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Startseite»Politik»tagesthemen-Interview: FDP-Chef Kubicki zufrieden mit Wahlergebnis
Politik

tagesthemen-Interview: FDP-Chef Kubicki zufrieden mit Wahlergebnis

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 30, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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interview

Stand: 30.05.2026 • 22:10 Uhr

FDP-Chef Kubicki hat sich im tagesthemen-Interview zufrieden über sein Wahlergebnis geäußert. Seine Gegner will er nicht überzeugen, die AfD nicht zu wichtig nehmen. Mit welchen Themen er das FDP-Comeback schaffen will, ließ er aber offen.

tagesthemen: Gerundet war das Ergebnis heute 60 zu 40 – äußerst knapp für Sie. Braucht man, um eine Partei zu retten, nicht eine Partei, die etwas mehr hinter einem steht?

Wolfgang Kubicki: 60 zu 40 ist doch ein gutes Ergebnis. Und ich hatte heute beim Parteitag nicht das Gefühl, dass die Partei nicht hinter mir steht. Darum geht es gar nicht. Die Freien Demokraten sind ein lustiges Völkchen, streitbar, selbstbewusst und auch professionell genug, um mit solchen Situationen umgehen zu können. Wettbewerb schadet der Partei nicht, sondern stärkt die Partei.

tagesthemen: Der Applaus für Marie-Agnes Strack-Zimmermann und ihre Rede haben schon verdeutlicht, dass da auch möglicherweise Lager sind in der Partei. Sie polarisieren außerhalb der FDP, aber offenbar auch innerhalb der Partei. Wie wollen Sie denn die Anhänger von Strack-Zimmermann noch mehr für sich gewinnen?

Kubicki: Gar nicht. Weil meine Aufgabe nicht darin besteht, irgendjemanden zu gewinnen, sondern dazu beizutragen, dass die Freien Demokraten von den Wählerinnen und Wählern wieder ernst genommen werden. Es ist völlig egal, wie wir uns nach innen selbst empfinden, ob wir lustig oder traurig sind. Entscheidend ist: Wir brauchen gute Ergebnisse bei Wahlen. Darum werde ich mich kümmern. Im Übrigen ist es nicht so, dass da ein großer Dissens vorherrscht und man sollte an Beifallsstürmen dann nicht ablesen, was die Partei im Zweifel entscheidet. Wir waren 1.500 Gäste im Raum und deren Applaus hat sich in den Stimmen der Delegierten niedergeschlagen.

„Die Freien Demokraten sind der größte Antipode der AfD“

tagesthemen: Okay, das kann man so oder auch anders sehen. Über einige Punkte wurde relativ hart diskutiert, etwa die Brandmauer-Debatte. Sie halten die Debatte für grundfalsch. Und dabei bleiben Sie auch, obwohl das viele in der FDP möglicherweise anders sehen.

Kubicki: Ich sehe nicht, dass es viele in der FDP anders sehen. Die Brandmauer ist für Liberale kein Kriterium. Wir weichen keiner Diskussion aus, und wir haben eigenständige Überlegungen, die wir präsentieren. Uns ist völlig egal, ob CDU oder SPD zustimmen oder was auch immer. Was wären wir für eine Partei, wenn wir unsere Überzeugungen und unsere Äußerungen davon abhängig machen würden, wer sonst noch im politischen Spektrum begeistert oder weniger begeistert ist. Man kann sich darauf verlassen: Die Freien Demokraten sind der größte Antipode der AfD und ich hasse es langsam, dass kein Interview stattfindet, ohne das über die AfD geredet wird. Wir machen sie alle größer als sie wirklich ist. Sie ist nicht das Zentrum des Universums.

tagesthemen: Ich thematisiere sie, weil sie heute in den Reden durchaus ein Thema war. Und das war ja nun ein Bundesparteitag der Liberalen. Für die FDP geht es darum, eine politische Marktlücke zu besetzen, einen Markenkern zu definieren. Wie groß ist das Risiko, dass der vor allem aus Ihren rustikalen Sprüchen besteht?

Kubicki: Es kann bewerten, wer will: tagesthemen genauso wie tagesschau oder was auch immer. Entscheidend ist, ob wir die Menschen erreichen in diesem Land. Und da traue ich der Partei sehr viel zu. Alles Weitere werden wir sehen. Ich wehre mich gegen dieses Schubladendenken auch von denjenigen, die Strack-Zimmermann unterstützt haben bei ihrer Kandidatur, die ja für alle überraschend kam, trotz einer einstündigen Rede. Auch die haben sich eingebracht in die Partei und wollen, dass die Liberalen Erfolg haben. Daran werden wir alles orientieren: einem Erfolg der Freien Demokraten bei Wahlen.

„Klare Position beziehen und eine klare Sprache sprechen“

tagesthemen: Wie soll der gelingen? Wie sieht die Marktlücke konkret aus? Welches Konzept?

Kubicki: Wir müssen einfach nur eine klare Position beziehen und eine klare Sprache sprechen, anders als in der Vergangenheit. Wir sind ja von vielen Menschen gar nicht mehr identifiziert worden. Ich kann mich erinnern, dass bis vor fünf Wochen die Freien Demokraten bei den meisten Meinungsumfragen gar nicht mehr ausgewiesen wurden, sondern unter Sonstiges abgestempelt worden sind.

tagesthemen: Sie haben eine Menge Herausforderungen vor sich, zum Beispiel jetzt im Herbst in Sachsen-Anhalt. Dort können Sie bei den Landtagswahlen eine Alleinregierung der AfD verhindern, wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde knacken. Erstrebenswert?

Kubicki: Ja, das ist das Ziel, das wir mehr als fünf Prozent erreichen und in den Landtag zurückkehren. Und wenn wir dabei die AfD weiter abschmelzen, ist der Demokratie auch gut getan worden. Noch einmal: Wir definieren uns nicht nach den Bedürfnissen anderer, sondern wir haben eine eigenständige Position, die jetzt nur für die Menschen wahrnehmbar wieder vermittelt werden muss. Leicht kann jeder, schwierig ist die Herausforderung – und ich traue mir das zu.

„Viele Spitzenpolitiker haben sich gemeldet“

tagesthemen: Hat sich der Kanzler schon bei Ihnen gemeldet, um Ihnen zu gratulieren? Also der Mann, den Sie vor kurzem auch mal „Eierarsch“ genannt haben.

Kubicki: Wenn ich Ihnen mitteilen würde, wer sich alles schon bei mir gemeldet hat, um mir zu gratulieren, dann wundert mich das. Alles, was Sie an Spitzenpolitikern haben bei SPD, Grünen und auch der Union, hat sich bei mir gemeldet. Das wird unter uns bleiben. Aber jedenfalls zeigt es, dass auch die wieder glauben, dass die Freien Demokraten auf die politische Bühne zurückkehren können, von der sie ja gerade verschwunden waren.

Das Interview führte Jessy Wellmer, tagesthemen

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