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Taiwan mahnt zur Aufarbeitung : Gedenken und Kritik am Jahrestag des Tian’anmen-Massakers

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 4, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Taiwan mahnt zur Aufarbeitung Gedenken und Kritik am Jahrestag des Tian’anmen-Massakers

Ein Polizist steht auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Hinterbliebene der Opfer fordern bis heute Aufklärung und Entschädigung. (Foto: REUTERS)

Am Morgen des 4. Juni 1989 sterben in den Straßen um den Tian’anmen-Platz in Peking Hunderte Menschen: Das Militär schlägt wochenlange Proteste blutig nieder. Die genaue Opferzahl ist bis heute nicht bekannt, in China ist das Thema ein Tabu. Deutliche Worte dafür findet etwa US-Außenminister Rubio.

Taiwans Präsident Lai Ching-te hat China für die mangelnde Aufarbeitung des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen) vor 37 Jahren in Peking kritisiert. Ein „wahrlich großes Land“ sollte nicht auf ein mächtiges Militär setzen, sondern sich den Wunden seiner Geschichte stellen, schrieb Lai auf Facebook. Er hoffe, dass China den Ereignissen ins Auge sehe, die Wahrheit anerkenne und einen Dialog beginne.

Chinas Führung versucht mit aller Macht, die gewaltsame Niederschlagung aus dem nationalen Gedächtnis zu löschen. In Peking fahren derzeit in Bussen, die den Tian’anmen-Platz überqueren, neben Sicherheitsleuten auch mehrere uniformierte Polizisten mit. Über den Platz selbst strömen wie sonst auch viele Touristen.

Mit dem Tod von Reform-Hoffnungsträger und KP-Generalsekretär Hu Yaobang Mitte April 1989 erhob sich im Herzen Pekings eine Bewegung für mehr Mitsprache und gegen Korruption. Die Regierung bekam die mehrwöchigen Proteste nicht in den Griff und ließ sie vom Militär zerschlagen. Am frühen Morgen des 4. Junis starben in den Straßen um den Tian’anmen-Platz Hunderte Menschen etwa durch Schüsse. Die genaue Opferzahl ist bis heute nicht bekannt. Menschenrechtsgruppen und Augenzeugen gehen jedoch von Tausenden Toten aus.

Hinterbliebene fordern bis heute Aufklärung und Entschädigung. Die Regierung komme ihrer Verantwortung nicht nach, verweigere Wiedergutmachung und unterdrücke öffentliche Diskussion über die Geschehnisse, teilten die „Mütter des Tian’anmen“ vor dem Gedenktag mit.

In der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong spannte der Künstler Chen Sanmu am Mittwoch einen 6,4 Meter langen roten Faden nahe dem Victoria-Park, wo früher traditionell des Massakers gedacht worden war. Berichten zufolge nahmen Polizisten in Zivilkleidung wenige Minuten später Chens Personalien auf und durchsuchten ihn. Die 6,4 Meter symbolisieren das Datum der Ereignisse. Das öffentliche Gedenken in Hongkong endete nach der Einführung eines nationalen Sicherheitsgesetzes durch Peking im Jahr 2020. Zuvor hatten in der asiatischen Finanzmetropole jährlich Zehntausende Menschen an Mahnwachen teilgenommen. 

In Taiwans Hauptstadt Taipeh sind für den Nachmittag und Abend Ortszeit Gedenkveranstaltungen geplant. Mittlerweile finden die größten Erinnerungstreffen auf der unabhängig regierten Insel statt, die China für sich beansprucht.

Derweil haben die USA erklärt, dass Chinas Zensur die Erinnerung an das Massaker nicht „auslöschen“ könne. Am Ende werde den Opfern „Recht geschehen“, erklärte US-Außenminister Marco Rubio. „Kein Ausmaß an Zensur kann die Vergangenheit auslöschen“, sagte Rubio. „Jenen, die Opfer brachten, um ihre unveräußerlichen Rechte auf freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlung zu wahren, wird eines Tages Recht geschehen.“

Quelle: ntv.de, are/dpa/AFP/rts

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