewählt. Der AfD-Bewerber Christoph Weynand erreichte 19,52 Prozent. In Bockenem (Landkreis Hildesheim) setzte sich der Einzelbewerber Jens Lüer mit 69,6 Prozent gegen den AfD-Kandidaten Felix Mull mit 30,4 Prozent durch.
Die SPD-Kandidatin Eva Bender entschied die Stichwahl um das Amt der Regionspräsidentin in Hannover klar für sich. Nach der Auszählung aller Wahlbereiche bekam sie 69,4 Prozent der Stimmen. Für den CDU-Kandidaten Oliver Junk stimmten lediglich 30,6 Prozent. Zuletzt hatte die Regionspräsidentschaft der inzwischen nach Berlin gewechselte Steffen Krach inne.
Grüne erobern Göttinger Rathaus
Eine neue Farbe im Rathaus gibt es in Göttingen. Onyeka Oshionwu von den Grünen ist die neue Oberbürgermeisterin der Universitätsstadt. Sie folgt auf Petra Broistedt von der SPD, die nach einer Amtszeit nicht erneut antrat. Oshionwu sammelte 62,95 Prozent der Stimmen. Ihr Herausforderer in der Stichwahl, Ehsan Kangarani von der CDU, kam auf 37,05 Prozent.
Schon nach dem ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen stand fest, dass die SPD das Rathaus würde abgeben müssen. Der sozialdemokratische Kandidat Florian Dinger schaffte es nicht in die Stichwahl. Zuvor war das Göttinger Rathaus in den vergangenen Jahrzehnten meist in SPD-Hand. Oshionwu wurde auch von Volt und dem Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung unterstützt.
In Osnabrück gewann Amtsinhaberin Katharina Pötter die OB-Wahl. Die CDU-Politikerin setzte sich mit 56,95 Prozent der Stimmen gegen Volker Bajus von den Grünen durch. Der Kontrahent kam auf 43,05 Prozent der Stimmen. Pötter geht in ihre zweite Amtszeit in Niedersachsens viertgrößter Stadt.
In der Stichwahl zur Landrätin im Landkreis Osnabrück setzte sich ebenfalls die Amtsinhaberin durch. Anna Kebschull war diesmal allerdings nicht mehr als Kandidatin der Grünen, sondern als Einzelbewerberin angetreten. Sie erhielt 64,7 Prozent, ihr Herausforderer Thomas Spieker von der CDU kam auf 35,3.
In Niedersachsens zweitgrößter Stadt setzte sich der Amtsinhaber von der SPD durch. Thorsten Kornblum bekam bei der OB-Wahl in Braunschweig 75,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sein Herausforderer Maximilian Pohler von der CDU erreichte 24,4 Prozent. Kornblum geht damit in seine zweite Amtszeit.
Der parteilose Jascha Rohr entschied die Oberbürgermeister-Stichwahl in Oldenburg für sich. Der von Grünen und CDU unterstützte Kandidat setzte sich nach dem von der Stadt veröffentlichten Ergebnis nach vollständiger Auszählung mit 51,55 Prozent der Stimmen durch. Sein Konkurrent, der SPD-Landtagsabgeordnete Ulf Prange, erreichte 48,45 Prozent.
Damit wird Rohr Nachfolger von Jürgen Krogmann von der SPD, der seit 2014 als Oberbürgermeister im Amt ist. Im ersten Wahlgang hatte Prange mit 33,2 Prozent noch vor Rohr mit 30,5 Prozent gelegen. Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hatte, war eine Stichwahl nötig geworden.
In Lüneburg bleibt die Grünen-Politikerin Claudia Kalisch Oberbürgermeisterin. Sie setzte sich knapp mit 52,9 Prozent gegen Heiko Meyer von der Wählergruppe Die Unabhängigen durch, der 47,1 Prozent der Stimmen erhielt.
Anders als bei ihrer ersten Wahl 2021 trat Kalisch diesmal als Einzelbewerberin an. Sie wollte damit nach eigenen Angaben verdeutlichen, dass sie ihr Amt stets überparteilich und unideologisch geführt habe. Sie bleibe aber „weiterhin mit Herz und Seele Mitglied der Grünen“, sagte sie.
