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Boom auch durch Abnehmspritzen: High-Protein-Produkte sind teuer und stark verarbeitet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 30, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Boom auch durch AbnehmspritzenHigh-Protein-Produkte sind teuer und stark verarbeitet

30.05.2026, 13:20 Uhr Von Caroline Amme
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Molkenprotein – oder Whey Protein – wird aus Molke hergestellt, die bei der Käseherstellung anfällt.

Mit dem Protein-Hype lässt sich aktuell viel Geld verdienen. Protein-Produkte werden teuer vermarktet. Sie versprechen Muskeln und sollen beim Abnehmen helfen. Stimmt das?

Proteinshakes, die den „Rücken breit“ machen. Proteinmilch, die „mehr Höhenmeter“, „mehr Power und mehr Schwung“ verspricht. Protein Iced Coffee für einen „smarteren Start in den Tag“. Ein Proteinsnack im Becher, mit dem man sein „bestes Selbst“ schafft. Alle möglichen Produkte werden momentan mit dem Zusatz „High Protein“ beworben. Käse, Müsli, Brötchen und sogar Schokoriegel oder Eis – Protein-Lebensmittel sind im Trend.

Früher eher bei Sportlern beliebt, haben sie inzwischen die breite Masse erreicht. High-Protein-Produkte werden als gesunde Alternative zum Dessert oder Snack angepriesen. Es gibt sie auch in konzentrierter Form, als Pulver oder als Fertiggetränk.

Der Markt für proteinreiche Lebensmittel und Getränke wächst weltweit. Vor allem in den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Spanien. Dieses Jahr erreicht er voraussichtlich einen Wert von 22 Milliarden US-Dollar – Tendenz steigend.

Abnehmspritzen sorgen für Muskelabbau

Befeuert wird der Boom durch ein größeres Gesundheitsbewusstsein – aber vor allem auch von Abnehmspritzen wie Ozempic oder Wegovy. Damit sie beim Abnehmen keine Muskeln abbauen, essen die Konsumenten oft proteinreiche Lebensmittel. Denn beim Abnehmen per Spritze verlieren sie nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse – mehr als bei Diäten. Experten empfehlen daher begleitend eine höhere Proteinzufuhr.

„Der Hype um High-Protein-Produkte oder eiweißreiche Lebensmittel resultiert daraus, dass die anderen Makronährstoffe schon einen negativen Stempel haben“, sagt Lars Selig, Leiter des Ernährungsteams am Universitätsklinikum Leipzig, im ntv-Interview. Fett und Kohlenhydrate würden verteufelt. Damit bleibe nur noch Eiweiß. „Tatsächlich hat Eiweiß auch positive Effekte, es macht schneller und länger satt“, erklärt Selig.

Proteine sind Eiweiße. Sie gehören zu den drei Hauptnährstoffen. So wie auch Kohlenhydrate und Fette haben sie für unseren Körper eine lebenswichtige Funktion. Sie sind ein Baustoff für Knochen, das Bindegewebe, Organe, die Haut und Muskeln. Eiweiße sind auch wichtig für die Immunabwehr, da sie die Immunzellen bilden. Außerdem transportieren sie Nährstoffe wie Fett oder Sauerstoff durch den Körper.

Muskelaufbau durch Proteine? Nur mit Training

Da die Körperzellen ständig erneuert werden, brauchen wir jeden Tag eine Eiweißration. Proteine bestehen aus mehreren Bausteinen, den Aminosäuren. Einige dieser Aminosäuren kann unser Körper nicht selbst bilden – diese müssen wir mit der Nahrung aufnehmen.

Dafür gibt es genaue Vorgaben: Erwachsene bis 65 Jahre sollten 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Bei einem Gewicht von 70 Kilo braucht man also 56 Gramm Protein pro Tag. Ältere brauchen etwas mehr – ein Gramm pro Kilo Körpergewicht täglich. Wer viel Sport treibt, sollte bis zu zwei Gramm Proteine pro Kilo Körpergewicht zu sich nehmen.

Sportler brauchen das Eiweiß, um Muskeln aufzubauen und zu erhalten, erklärt Mediziner Christoph Specht bei ntv. Man bekommt aber nicht automatisch mehr Muskelkraft, wenn man mehr Proteine isst – man muss die Muskulatur gleichzeitig auch mehr trainieren. „Wenn ich aber nur Proteine zu mir nehme, dann passiert da gar nichts, sondern diese zusätzlichen Proteine werden umgebaut in Fett.“

High-Protein-Produkte oft überteuert

Eiweiße stecken in allen möglichen alltäglichen Lebensmitteln. Besonders viel enthalten Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier. Außerdem Hülsenfrüchte wie Soja oder Linsen. Auch in Brot, Haferflocken, Nüssen, Kartoffeln, Reis und Pilzen sind Proteine enthalten.

Tierische Eiweiße kann der Körper besser verwerten als pflanzliche. Dafür sind pflanzliche Eiweiße gesünder. Weil man dann noch andere gesunde Stoffe „mitisst“, wie Vitamine oder Ballaststoffe.

Um den Proteinbedarf zu decken, sind für gesunde Menschen also kein spezielles Proteinpulver oder der Riegel mit der Extraportion Protein nötig. Das gilt auch für Freizeit- oder Leistungssportler.

