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Startseite»Nachrichten»„Charaktertest nicht bestanden“: Europa-Aus nach 33 Jahren: Der THW Kiel stürzt böse ab
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„Charaktertest nicht bestanden“: Europa-Aus nach 33 Jahren: Der THW Kiel stürzt böse ab

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 4, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Charaktertest nicht bestanden“Europa-Aus nach 33 Jahren: Der THW Kiel stürzt böse ab

Andreas Wolff und der THW Kiel verloren bei Abstiegskandidat GWD Minden. (Archivbild)

Der Handball-Rekordmeister zittert gewaltig. Erstmals seit über 30 Jahren könnte der THW Kiel einen internationalen Wettbewerb verpassen. Der Trainer muss um seine Zukunft fürchten. Was steckt hinter der Krise?

Die Klub-Ikone fand klare Worte, der Geschäftsführer vermied ein klares Bekenntnis zum Trainer: Handball-Rekordmeister THW Kiel steht vor dem fatalen Finale einer verkorksten Saison und einem vorläufigen Abschied vom europäischen Geschäft nach mehr als 30 Jahren ununterbrochener Teilnahme.

„Charaktertest nicht bestanden“, sagte Kreisläufer Hendrik Pekeler nach dem 30:34 bei Abstiegskandidat GWD Minden. Und auf die Frage nach der Zukunft von Trainer Filip Jicha gab sich Geschäftsführer Viktor Szilagyi bedeckt: „So etwas ist nie 100 Prozent sicher. Es ist sicherlich zu früh, irgendwelche Prozentzahlen abzugeben. Man muss ein gemeinschaftliches Gefühl entwickeln und die gleichen Ziele verfolgen. Das sind die Themen, die wir jetzt besprechen müssen“, sagte der Österreicher den „Kieler Nachrichten“.

Platz fünf reicht wohl nicht für Europa

Noch liegen die Norddeutschen in der Bundesliga auf dem fünften Tabellenplatz. Doch zur Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb reicht das aller Voraussicht nach nicht. Die Chance, sich über einen Sieg in der European League für die Champions League zu qualifizieren, verpasste der THW durch die Finalniederlage in Hamburg gegen die MT Melsungen.

Da der Tabellen-14. Bergischer HC als Verlierer des deutschen Pokalfinales gegen die Füchse Berlin einen Startplatz in der European League sicher hat, ist der THW auf das Wohlwollen der Europäischen Handballföderation (EHF) angewiesen. Diese vergibt sogenannte Upgrades, die von den nationalen Ligen und Verbänden beantragt werden.

Angesichts von drei deutschen Startern in der Champions League, aktuell der SC Magdeburg, die Füchse Berlin und Melsungen, sowie drei Klubs in der European League – SG Flensburg-Handewitt, VfL Gummersbach und der Bergische HC – wäre ein siebter Teilnehmer aus Deutschland im Europapokal eher unwahrscheinlich, aber auch nicht gänzlich unvorstellbar.

33 Jahre hintereinander international dabei

Das letzte Mal, dass die Kieler nicht in Europa spielten, war vor 33 Jahren, nachdem sie die Saison 1992/93 nur auf dem siebten Platz abgeschlossen hatten. Deutscher Meister wurde damals unter dem späteren Bundestrainer Heiner Brand die einstige SG Wallau/Massenheim, die aktuell als HSG Breckenheim/Wallau/Massenheim die Saison in der viertklassigen Regionalliga Hessen auf dem vierten Platz abgeschlossen hat.

Der THW dagegen gewann bei seinen Europapokal-Auftritten zwischen 1995 und 2026 je viermal die Champions League (2007, 2010, 2012 und 2020) und die heutige European League (1998, 2002, 2004 und 2019).

Sucht man nach den Gründen für den Kieler Niedergang, kommen zwangsläufig die vielen Verletzungen ins Spiel. Rückraum-Linkshänder Emil Madsen und Spielmacher Elias Ellefsen á Skipagøtu fallen schon länger verletzt aus. Am Mittwoch fehlte zudem Harald Reinkind. Während des Spiels zogen sich der erst 18 Jahre alte Youngster Rasmus Ankermann nach einem üblen Foul sowie Magnus Landin und Rune Dahmke Blessuren zu.

Konkurrenz hat die Furcht vor dem THW verloren

Zur Wahrheit gehört aber auch: Unter Filip Jicha hat sich das Kieler Spiel im Vergleich zu den nationalen Spitzenteams aus Magdeburg und Berlin kaum weiterentwickelt. Die Furcht vor den schier übermächtigen „Zebras“ ist Vergangenheit. Von den bislang acht Niederlagen in dieser Saison kassierte der THW drei gegen Minden, die HSG Wetzlar und den TVB Stuttgart – allesamt Teams aus den unteren Tabellenregionen.

Dafür sorgten die Norddeutschen aber auch für die bisher einzige Saisonniederlage von Meister Magdeburg. Bei einer Niederlage im letzten Heimspiel am Sonntag (15 Uhr/Dyn und im Liveticker bei ntv.de) gegen den TBV Lemgo Lippe droht sogar noch Platz sechs. So schlecht waren die Kieler zuletzt vor 23 Jahren.

Sollte der THW in der kommenden Saison tatsächlich nicht international dabei sein, hätte das auch Folgen auf die Nationalmannschaft. Leistungsträger im Team von Bundestrainer Alfred Gislason wie Torhüter Andreas Wolff und Rückraumspieler Julian Köster, der zur neuen Serie vom VfL Gummersbach zum THW wechselt, hätten dann im Ligabetrieb nur Spiele gegen die nationale Konkurrenz. Und das vor der Heim-WM im Januar.

Quelle: ntv.de, Stefan Flomm, dpa

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