Die Hochzeit soll der schönste Tag im Leben sein – da will man nicht geizen. Doch der Wunsch nach Perfektion ist so groß, dass jedes dritte Paar bereit ist, sich zu verschulden. Ist das sinnvoll?
In Deutschland gibt es jedes Jahr Hunderttausende Hochzeiten. Und die sind nicht nur romantisch, sondern auch teuer: Sehr viele Paare geben mehrere Zehntausend Euro für den schönsten Tag im Leben aus. Auf den ersten Blick unglaubliche Summen. „Das Ganze häuft sich, wenn man die verschiedenen Dinge auf einer Hochzeit zusammenzählt“, sagt Katharina Lüth, Vorständin bei Raisin, im ARD-Finanzformat 50k auf YouTube.
Das Teuerste: die Location. Laut Bridebook ist der Veranstaltungsort mit durchschnittlich 8.568 Euro der größte Kostenpunkt. Aber auch Catering beim Empfang und am Abend ist ähnlich teuer. Weitere Kosten fallen für Kleid, Anzug und Fotograf an – schnell summieren sich die Preise jeweils auf vierstellige Beträge. Weitere Ausgaben kommen für Verlobungsringe und die Flitterwochen hinzu – laut Bridebook noch mal rund 3.000 Euro.
Fast ein Fünftel macht Kreditschulden
Angesichts dieser Beträge ist es wenig verwunderlich, dass nicht jedes Paar das Fest der Liebe einfach so stemmen kann. Trotzdem wollen viele bei ihrer Traumhochzeit keine Abstriche machen. Was also tun, um diese Kosten zahlen zu können? 35,8 Prozent der angehenden Eheleute wollen sich laut einer Umfrage von Raisin verschulden. Das gilt vor allem für Paare unter 30 – junge Menschen, die eher weniger Zeit zum Sparen hatten.
Schulden sind nicht gleich Schulden. Manche Paare rechnen zum Beispiel Geldgeschenke mit ein. Für Hochzeitsgäste gilt die Faustregel, dass man mindestens so viel Geld schenken soll, dass Essen und Getränke für einen selbst bezahlt sind. Manche Paare zählen genau darauf und geben nur kurzzeitig mehr aus als sie haben.
Ungefähr acht Prozent der Paare wollen sich Geld aus dem Umfeld, von Familie oder Freunden leihen. Weitere acht Prozent planen Ratenzahlungen ein. Weitere acht Prozent der Paare in Deutschland wollen einen Konsumentenkredit aufnehmen, um ihren großen Tag zu bezahlen, neun Prozent planen Schulden über einen Dispokredit.
Teure Zinszahlungen
Ein Konsumkredit hat eine festgelegte Laufzeit, feste Zinsen und man kann ihn für alles nutzen, also auch für eine Hochzeit. Wie hoch die Zinsen sind, hängt von der eigenen Bonität ab. Auch die Laufzeit spielt eine Rolle für die endgültigen Kosten.
Rechenbeispiele von 50k zeigen, welchen Unterschied die Höhe des Zinssatzes machen kann. Der Finanzierungsbetrag – also die Höhe des Kredits – liegt dabei für beide Beispielrechnungen bei 20.500 Euro. Das sind laut Bridebook die durchschnittlichen Kosten für eine Hochzeit in Deutschland – plus Verlobungsring, Flitterwochen und einem kleinen Puffer.
Beispiel 1 geht von einem Zinssatz von zwei Prozent und einer Laufzeit von einem Jahr aus. Bei einer monatlichen Rate von 1.727 Euro zahlt man insgesamt 227 Euro Zinsen. Bei einer Laufzeit von sieben Jahren sinkt zwar die Rate bei gleichem Zinssatz auf 261 Euro, gleichzeitig steigen die Zinsenzahlungen auf 1.486 Euro. Die Laufzeit des Kredits hat also einen enormen Einfluss auf die Höhe der Zinszahlungen hat.
In Beispiel 2 steigt der Zinssatz auf sieben Prozent. Bei einer Laufzeit von einem Jahr erhöht das die monatliche Rate auf 1.774 Euro, mit 785 Euro zu zahlenden Zinsen. Die Zinskosten steigen im Vergleich zu Beispiel 1 schon bei kurzer Laufzeit von nur einem Jahr um mehr als 500 Euro.
