Pole Position vor Silber-RivaleRussell weiter im Kanada-Flow – aber jetzt droht das große Wetterchaos
Wochenlang sieht George Russell nur die Rücklichter seines jungen Mercedes-Rivalens Kimi Antonelli. Beim Kanada-GP ist er dabei, das Blatt zu wenden. Er holt nach dem Sprint-Sieg auch die Pole Position für das Rennen. Das Qualifying ist aber eine enge Kiste.
Seit Wochen und Monaten sah George Russell den Mercedes-Rivalen Kimi Antonelli nur noch von hinten. In Montréal ist er nun wieder da – und hat dabei vor allem eine Botschaft: „Viele Leute haben geredet, aber ich habe mir nie wirklich Sorgen gemacht“, sagte Russell am Samstag. „Für mich war klar, dass ich stark wiederkomme.“ Beim Grand Prix in Kanada gelingt das bislang: Erster Startplatz für den Sprint, dann der Sieg im Sprint – und die Pole Position für den Grand Prix am Sonntagabend (22 Uhr MESZ/Sky).
Antonelli, 19 Jahre alt und WM-Spitzenreiter, musste sich im Qualifying knapp mit Startplatz zwei begnügen. Zwischen den Teamkollegen lagen nur 68 Tausendstel. Dieses interne Duell wird am fünften Rennwochenende der Saison eindeutig intensiver. Schon im Sprint war es bei zwei Manövern von Antonelli beinahe zum Zusammenstoß der beiden Mercedes-Boliden gekommen, Antonelli schimpfte am Funk, Teamchef Toto Wolff sprach ein Machtwort, um die Diskussionen zu beenden. Man habe gemeinsam später ein „ausgezeichnetes“ Gespräch geführt, sagte Wolff bei Sky. Auch Russell will vor dem Start kein Problem sehen: „Wir sind beide Rennfahrer, wir wissen, was wir zu tun haben.“
Heftiger Temperatursturz könnte Rennen spannend machen
Antonelli geht mit 18 Punkten Vorsprung an den Start. Zuletzt hatte der junge Italiener dreimal in Folge das Hauptrennen gewonnen. Russell peilt seinen ersten Sieg seit dem Saisonauftakt Anfang März im australischen Melbourne an.
Die Überlegenheit der Silberpfeile war in Kanada allerdings nicht so deutlich, wie es sich im Training angedeutet hatte. Weltmeister Lando Norris und Oscar Piastri schafften es in den McLaren auf die Startplätze drei und vier. Ihnen fehlten weniger als zwei Zehntel auf die Mercedes-Piloten.
Auf Startplatz fünf wird Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari stehen, gefolgt von Max Verstappen im Red Bull. Nico Hülkenberg wurde im Audi Elfter – wie schon im Sprint-Qualifying und überhaupt schon häufiger in diesem Jahr. Damit bieten sich dem Emmericher wieder Chancen auf seine ersten Punkte im deutschen Werksteam.
Eine gewisse Portion Ungewissheit nimmt indes jeder Rennstall mit in den Sonntag. Ein heftiger Temperatursturz auf etwa 12 Grad ist angesagt, auch Regen ist wahrscheinlich. Die neuen Autos und auch die neuen Regenreifen wurden von den Piloten noch nie auf nasser Strecke unter Wettbewerbsbedingungen bewegt – das gesamte Fahrerlager geht davon aus, dass die Boliden bei Regen schwer zu kontrollieren sind.