High-Protein-Produkte sind vor allem eins: teuer. Im Durchschnitt kosten sie fast doppelt so viel wie vergleichbare Produkte ohne zusätzliches Protein. „High-Protein-Produkte, die angereichert sind und so werblich herausgehoben werden, werden in aller Regel teurer verkauft. Wir finden im Supermarkt eine ganze Reihe von Produkten, die von Natur aus eiweißreich sind und die nicht ausgelobt werden“, sagt Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale zu ntv.

Protein-Produkte oft ungesund

Wenn auf einer Verpackung „Proteinquelle“ steht, müssen im Produkt mindestens zwölf Prozent des Energiegehalts aus Protein stammen. So viel ist in 100 Gramm Quark von Natur aus enthalten. Den Zusatz „High-Protein“ dürfen Hersteller nur dann auf ihre Verpackung drucken, wenn 20 Prozent des Energiegehalts aus Eiweiß stammen. So viel enthalten 100 Gramm Lachs natürlicherweise.

Viel Protein heißt aber noch lange nicht, dass das Produkt gesund ist. Oft sind diese Lebensmittel stark verarbeitet, kritisiert Brendel. „Es geht nicht um die Gesamtheit der Nährstoffe, sodass auch Produkte wie Kartoffelchips oder Bonbons mit Eiweiß angereichert sein können, aber trotzdem viel Zucker oder viel Fett enthalten können. Diese Werbung bezieht sich nur auf das Eiweiß, sagt aber nichts über den Wert des Produkts insgesamt aus.“

Viele Produkte werden auch eiweißreicher dargestellt, als sie eigentlich sind, bemängelt die Verbraucherzentrale. Die Hersteller werben mit Proteinangaben, die sich auf die gesamte Packung statt auf eine Portion beziehen. In der Praxis würde selten eine komplette Packung verzehrt.

Ob Lebensmittelhersteller den Proteingehalt in Gramm prominent außerhalb der regulären Nährwerttabelle auf der Verpackung platzieren dürfen, wird aktuell vor Gericht verhandelt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat ein Grundsatzverfahren dazu ausgesetzt und dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Klärung vorgelegt. Mehrere Oberlandesgerichte hatten die isolierte Grammangabe auf der Vorderseite für unzulässig erklärt und als Wettbewerbsverstoß eingestuft.

Proteinreiche Diät wirkt nur kurz

Die Hersteller von Eiweißshakes und Co. versprechen nicht nur mehr Muskeln, sondern auch Gewichtsverlust. Und das ist auch richtig: Proteine helfen dabei, abzunehmen. Eiweiße machen schneller satt und das Sättigungsgefühl hält länger an. Deshalb werden zum Abnehmen Rezepte empfohlen, die viel Eiweiß und wenig Kohlenhydrate enthalten.

Zum Sättigungseffekt gebe es gute Studien, sagt Ernährungsexperte Selig: „Wenn man Menschen unbegrenzt essen lässt, sieht man, dass die, die sehr eiweißreich essen, viel weniger essen. Sie nehmen insgesamt viel weniger Energie auf als die, die eiweißarm essen und die ganz viele Kohlenhydrate und Fett essen.“

Die proteinreiche Diät wirkt allerdings nur kurz: Am Anfang wird man die Kilos schnell los. Ähnlich wie bei anderen Diäten passt sich der Stoffwechsel nach einigen Monaten an, und man nimmt wieder zu, so Selig.

Körper produziert mehr Harnstoff

Proteine sind lebenswichtig. Zu wenig davon zu sich zu nehmen, schadet unserem Körper. Aber wie ist es, wenn man aus Versehen mehr Eiweiß isst als empfohlen?

Studien dazu gibt es bisher nicht. Aber das Doppelte der empfohlenen Menge ist unbedenklich, sagt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit: also pro Kilo Körpergewicht 1,6 Gramm Proteine.

Wichtig ist es aber, zusätzlich auch mehr zu trinken, rät Selig. Der Körper wandelt Eiweiß zu Harnstoff um. Den scheiden die Nieren über den Urin aus. Bei zu viel Proteinzufuhr wird auch mehr Harnstoff produziert. Wenn man mehr trinkt, können die Nieren diesen besser ausscheiden. Bei Vorerkrankungen kann der zusätzliche Harnstoff im Körper die Nieren belasten.

Whey-Hype sorgt für Molke-Boom

Wenn der weltweite Protein-Hype anhält, könnte das noch einen weniger offensichtlichen Nebeneffekt haben, schreibt die Financial Times. Grundstoff für viele Protein-Produkte ist Molke. Diese Flüssigkeit entsteht bei der Käseherstellung. Früher war sie eher Abfall – heute mausert sie sich zum Hauptprodukt. Die Molke wird zu einem Molkenprotein eingedampft, auch Whey genannt.

Molke wird deshalb immer begehrter – und auch teurer. Die Molkepreise haben sich seit 2023 verfünffacht und liegen nun bei 28.000 Euro pro Tonne. Europäische Molkereikonzerne wie Arla aus Dänemark oder Friesland Campina aus den Niederlanden kommen laut dem Bericht mit dem Produzieren kaum hinterher.

Wenn die Molkereibetriebe mehr Molke produzieren, stellen sie zwangsläufig auch mehr Käse her. Wenn das so weitergeht, könnte das zu einem Käse-Überangebot in den Kühltheken führen.

Quelle: ntv.de

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