Noch deutlicher ist der Unterschied bei einer Laufzeit von sieben Jahren: Die monatliche Rate liegt bei 309 Euro, der Zinsaufwand steigt auf über 5.400 Euro. Bei einem hohen Zinssatz und langer Laufzeit wie in diesem Beispiel zahlt man ein Viertel der Hochzeitskosten nochmal zusätzlich.
Konsum auf Pump finanzieren?
„Da es sich bei der Hochzeit um ein kurzfristiges Event handelt, sollte man dafür nicht die nächsten fünf Jahre einen Kredit abzahlen müssen“, so Lüth. Lange Kreditlaufzeiten können schnell zum Problem werden: Wer fünf – oder wie in den Beispielrechnungen – sieben Jahre einen Kredit abzahlen muss, muss sicher sein, auch zum Ende der Laufzeit den Kredit noch finanziell stemmen zu können. Deshalb rät sie: „Wenn man sich stark verschulden muss, sollte man überlegen, ob die Hochzeit etwas kleiner und kostengünstiger gestaltet werden kann.“
Konsumkredite unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt von Krediten, die beispielsweise zur Finanzierung eines Hauskaufs aufgenommen werden: Wer den Kauf einer Immobilie mit einem Kredit finanziert, investiert in ein Objekt, das einen Gegenwert hat und dessen Wert im Optimalfall langfristig steigt. Eine Hochzeit aber hat keinen Gegenwert, sie ist nach einem Tag einfach vorbei. Das Event endet und kann nicht wieder verkauft werden. Deshalb gelte bei Konsum grundsätzlich: „Erst die Sparleistung erbringen und dann konsumieren, das ist die bessere und sinnvollere Variante“, betont Lüth.
„Teuerste Variante eines Kredits“
Wenn man bei der Planung merkt, dass die Hochzeit doch teurer wird, kann es verlockend wirken, einfach das Konto leerzuräumen und bewusst ins Minus zu rutschen. Der Dispositionskredit („Dispo“) hat in der Regel einen Zinssatz zwischen zehn und 17 Prozent und liegt damit über dem durchschnittlichen Zinssatz eines Konsumkredits. Dennoch wollen ungefähr neun Prozent der Paare ihre Hochzeit so zumindest zum Teil finanzieren.
„Der Dispo ist so ungefähr die teuerste Variante eines Kredits“, so Lüth. Das zeigt auch ein Rechenbeispiel von 50k: Wer sein Konto um 5.000 Euro überzieht, zahlt dafür im Durchschnitt jeden Monat 63 Euro. Braucht man nun ein Jahr, um wieder ins Plus zu kommen, zahlt man insgesamt rund 750 Euro Zinsen. Zum Vergleich: Bei einem Konsumkredit mit sieben Prozent und einer Laufzeit von einem Jahr liegen die Zinszahlungen bei 785 Euro – allerdings bei einer Kreditsumme von 20.500 Euro statt 5.000.
Zwar ist es unwahrscheinlich, dass jemand ein Jahr lang genau 5.000 Euro im Minus ist. Aber vielen Menschen fällt es schwer, wieder vollständig aus dem Dispo rauszukommen. Laut dem Finanzvergleichsportal smava ist jeder zehnte Erwachsene in Deutschland mit überzogenem Konto ins Jahr gestartet.
Lieber länger sparen
Ratsam ist es also, das Geld für die Hochzeit anzusparen und nicht über Schulden zu finanzieren – auch wenn man dafür etwas Geduld braucht. Eine aktuelle Studie von Raisin zeigt, dass der Großteil der deutschen Paar im Schnitt zwischen einem und zwei Jahre auf die eigene Hochzeit spart. Gerade bei Paaren unter 30 Jahre ist die Sparzeit sogar noch länger: 40 Prozent sparen länger als drei Jahre.
Das Gute ist: Jeder kann selbst beeinflussen, wie viel das Sparen bringt – nämlich durch die Wahl der Geldanlage. Da es sich um ein verhältnismäßig kurzes Sparziel handelt, eignet sich ein Tagesgeldkonto gut. Und weil das Geld immer verfügbar ist, können Paare dann auch schnell zuschlagen, wenn sie spontan eine günstige Location finden.


